Posts Tagged ‘Bundestag’

Neue Presse: Grüner sauer auf die FDP

Dienstag, September 7th, 2010
HANNOVER. Ungewöhnlich scharf reagiert Sven-Christian Kindler, Bundestagsabgeordneter der Grünen, auf Äußerungen der FDP-Haushaltspolitikerin Claudia Winterstein. Sie hatte in der NP die Finanzpolitik der Stadt angegriffen.
„Es ist unverschämt, dass Frau Winterstein in Berlin an einer Steuerpolitik mitwirkt, die den Kommunen die Luft zum Atmen nimmt, und sich dann abfällig über Konsolidierungsanstrengungen äußert“, findet Kindler. Er wirft ihr „neoliberalen Privatisierungswahn“ vor.
07.09.2010 / NP Seite 5 Ressort: LOKA

HAZ Porträt von Sven-Christian Kindler: Jung, selbstbewusst, erfolgreich – und grün

Mittwoch, Juli 21st, 2010

Artikel erschienen in der HAZ, am 21. Juli 2010

VON GABI STIEF

Manche glauben noch heute, dass der typische Grüne Schlabberjeans trägt, strickt und am liebsten Müsli löffelt. Doch selbst in den Gründerjahren der Partei war dies nicht mehr als ein Klischee. Sven-Christian Kindler ist so etwas wie die moderne Version der Grünen – jung, selbstbewusst, erfolgreich. Bis vor Kurzem hat der 25-Jährige noch in einem hannoverschen Unternehmen Kosten-Leistungs-Analysen angefertigt, die dem Management als Blaupausen für Sparpläne dienten.

Nun sitzt er im Bundestag und will – wie er sagt – die Welt verändern. Man würde Kindler unterschätzen, wollte man dies als naiv abtun. Die Grenzen des Machbaren sind ihm vertraut. Persönlich hat er schon viel erreicht. Das Abitur an der Käthe-Kollwitz-Schule absolvierte er mit der Traumnote 1,4; im harten Wettstreit um einen der begehrten dualen Studienplätze in der Betriebswirtschaftslehre, die von Hochschulen in Kooperation mit Unternehmen angeboten werden, setzte er sich durch. Seinen Bachelor-Abschluss machte er als Jahrgangsbester. So mancher träumt dabei von Aufstieg und Wohlstand. Kindler hält Karriere für zweitrangig. „Mir war wichtig, die Ökonomie zu verstehen.“ Er kennt sich also aus mit Soll und Haben. Er weiß, was Schulden bedeuten; nicht nur für ein Unternehmen, sondern auch für ein Gemeinwesen. Was lag da näher als ein Platz im Haushaltsausschuss? Bundestagsneulingen gelingt ein Einstieg in dieses Gremium selten, aber Betriebswirt Kindler hat es wieder einmal geschafft. Seit Kurzem schaut der Grüne nun dem Finanzminister in die Bücher. In der Haushaltsdebatte im Bundestag stand er gleich viermal vorn am Rednerpult. Einmal sprach Wolfgang Schäuble direkt nach ihm. Seine Augen leuchten. „Klar, habe ich Achtung vor diesem Haus.“

Doch woher kommt die Leidenschaft zu einem Beruf, der nicht gerade hoch im Ansehen steht? Das Engagement schaute er sich bei seinen Eltern ab, die sich der Friedens- und Ökologiebewegung verschrieben hatten. Bei den Pfadfindern entdeckte er als 15-Jähriger die Liebe zur Natur. Bei den Reisen, sagt er, habe er erstmals Wut darüber verspürt, dass so viele schöne Dinge zerstört werden. Auch das Zusammensein mit Kindern aus armen Familien habe ihn bewegt. Irgendwann stieg er bei der Grünen Jugend ein und wurde ihr Sprecher in Niedersachsen. Später, da schrieb er schon an Kostenanalysen, trat er der IG Metall bei. In seinem Bundestagsbüro hat er das Abschiedsgeschenk seiner grünen Freunde aufgehängt; es ist eine Fotocollage, die ihn hinter Infoständen und auf Demonstrationen zeigt. Eigentlich ist es kein Abschied, denn Kindler hat den Anschluss nicht verloren. Das „Raumschiff Berlin“ sei verführerisch, sagt er. „Aber ich mache mir immer wieder klar, wo ich herkomme.“ Das ist mehr als Gerede. Er geht zu Gewerkschaftsveranstaltungen, besucht die Kollegen in seinem alten Betrieb. Die Welt verändern? Kindler ist ein Linker, wenn es darum geht, Vermögende zur Kasse zu bitten, um die Kosten der Finanzkrise zu begleichen. Er ist Öko, wenn es darum geht, die EU-Subventionierung des Exports von Hühnerbrüsten nach Afrika abzuschaffen. Seit drei Jahren ist der 25-Jährige Veganer. Er erzählt dies ohne moralischen Eifer; als reiche es ihm, dass er weiß, was vernünftig ist. Ab und an trifft er sich mit jungen Abgeordnetenneulingen der SPD und der Linken. Die Gruppe nennt sich „Oslo“, weil es in Norwegen eine Koalition aus Sozialdemokraten, Sozialisten und Grünen gibt. Man wolle die Machtoption für 2013 jetzt klären, sagt er.

dpa: Fördersperre für Öko-Heizung aufgehoben – Gelder sinken

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Wer Öko-Heizungen einbauen will, kann wieder mit Geld vom Staat rechnen. Allerdings wird es in den kommenden Jahren weniger Fördermittel geben.

Berlin (dpa) – Die Sperrung von 115 Millionen Euro Fördermitteln für Öko-Heizungen ist wieder aufgehoben. Der Haushaltsausschuss des Bundestags gab das Geld am Mittwoch in Berlin frei und machte die Sperre von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Zuge des Sparkurses rückgängig. Die Fördermittel werden aber gekürzt: Die Hilfe konzentriert sich nach Angaben des Umweltministeriums künftig auf die Umrüstung besonders innovativer Solarkollektoren sowie Pelletkessel und Wärmepumpen.

Das Anreizprogramm umfasste in diesem Jahr 448 Millionen Euro, darin sind 68 Millionen für die nationale Klimaschutzinitiative enthalten. Die Mittel sollen nach Angaben der Grünen-Fraktion im nächsten Jahr auf 380 Millionen Euro und bis 2014 auf 340 Millionen Euro sinken.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte: «Mit dem Fördervolumen von 380 Millionen werden in diesem Jahr rund 2,8 Milliarden Euro an Investitionen ausgelöst», sagte Röttgen. «Das hilft dem lokalen Handwerk ebenso wie der mittelständisch geprägten Industrie im Wärmesektor.»

Finanzielle Förderung gibt es weiter etwa für Solarkollektoren für Warmwasser und Heizung, Pelletkessel und sparsame Wärmepumpen. Die Förderung fällt weg für Anlagen im Neubau, weil es hierbei ohnehin eine Pflicht zur Nutzung nach dem Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetz gibt. Auch etablierte Technologien wie Solarkollektoren zur reinen Trinkwassererwärmung oder luftgeführte Pelletöfen und Scheitholzvergaserkessel sollen nach Ministeriumsangaben nicht mehr unterstützt werden. Die Regelungen gelten zunächst bis Ende 2011.

Alle rund 20 000 Förderanträge, die bis zum Programmstopp am 3. Mai beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingingen, werden in voller Höhe nach alten Konditionen berücksichtigt. Anträge nach dem 3. Mai können nur nach der neuen Regelung gestellt werden.

Das Anreizprogramm ist die wichtigste Investitionsförderung für das Heizen mit Öko-Energien. Es ist beliebt: Von Januar bis April wurden nach Ministeriumsangaben 82 000 Förderanträge bewilligt. Nicht betroffen von der zwischenzeitlichen Sperre war die Förderung großer Anlagen zur Wärmeerzeugung über die KfW-Bankengruppe. Weiter ausgesetzt bleibt das Förderprogramm für kleine Anlagen der kombinierten Kraft-Wärme-Kopplung, weil die Mittel vergeben sind.

Die Energieversorger sprachen angesichts der Freigabe der Mittel von einem richtigen Zeichen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisierte aber die Kürzung in den nächsten Jahren. «Jeder Euro, der aus dem Marktanreizprogramm eingesetzt wird, löst private Investitionen in achtfacher Höhe aus», sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Hildegard Müller. Der Bundesverband Erneuerbare Energie forderte eine verlässliche Förderung. Er schlug eine Prämie für Öko-Wärme vor, die unabhängig vom Bundeshaushalt ist.

Der Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler sagte: «Nach einem halben Jahr schwarz-gelbem Chaos geht es einen Schritt vor und zwei Schritte zurück.» Der Haushaltsexperte Norbert Barthle (CDU) sagte dagegen, die Entscheidung sei positiv für den Mittelstand.

SZ: Zurück auf Start. Die Regierung gibt gesperrte Millionen für den Klimaschutz frei. Hausbesitzer hoffen auf viel Geld, Opposition wittert eine Flinte

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Artikel erschienen in der Süddeutschen Zeitung, am 7. Juli 2010

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Klimaretter.Info: Geld für Öko-Heizungen fließt wieder

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Artikel erschienen auf Klimaretter.Info, am 7. Juli 2010

Der Haushaltsausschuss des Bundestags gibt die Gelder zur Förderung umweltfreundlicher Heizanlagen wieder frei. Gleichzeitig kündigt das Finanzministerium weitere Kürzungen in den nächsten Jahren an. Die Öko-Branche fordert daher eine neue “Erneuerbare-Wärme-Prämie”, die unabhängig vom Bundeshaushalt funktionieren soll. Zahlen müsste dabei die fossile Industrie.

Aus Berlin Felix Werdermann

Die Haushaltspolitiker des Bundestags haben es innerhalb weniger Minuten abgehandelt, am Ende der Tagesordnung. Den Vertretern der Erneuerbaren-Energien-Branche dürfte jedoch ein Stein vom Herzen gefallen sein. Es ist es eine lang ersehnte Entscheidung, endlich kann die Öko-Industrie wieder aufatmen. Zumindest was den Wärmebereich angeht. Dort wurden heute die Haushaltssperre über das sogenannte Marktanreizprogramm aufgehoben. Mit diesem Instrument werden umweltfreundliche Heizanlagen gefördert, unter anderem werden Zuschüsse für Investitionen in Sonnenkollektoren, Biomasseheizungen und Wärmepumpen vergeben.

Im März wurden 115 Millionen auf Grund der unsicheren Haushaltslage vorläufig gesperrt. Statt der vorgesehenen 291,3 Millionen standen damit nur noch 176,3 Millionen Euro zur Verfügung – im letzten Jahr gab es mit 374,3 Millionen noch mehr als doppelt so viel Geld. Inzwischen ist das Geld aufgebraucht, Anträge auf Zuschüsse werden nicht mehr bewilligt, die Industrie ist verunsichert. Nun hat das Finanzministerium endlich nachgegeben und die Freigabe der Gelder beantragt. Der Haushaltsausschuss hat dem heute einstimmig zugestimmt.

Anträge ab Montag möglich – aber unter neuen Bedingungen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) begrüßt die Entscheidung als „klares Bekenntnis zum ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien”. Ab kommenden Montag können wieder Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden – allerdings an Hand neuer Kriterien, die bis Ende nächsten Jahres gelten sollen. Demnach werde die Mittelvergabe “auf die innovativsten Technologien konzentriert”, heißt es vom Ministerium.

Dazu zählen unter anderem Wärmepumpen, Pelletkessel sowie Solarkollektoren zur kombinierten Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung. Nicht mehr gefördert werden Anlagen in Neubauten, da hier eine bundesweite Nutzungspflicht nach dem Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetz bestehe. Für Solarkollektoren zur reinen Trinkwassererwärmung, luftgeführte Pelletöfen, Scheitholzvergaserkessel und weniger effizienter Wärmepumpen gibt es ebenfalls kein Geld mehr.

Die rund 20.000 Anträge, die vor dem offiziellen Programm am 3. Mai eingegangen sind, werden noch nach den alten Richtlinien bearbeitet. Wer sich danach um einen Zuschuss bemüht hat, kann ihn nun erneut beantragen – unter den neuen Förderbedingungen. Dazu sollen etwa 9.000 Antragssteller angeschrieben werden.

Weitere Kürzungen in den nächsten Jahren

Gleichzeitig bahnt sich schon der nächste Streit an, denn in dem Antrag des Finanzministeriums werden bereits Kürzungen für die nächsten Jahre angekündigt: Im kommenden Jahr soll der Haushaltsposten, aus dem das Marktanreizprogramm gespeist wird, statt derzeit knapp 450 Millionen nur noch 380 Millionen Euro erhalten – eine Kürzung von etwa 15 Prozent. Bis 2014 soll die Förderung auf 340 Millionen Euro zurückgefahren werden, heißt es in dem Papier des Finanzministeriums.

Für den grünen Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler ist das inakzeptabel: „Die Klimaschutzziele, tausende Arbeitsplätze und gesunde Staatsfinanzen werden von der schwarz-gelben Koalition mutwillig gefährdet.” Schließlich löse jeder Fördereuro private Investitionen von rund sieben Euro aus, durch höhere Steuereinnahmen rentiere sich das Programm für den Staat. Eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) ist vor kurzem zu demselben Ergebnis gekommen.

Erneuerbare-Wärme-Prämie soll verlässlich fördern – unabhängig von Haushaltslage

Auch die Erneuerbaren-Industrie ist über die Ankündigung neuer Kürzungen verärgert und fordert von der Bundesregierung nach dem „ewigen Stop-and-go” eine verlässliche Förderpolitik. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat daher heute eine sogenannte Erneuerbare-Wärme-Prämie vorgeschlagen, die spätestens 2012 eingeführt werden solle. Sie soll ähnlich wie die Einspeisevergütung für regenerativen Strom funktionieren und hätte damit den Vorteil, dass sie auch in Zeiten knapper Haushalte gezahlt würde.

„Im Kern geht es darum, dass der Wärmesektor seinen Umbau zu erneuerbaren Energien selbst finanziert”, sagt BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann. Dazu müssten Importeure von Öl und Gas eine Prämie zahlen, insgesamt eine Milliarde Euro pro Jahr soll so zusammenkommen. Eine nichtstaatliche Verrechnungsstelle leitet das Geld an die Betreiber klimafreundlicher Heizungen weiter. Der BEE geht davon aus, dass eine Kilowattstunde Wärme dadurch um maximal 0,1 Cent teurer wird, der durchschnittliche Ein-Familien-Haushalt müsse so im Jahr 14 Euro mehr zahlen.

BEE: Ausbauziele nur mit neuer Prämie erreichbar

Für den Klimaschutz würde sich die Prämie auszahlen: Der BEE geht davon aus, dass ohne die neue Prämie das Ausbauziel für erneuerbare Wärme verfehlt werde. Die Bundesregierung möchte den Anteil erneuerbarer Energien im Wärmebereich bis zum Jahr 2020 von derzeit 8,4 auf 14 Prozent erhöhen. Der BEE hält sogar 25 Prozent für möglich – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Erneuerbare-Wärme-Prämie hätte aus Sicht der Öko-Industrie weitere Vorteile: Die Förderung sei über mehrere Jahre gesichert und müsse nicht jedes Jahr neu verhandelt werden. Das brächte Planungssicherheit für die Hersteller. Außerdem könne „technologiespezifisch” gefördert werden. Ansonsten hätten teurere Techniken keine Chance auf Entwicklung, bei günstigeren Techniken könne es zu Mitnahmeeffekten kommen.

Wie beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz wird auch die Förderhöhe bei der Erneuerbare-Wärme-Prämie schrittweise gesenkt. Allerdings gibt es nicht wie beim Strom eine feste Einspeisevergütung, sondern einen einmaligen Zuschuss für die Investition.

Mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs fällt im Wärmesektor an. Gleichzeitig liegt der Anteil erneuerbarer Wärmeerzeugung mit 8,4 Prozent deutlich unter demm Anteil erneuerbarer Stromproduktion von 16,1 Prozent.

Bangen ums Bündnis. Parlamentarier ärgern sich über rot-grün-roten Zwist

Samstag, Juli 3rd, 2010

Artikel erschienen in der Süddeutschen Zeitung, am 3. Juli 2010

VON MICHAEL BAUCHMÜLLER UND DANIEL BRÖSSLER

Berlin – Sie hatten extra einen rot-grün-roten Teppich ausgerollt, vor einem In-Treff in einem Berliner S-Bahn-Bogen. Doch über den Teppich wandelten nur die üblichen Verdächtigen. Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und Linkspartei hielten sich, anders als eigentlich geplant, lieber fern von der Premiere am Mittwochabend: dem ersten “Rot-grün-roten Sommerfest“, organisiert von einer Gruppe junger Abgeordneter aller drei Parteien. Die Beziehung zwischen den Parteien hatte gelitten in den Stunden zuvor: In dem Bemühen, Joachim Gauck doch noch zum Bundespräsidenten zu küren, hatten SPD und Grüne die Linkspartei nicht auf die Seite ihres Kandidaten bringen können, anschließend überschütteten sich beide Lager gegenseitig mit Kritik. “Da hinzugehen, war nach dem Tag nicht mehr so angebracht“, heißt es in der Grünen-Spitze. Die Party stieg trotzdem.

Seit Monaten eruieren vor allem jüngere Parlamentarier Chancen für eine rot-grün-rote Zusammenarbeit auf Bundesebene. Oslo-Gruppe heißt der kleine Trupp, in Anspielung auf ein ebensolches Bündnis in Norwegen. Gerade erst haben 16 Bundestagsabgeordnete mühevoll ein erstes gemeinsames Positionspapier ausgeheckt, bedeutungsschwanger trägt es den Titel “Für einen Idealismus ohne Illusionen“. Auf sechs Seiten formulieren sie alle möglichen Schnittmengen. Sehr vage nur, aber mit einem klaren Ziel: Die Spielräume für eine Koalition auszuloten, sollte Schwarz-gelb scheitern. “Wir wissen, dass es Hürden und Bedenken in jeder unserer Parteien gibt“, heißt es darin. “Wir haben nun den Dialog über die Möglichkeiten eines solchen Bündnisses auf Bundesebene begonnen.“ Wohingegen die Spitzen der drei Parteien im Ringen um einen gemeinsamen Bundespräsidenten am Mittwoch eher Unmöglichkeiten aufdeckten – und sich seither gegenseitig die Schuld zuweisen. Oslo wirkt plötzlich fern wie auf einem anderen Kontinent.

Die rot-grün-roten Annäherungen als Kollateralschaden eines Streits zwischen den Parteispitzen – bei vielen Abgeordneten sorgt das für einigen Verdruss. “Es ist ernüchternd zu sehen, wie die Generation Ü-50 gegeneinander losholzt“, sagt Stefan Liebich. Als Sprecher des Forums Demokratischer Sozialismus zählt der Bundestagsabgeordnete zu jenen in der Linkspartei, die sich besonders hartnäckig dafür einsetzen, auf ein linkes Dreierbündnis hinzuarbeiten. Er würde sich wünschen, sagt Liebich, dass auch auf der Führungsebene der Parteien diese Option endlich ernst genommen werde. Sicher sei er aber, “dass das sonst von der Basis wächst“. Auch sein Fraktionskollege Jan Korte will sich den Optimismus bewahren. Der lautstark ausgetragene Streit an der Spitze schlage “definitiv nicht auf unsere Gesprächsrunden durch“, versichert er.

Ähnlich klingt das bei Sozialdemokraten und den Grünen. In der Bundeshauptstadt sei es auch so schon heiß genug, sagt der Abgeordnete der Grünen, Sven-Christian Kindler. “Nun gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren.“ Im Übrigen gehe es darum, inhaltliche Gemeinsamkeiten auszuloten, “anstatt persönliche Eitelkeiten auszutragen“. Und auch der SPD-Abgeordnete Frank Schwabe sieht das Projekt nicht in Gefahr. “Natürlich war das nicht hilfreich“, sagt er. Auf der anderen Seite aber zeige sich umso deutlicher, dass die drei Parteien ihre Positionen klären müssten. “Das wird sich jetzt eher beschleunigen.“ Rein rechnerisch würde es für Rot-Grün allein derzeit ohnehin nicht reichen, trotz sich bessernder Umfragewerte. Der jüngste ARD- Deutschlandtrend verortet SPD und Grüne gemeinsam bei 47 Prozent. Eine Mehrheit links der Mitte wäre das noch nicht.

Zumindest die Oslo-Gruppe will deshalb weitermachen, sie wird sich weiter treffen, weiter an gemeinsamen Konzepten werkeln. Künftig soll es auch öfter gemeinsame Auftritte rot-grün-roter Trios in den Wahlkreisen der Beteiligten geben. Und das Sommerfest im S-Bahn-Bogen, das soll auch ohne Parteispitzen ganz lauschig gewesen sein.

Grüne: Die Wohlfühlpartei

Montag, Juni 28th, 2010

erschienen in Der Spiegel, am 28. Juni 2010

Mit 18 Prozent in den Umfragen sind die Grünen so beliebt wie nie zuvor. Doch die guten Werte haben ihren Preis: Um ihre Popularität zu wahren, verzichtet die Partei auf Ecken und Kanten.

Sven-Christian Kindler hatte sich richtig ins Zeug gelegt. Auf neun Seiten erstellte der studierte Ökonom ein eigenes finanzpolitisches Konzept für seine Partei, die Grünen. Kindler ist der jüngste Bundestagsabgeordnete der Fraktion, für seine 25 Jahre ist er erstaunlich selbstbewusst. Das grüne Steuerkonzpt nannte er “einfach, höher und gerecht”, kürzlich durfte er es dem 16-köpfigen Parteirat vorstellen. [...]

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Zum “Grünen Sanierungsplan” von Sven-Christian Kindler

Erklärung zu den Plänen der Bundesregierung für den Haushalt 2011 im Bereich „Extremismusbekämpfung“ beim BMFSFJ

Freitag, Juni 18th, 2010

Von: Monika Lazar MdB, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus und Sven-Christian Kindler MdB, Mitglied im Haushaltsausschuss, Berichterstatter für die Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus

Die gute Nachricht zuerst: Die Evaluationsberichte für die Programme „Vielfalt tut gut“ und „kompetent. für Demokratie“ waren bis auf wenige Ausnahmen durchweg positiv. Es ist erfreulich, dass somit auch von wissenschaftlicher Seite die Arbeit der geförderten Initiativen gegen Rechtsextremismus gewürdigt wird. Aufgrund dieser Erfolge plant das Ministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend (BMFSFJ), die Förderung möglichst unbürokratisch fortzusetzen.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt die Entscheidung zur Programmfortführung. Bei den Details der Planung sehen wir jedoch grundlegende, schwerwiegende Probleme. Es ist bis jetzt vorgesehen, die Haushaltstitel (19 Mio. Euro VIELFALT, 5 Mio. Euro KOMPETENT) in einem „Extremismus“-Programm zusammenzuführen. In diesen „Sammeltitel“ sollen zudem 5 Mio. Euro für Programme gegen „Linksextremismus“ und „Islamismus“ einfließen. Ergebnis wäre ein Programm gegen jede Form von „Extremismus“ mit einem Ansatz von insgesamt 29 Mio. Euro. Das ist der bisherige Verhandlungsstand. Eine Kürzung der Mittel gegen Rechtsextremismus ist somit aber noch nicht vom Tisch!

Wir lehnen eine Vermischung in einem „Extremismus“-Programm entschieden ab! Die so genannte „Extremismustheorie“ ist pseudo-wissenschaftlicher Unsinn und höchst gefährlich. Sie geht von einem Problem an den „äußeren Rändern“ der Gesellschaft aus. Als positives Gegenstück wird eine „gesellschaftliche Mitte“ angenommen, welche vor den „Extremisten“ zu schützen ist. Es wird unterstellt, dass „Linksextremismus“ und „Rechtsextremismus“ zwei sich grundsätzlich ähnelnde politische Bewegungen seien, die beide zum Ziel hätten, Demokratie und Menschenrechte abzuschaffen. Ausgeblendet wird dabei, dass die Ablehnung von Menschenrechten und demokratischen Überzeugungen keine linken Grundideen sind. Ganz im Gegenteil! Sie gehören jedoch zweifelsohne zum Standardprogramm aller nationalistischen und rassistischen Gruppen. Von rechtsextremen Aktivitäten geht eine unvergleichbar höhere Gefahr aus. Es gibt Orte, da bleibt den Jugendlichen nur noch die Wahl, Nazi zu werden – oder deren Opfer. Diese traurige Tatsache wird dadurch bestätigt, dass es seit 1990 laut Statistik von Opferberatungsstellen 149 Todesopfer durch Neonazis gab. Der „linken“ Gewalt“ wird hingegen kein einziges Todesopfer zugeordnet.

Viele wissenschaftlichen Studien belegen weiterhin, dass sich rassistische und antisemitische Vorurteile überall in der Gesellschaft, gerade auch in der „gesellschaftlichen Mitte“, finden lassen. Durch die Extremismustheorie wird Menschenfeindlichkeit in der Gesellschaft verharmlost und verdrängt. Auch werden dadurch linke, antifaschistische Initiativen diskreditiert und kriminalisiert.

Es gibt natürlich keine wissenschaftliche Definition, wann ein Mensch „extremistisch“ handelt. Hinsichtlich des „Linksextremismus“ erweist sich dies bereits jetzt für die Bundesregierung als problematisch. Die 2 Extra-Millionen, die Ministerin Schröder im Januar mit viel Tamtam aus dem Hut gezaubert hat, kann sie nicht unterbringen. Ihr Ministerium musste einräumen, dass die Programme, die ursprünglich im März/April starten sollten, immer noch nicht laufen und dass wohl auch nur 400.000 Euro in die Pilotprojekte fließen werden. Wie sie 2011 ganze 5 Mio. Euro sinnvoll ausgeben will, bleibt ihr großes Geheimnis. Die grüne Bundestagsfraktion wird während der Haushaltsverhandlungen das weitere Verfahren aufmerksam und kritisch begleiten. Die Bundesregierung sollte sich die 5 Millionen gegen „Linksextremismus“ und „Islamismus“ sparen und stattdessen die Mittel gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit erhöhen.

Was wir jetzt brauchen, ist nicht die Vermischung völlig unterschiedlicher Aufgaben, sondern eine trennscharfe Ächtung und Aufklärung gegen Nazis und Menschenfeindlichkeit und die Stärkung von Demokratie und Menschenrechten. Die Bundesregierung muss deshalb ihre Pläne für ein „Extremismus“-Programm fallen lassen und die Förderung ausdrücklich und gezielt gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit ausrichten.

Download der Erklärung als pdf

Jugend und Parlament im Deutschen Bundestag. Ein Bericht der diesjährigen Teilnehmerin Louisa Firnenburg

Montag, Mai 31st, 2010

Das diesjährige Planspiel für Jugendliche fand vom 26.-31. Mai in Berlin statt

Louisa Firnenburg und Sven-Christian Kindler (der einladende MdB)

Im Bundestag findet jährlich ein großes Planspiel statt, zu dem rund 312 Jugendliche von Abgeordneten eingeladen werden. Als Teilnehmer_in soll mensch sich in die Rolle einer_eines fiktiven Abgeordneten versetzen und sich vier Tage lang mit Gesetzgebungsprozessen im Bundestag auseinandersetzen. Dieses Jahr hatte ich das Glück, von Sven-Christian Kindler, MdB, eingeladen zu werden. Als wir uns in Berlin trafen, wurden wir von jungen Journalist_innen begleitet und interviewt- es ging um Svens Arbeit und wie es so ist, im Bundestag zu sitzen. Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, was ich in den Jugend und Parlament-Tagen dann selbst erlebt habe: Die Regierungskoalition hat die Mehrheit und kann damit die Opposition (fast) immer überstimmen. Das kann ganz schön deprimierend sein. Sven sagt dazu, mensch müsse den richtigen Ausgleich finden zwischen Ärger und Verzweiflung darüber und Nach-Vorn-Schauen und weiterkämpfen. Denn Letzteres ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit, die stressig und anstrengend ist, zugleich aber auch Spaß macht und sich sehr abwechslungsreich gestaltet. Sich Einsetzen für Veränderung und die Aufgabe wahrnehmen, die der_dem Abgeordneten von Partei und Wähler_in zugeteilt wurde.

In den vier Tagen erlebte ich vereinfacht, was es heißt, sich in der Fraktion auf eine gemeinsame Linie einigen zu müssen und unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. Auch die Ausschussarbeit (für mich beim Ausschuss Inneres) war sehr interessant und diskussionsreich, da wir uns mit dem Thema Volksentscheide auf Bundesebene auseinander gesetzt haben. Im Plenum, in der zweiten und dritten Lesung am letzten Tag, wurden dann die verschiedenen Gesetzesvorschläge von Alkoholverbot für Jugendliche bis zu Zukunft der Rente debattiert und abgestimmt.

Rundum eine sehr lohnende Veranstaltung, bei der mensch viele engagierte Jugendliche und wichtige Prozesse im Bundestag  erlebt und kennenlernt.

Louisa Firnenburg

Bundesregierung stoppt nationalen Klimaschutz

Montag, Mai 3rd, 2010

Anlässlich des Förderstopps für erneuerbare Energien im Wärmebereich sowie der nationalen Klimaschutzinitiative erklären Hans-Josef Fell, Sprecher für Energiepolitik, und Sven-Christian Kindler, Haushaltsberichterstatter für das Umweltministerium:

Schwarz-Gelb stoppt ab sofort die nationale Klimaschutzinitiative sowie das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien im Wärmebereich. Wir haben dagegen den Antrag gestellt, die Sperre beim Marktanreizprogramm aufzuheben. Die schwarz-gelbe Koalition muss jetzt Farbe bekennen und dem Antrag am kommenden Mittwoch im Haushaltsausschuss zustimmen.

Gestoppt wurde heute die Förderung: für Solarkollektoren, Biomasseheizungen, kleine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Wärmepumpen sowie für Klimaschutzprojekte in Kommunen und das Programm zur Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau.

In Bonn verhandelt Bundeskanzlerin Merkel und Umweltminister Röttgen über Klimaschutz, in Berlin werden Fakten gegen den Klimaschutz geschaffen. Anspruch und Wirklichkeit können nicht weiter auseinanderklaffen als bei der Klimaschutzpolitik der schwarz-gelben Bundesregierung. Wer im eigenen Land die Programme gegen den Klimawandel stoppt, kann auch international nicht glaubwürdig für mehr Klimaschutz streiten.

Die FDP nimmt die Förderung der erneuerbaren Energien in Geiselhaft, um der Union Zugeständnisse für ihre unseriöse Steuerpolitik abzupressen. Die Leidtragenden sind die Unternehmen, die im Vertrauen auf die Seriosität der Politik investiert haben. Geschädigt werden auch die vielen Antragsteller, die persönlich etwas für den Klimaschutz tun möchten.

Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise sind diese Mittel besonders wichtig, da jeder Euro, der hier aus Bundesmitteln zum ökologischen Umbau der Gesellschaft genutzt wird, noch mal sieben bis acht Euro an privaten Investitionen mobilisiert und damit die Wirtschaft ankurbelt. Diese Bundesmittel bringen also einen doppelten Gewinn: zum einen setzen sie nachhaltige Anreize, Energie zu sparen und künftig weniger CO2 auszustoßen. Zum anderen werden Arbeitsplätze im Handwerk und im Mittelstand geschaffen und gesichert.