Artikel erschienen in "Bosch-Zünder", der Mitarbeiterzeitung der Robert Bosch Stiftung
Florian Bernschneider, 24, steht im Fahrstuhl dicht gedrängt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Die anfängliche Scheu geht mit der Zeit ein bisschen zurück, was auch gut ist, denn man muss schließlich zusammenarbeiten.“ Sven-Christian Kindler, 25, hängt aus dem Fenster seines Büros eine gelbe Fahne: „Atomkraft? Nein danke“. Gleich geht’s auf die Demo in Berlin. „Es kann einem nicht egal sein, was in dieser Gesellschaft passiert. Und man muss, finde ich, dazu eine Meinung haben und sich äußern.“
Florian und Sven-Christian, die beide Betriebswirtschaft studiert haben, gehören zu den jüngsten Mitgliedern des Deutschen Bundestags. Florian für die FDP, Sven-Christian für die Grünen. Deutsche Nachwuchspolitiker zwischen Tagespolitik und Idealismus.
Die Anpacker
Daniel Zimmermann, 28, sitzt in seiner alten Studentenwohnung und stimmt auf der Gitarre ein Lied von Eric Clapton an. Mit seiner Partei „Peto“ erreichte er bei der Kommunalwahl in Monheim am Rhein so viele Sitze wie die etablierte CDU. Nun ist Daniel Bürgermeister für gut 40 000 Einwohner.
Florian, Sven-Christian und Daniel sind „Die Anpacker“ – so heißt die Online-Serie, die acht junge Politiker mit der Kamera in ihrem Alltag begleitet und Einblicke in ihre Arbeit gibt. Zu sehen sind „Die Anpacker“ im Internet, auf der Website des Projekts „Du hast die Macht“. Sandra, Tanisha, Helge und Federico vom Projektteam wollen ihren Altersgenossen zeigen, dass sie gehört und gesehen werden können, wenn sie sich beteiligen. Deshalb bloggen sie zu aktuellen Themen wie Integration und Terrorismus, sind auf Facebook und YouTube aktiv, laden zu einem Foto- und einem Kurzfilmwettbewerb ein und treten im Musiksender Viva auf.
Hohe Kontaktzahlen
Das Projekt „Du hast die Macht“ der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit UFA Film & TV Produktion läuft noch bis Ende des Jahres. Projektleiter Robert Dörper, der zusammen mit den Jugendlichen in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Berlin-Kreuzberg sitzt, verweist auf hohe Kontaktzahlen über die Medien: Mehr als 4,5 Millionen Menschen wurden bisher erreicht. Besonders stolz ist er auf eine kurze Erwähnung in der TV-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, ein Dauerbrenner auf RTL. Dörper möchte die Website des Projekts zur zentralen Internetadresse für eine glaubwürdige Einbindung Jugendlicher in das politische Geschehen ausbauen. „Die Brücke schlagen“, sagt Sandra (s. Interview).
Regelmäßig geht das Team auch auf die Straße, um die Jugendlichen nach ihrer Meinung zu fragen. Die Erfolge lassen sich dort nicht so klar in Zahlen ausdrücken und hören sich manchmal fürchterlich direkt an: „Wenn wir jetzt keine Demokratie wären, das wäre schon scheiße. Und deswegen ist Politik irgendwie wichtig.“
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