Artikel erschienen in der Böhme-Zeitung, am 4. Mai 2011
Nur nich übermütig werden. Die K-Frage, die nach einem Kanzlerkandidaten oder einer -kandidatin, ist bei Bündnis 90/Die Grünen trotz langanhaltenden Umfragehochs (noch) kein Thema. Das sagte jedenfalls der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler gegenüber der Böhme- Zeitung.
In Begleitung seiner Wahlkreisbüromitarbeiterin Hedwig Schmidt und des Soltauer Kreistags- und Stadtratsmitglieds Dietrich Wiedemann stattete Kindler am Dienstagnachmittag der BZ-Redaktion einen Besuch ab und zeigte sich auf diese Frage gut vorbereitet. Selbstverständlich freue er sich über die aktuell sehr guten Umfragewerte, räumte der 26- Jährige ein, bewertete das aber wie ein erfahrener Politik-Hase: „Stimmungen sind keine Stimmen.“ Für den Höhenflug der Grünen gibt es vor allem eine Erklärung: Fukushima. Nach der Reaktorkatastrophe in Japan werde die Forderung nach einem schnellen Ausstieg von einer breiten Mehrheit getragen. Da unterscheide sich Deutschland von seinen Nachbarn. Für Kindler ein Verdienst seiner Partei: „Dafür kämpfen die Grünen seit 30 Jahren.“
Als Mitglied des Bundestagshaushaltsausschusses sitzt der Politiker nach eigener Überzeugung an der richtigen Schaltstelle für die angestrebte Energiewende: „Das ist in erster Linie eine soziale Frage.“ Da laufe alles zusammen. Dort müssten die Gelder für den ökologischen Umbau
eingesammelt werden. „Das ist ein hochspannendes Feld“, so Kindler, der einiges im Fokus hat. Zum Beispiel das Dienstwagenprivileg. Drei Milliarden Euro ließen sich relativ problemlos durch Änderungen sparen. Wesentlich mehr bei derBesteuerung von Flugbenzin.
Spätestens bis 2017 soll der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossene Sache sein, die sieben ältesten Kraftwerke und der „Schrottreaktor“ Krümmel gar nicht mehr ans Netz gehen. Ein ehrgeiziger Fahrplan, den nicht alle im Parlament vertretenen Parteien ehrlich unterstützten, „auch wenn sich CDU und CSU jetzt grün anmalen“. Nicht die erneuerbaren Energien seien teuer, sondern der Atomstrom. Das Problem sei das Oligopol auf dem deutschen Strommarkt: „Die vier großen Konzerne bestimmen den Preis.“ Die Förderung der erneuerbaren Energien ist aus Sicht des Grünen-Politikers keine Subventionierung, sondern eine Anschubfinanzierung. Das fördere die Gewinnung des Know-how und habe hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Exemplarisch nennt er die Entwicklung der Solarbranche, die bald kostendeckend arbeiten werde. Die wichtigste Rolle bei der Energiewende kommt nach Überzeugung Kindler aber der Windenergie zu.