NWZ: Ausbau von Bahnstrecken erhält Vorfahrt

Artikel erschienen in der NWZ, am 1. Februar 2012

Schiene Y-Trasse in Niedersachsen rückt in weite Ferne – Suche nach Alternativen für Containertransport

Bahn-Chef Grube hat ein Jahr Zeit, um Vorschläge zu machen. Die Landesregierung hofft weiter auf die Y-Trasse.

Hannover - Steht die umstrittene Y-Trasse vor dem Aus? Die Bahn hat die geplante Verbindung zwischen Hannover, Hamburg und Bremen nach eigenen Angaben „vorerst auf Eis gelegt“. Stattdessen will Bahn-Chef Rüdiger Grube Alternativen für das Bahnprojekt in Niedersachsen prüfen. Davon ist auch die Hinterlandanbindung der Häfen an der Nordsee betroffen.

„Wir haben vom Bund den Auftrag, Alternativen zu suchen“, sagte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis dieser Zeitung. Das niedersächsische Verkehrsministerium sprach von einem ganz normalen Vorgehen.

Die Bundesregierung habe bereits vor einigen Monaten interveniert, hieß es aus Bahnkreisen. Offiziell wurde die neue Strategie am Montagabend bekannt, als Grube beim Neujahrsempfang der Stadt Walsrode von der Suche nach Alternativen zur Y-Trasse sprach. „Die Y-Trasse, so wie sie ursprünglich einmal geplant worden ist, ist zunächst auf Eis gelegt“, sagte Grube. Die Bahn soll jetzt bis Anfang 2013 Vorschläge zum Ausbau des vorhandenen Schienennetzes machen. Dabei geht es unter anderem um die Strecke von Lüneburg über Uelzen nach Celle.

Mit dem Bau der Y-Trasse sollte sich die Fahrtzeit der schnellen Züge von Hannover nach Hamburg um 15 Minuten verkürzen. Der Güterverkehr hätte dann auf den bisherigen Strecken deutlich mehr Platz. Die Befürworter der Y-Trasse verweisen vor allem auf den steigenden Verkehr aus den norddeutschen Seehäfen, der eine Entlastung dringend notwendig mache. Die Gegner halten die Y-Trasse weder für wirtschaftlich, noch für finanzierbar. Die Bahn hatte die Kosten auf mindestens 1,6 Milliarden Euro beziffert.

Nach Ansicht des Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist die Y-Trasse damit vom Tisch. „Das war es dann wohl endgültig“, erklärte der niedersächsische VCD-Chef Michael Frömming. Er schlug vor, die Kapazität des bestehenden Streckennetzes durch gezielte Investitionen in Knotenpunkte und Brücken zu erhöhen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler sprach von einem „längst überfälligen Schritt“. Er forderte den Ausbau der Strecken Rotenburg-Verden und Bremen-Uelzen.

Das Land geht dagegen weiter davon aus, dass es am Ende der Prüfungen eine sehr gute Bewertung für die Y-Trasse geben wird. Auch die Bahn hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.

 

 


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