Offener Brief an Außenminister Dr. Guido Westerwelle zur Besetzung des Stiftungsrats „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“: Appell an der Ablehnung von Erika Steinbach als Mitglied des Stiftungsrates festzuhalten!

Berlin, 22.12.2009

Offener Brief zur Besetzung des Stiftungsrats „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“

Sehr geehrter Herr Dr. Westerwelle,

in der aktuellen Debatte um die Besetzung des Stiftungsrats der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ bitten wir Sie eindringlich, an ihrer bisherige Position der Ablehnung der Mitgliedschaft von Erika Steinbach im Stiftungsrat festzuhalten. Wir möchten sie ausdrücklich darin bestärken, in dieser Frage standhaft zu bleiben.

Wir, als Vertreter einer jüngeren Generation, haben kein Verständnis dafür, wenn das wichtige nachbarschaftliche Verhältnis zu Polen und Tschechien durch die vergangenheitsbezogenen Attacken von Erika Steinbach weiter belastet werden würde. Diese Gefahr besteht aber unserer Ansicht nach, wenn Frau Steinbach einen Sitz im Stiftungsrat bekommen sollte.

Wir teilen die Zweifel der polnischen und der tschechischen Regierung am Versöhnungswillen von Erika Steinbach.

  • Sie hat die Anerkennung der Oder/Neiße-Grenze im Bundestag verweigert und sich bis heute von dieser Position nicht distanziert.
  • Frau Steinbach hat ihre Bedenken gegen die EU-Osterweiterung in einer Protokollerklärung niedergelegt.
  • Schließlich hat sie den offenen Sitz im Stiftungsrat als „wunderbares Damoklesschwert“ bezeichnet.

Wer mit einer solchen unverhohlenen Drohung in einer so sensiblen Frage agiert, kann nicht glaubwürdig eine Rolle als Versöhnerin für sich reklamieren. Wer die Oder/Neiße-Grenze nicht anerkennt ist nicht geeignet, die Versöhnung mit Polen und Tschechien voran zu treiben. Und wer auf Grund von vermeintlich ungeklärten Vermögensfragen Bedenken gegen die EU-Osterweiterung anmeldet, hat das Friedensprojekt „Europäische Union“ scheinbar nicht verstanden.

Dabei scheint Frau Steinbach die vielen Vorteile, welche die Aussöhnung mit Polen und EU-Osterweiterung gerade auch für ihren Verband bietet, überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen. Die EU bietet Rechtssicherheit beim Erwerb von Grundstücken und Immobilien in Polen und Tschechien. Durch die EU wird ein Anspruch ermöglicht, sich heute wieder dort niederzulassen, woher die Mitglieder des Bundes der Vertriebenen bzw. deren Vorfahren geflohen sind. Wenn es wirklich um die alte Heimat geht, dann konnte diesen Menschen nichts Besseres passieren als die von Frau Steinbach bekämpfte Aussöhnung mit Polen und Tschechien.

Sehr geehrter Herr Außenminister, die Bundesregierungen seit Willy Brandt über Helmut Kohl bis Gerhard Schröder standen stets und konsequent für Aussöhnung und Versöhnung mit unseren osteuropäischen Nachbarn. Die Regierung Merkel/Westerwelle darf nicht für eine Revision dieses Kurses stehen.

Mit freundlichen Grüßen,

Sven-Christian Kindler, MdB

Helge Limburg, MdL

Miriam Staudte, MdL

Christian Meyer, MdL

Agnes Krumwiede, MdB

Stefan Ziller, MdA

Ska Keller, MdEP

Katja Dörner, MdB

Jan Philipp Albrecht, MdEP

Ingrid Nestle, MdB

Agnieszka Malczak, MdB

Alexander Bonde, MdB

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2 Responses to “Offener Brief an Außenminister Dr. Guido Westerwelle zur Besetzung des Stiftungsrats „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“: Appell an der Ablehnung von Erika Steinbach als Mitglied des Stiftungsrates festzuhalten!”

  1. Potsblits sagt:

    Der Bund der Vertriebenen ist ein Opferverband. Es war Unrecht, was gegen deutsche Zivilisten damals geschehen ist. Man kann dagegen nicht das Unrecht, das von deutscher Seite geschehen ist aufrechnen. Das wäre menschenverachtend!

    Wir leben in einer Demokratie und niemand hat das Recht, den BdV und seine legitimen Interessen zu bevormunden. Das würde kein Opferverband hinnehmen.

    Dieses Bestreben hat in meinen Augen einen totalitären Charakter.

    Zudem hat Erika Steinbach mehrfach betont, dass sie das Votum des Deutschen Bundestags zum deutsch-polnischen Vertrag respektiert.

    Die vermögensrechtlichen Fragen sind noch ungeklärt. Wir haben auch noch Eigentum im jetzt polnischen Schlesien. Auf dieses Privateigentum kann kein deutscher Staat für uns verzichten.

    Stellen Sie sich einmal vor, morgen stände jemand vor Ihrer Haustüre und würde sagen, dass Sie Ihr Haus verlassen müssen, weil Deutschland in Afghanistan Mist gemacht hat… Würden Sie das akzeptieren?

  2. Im Brief sind alle wichtigen Argumente gegen die Berufung Steinbachs in den Stiftungsrat genannt.

    ” * Sie hat die Anerkennung der Oder/Neiße-Grenze im Bundestag verweigert und sich bis heute von dieser Position nicht distanziert.
    * Frau Steinbach hat ihre Bedenken gegen die EU-Osterweiterung in einer Protokollerklärung niedergelegt.
    * Schließlich hat sie den offenen Sitz im Stiftungsrat als „wunderbares Damoklesschwert“ bezeichnet.”

    Zusätzlich gebe ich Ihnen Recht. Die deutschen Mordtaten im zweiten Weltkrieg und während der Shoa können niemals mit der Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten verrechnet werden, das wäre eine unerträgliche Relativierung der Gräuel der Wehrmacht im 2. Weltkrieg und der Shoa, der Ermordung von über 6 Millionen Jüdinnen und Juden.

    Viele Deutsche auch in den ehemaligen Ostgebieten haben das mörderische NS-Regime unterstützt und ihre Flucht und Vertreibung war eine Folge der Alleinschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg.

    Übrigens freue ich mich, dass meine Großeltern, die in Pommern und Schlesien geboren sind, mit mir in meiner Heimatstadt Hannover wohnen und ich sie deswegen häufig sehen kann. Ich freue mich auch, dass die deutsch-polnischen Beziehungen trotz der Mordtaten der deutschen Nazis in Polen inzwischen wieder so gut sind. Und darum geht es: Die Beziehungen Deutschlands zu seinen osteuropäischen Nachbarn dürfen nicht wegen Erika Steinbach aufs Spiel gesetzt werden!

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