Erinnern für die Zukunft! „Jung und älter – zusammen in der Politik“: Sven-Christian Kindler, Ingrid Lange und die Grüne Jugend Hannover im Zeitzeugengespräch mit dem Auschwitzüberlebenden Salomon Finkelstein

Hannover, 10. März 2010

„Ich wurde hier vorgestellt als Salomon Finkelstein. In Auschwitz hatte ich zwei Jahre lang keinen Namen. Ich war Häftling 142340.“ Mit diesen Worten begann der in Hannover lebende Jude, den seine Freunde nur Salek nennen, seine Erzählung über die schrecklichen Erfahrungen während des Nationalsozialismus. Salomon Finkelstein durchlebte die Hölle auf Erden. Zwangsarbeitslager, das Vernichtungslager Auschwitz und nach dessen Befreiung einen Todesmarsch ins Lager Mittelbau-Dora bei Nordhausen. „Man kann sich das nicht vorstellen, was ich durchgemacht habe. Zum Ende hatte ich jede Hoffnung verloren.“. Seine Mutter und sein Vater wurden in Auschwitz ermordet. Doch Salomon Finkelstein hatte Glück, er überlebte.

Salomon Finkelstein ist betrübt über Menschen, die „endlich einen Schlussstrich ziehen wollen“ oder „nichts mehr davon hören wollen nach 65 Jahren“. Er kann nicht einfach vergessen. Er hat nicht einmal einen Platz, an dem er seiner toten Eltern gedenken kann. Es gibt kein Grab, an dem er um sie trauern kann. Salomon Finkelstein glaubte lange, er sei der Einzige aus seiner Familie, der die Shoa überlebt hatte. Doch vor zwanzig Jahren erhielt er die Information, dass sein Bruder auch noch lebte. Sein Bruder war überwältigt, als er davon am Telefon erfuhr und fiel vor Freude in Ohnmacht. Sie sehen sich seitdem regelmäßig. In ein paar Wochen wird Salomon Finkelstein wieder zu seinem Bruder in den kleinen Kibbuz bei Jerusalem reisen, wo dieser seit Ende des Krieges lebt.

Sven-Christian Kindler (25), grüner Bundestagsabgeordneter aus Hannover, und Ingrid Lange (72), grüne Bürgermeisterin der Landeshauptstadt, hatten Salomon Finkelstein im Rahmen ihres gemeinsamen Projektes „Jung und älter – zusammen in der Politik“ zur Grünen Jugend Hannover eingeladen. Im Rahmen der generationenübergreifenden Kooperation haben sie schon das Altenzentrum St. Anger und die IGS Roderbruch besucht. Ingrid Lange hat ein großes Vorbild. Es ist Sophie Scholl: „Viele haben damals geschwiegen oder mitgemacht. Nur Einzelne haben sich damals gewehrt. Viel zu wenig leider.“ Ingrid Lange war tief bewegt, als sie die Holocaustgedenkstätte, die Stelen, in Berlin besichtigte. Dort stand an einer Wand das Zitat von Primo Levi: „Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen.“ Und gerade deswegen sei es so entscheidend, sich zu erinnern und aus der Geschichte zu lernen, ergänzte Sven-Christian Kindler. „Um alles menschenmögliche zu tun, damit so etwas nie wieder in der Gegenwart oder der  Zukunft passieren kann. Eine aktive Zivilgesellschaft, die sich gegen Nazis, Rassismus und Antisemitismus engagiert, ist wichtiger denn je!“.

Von Sven-Christian Kindler und Ingrid Lange.

Von links: Salomon Finkelstein, Ingrid Lange und Sven-Christian Kindler

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