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SZ: Grüne Welle

Freitag, Juli 9th, 2010

Artikel erschienen in der Süddeutschen Zeitung, am 9. Juli 2010

VON MICHAEL BAUCHMÜLLER

Die Grünen sind von der linken zur bürgerlichen Partei geworden und erhalten in Umfragen so viel Zuspruch wie noch nie. Wie haben sie die Niederlage doch gefeiert in der vergangenen Woche. Joachim Gauck war gerade im dritten Wahlgang doch noch gegen Christian Wulff gescheitert, die Nacht war längst angebrochen. Da trafen sich Sozialdemokraten und Grüne noch einmal im Sitzungssaal der SPD-Fraktion zur Verbrüderung. Wortreich beschworen sie Gemeinsamkeiten, Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sprach die Kollegen aus der anderen Fraktion im Überschwang gar als ‘Genossinnen und Genossen’ an. So nah waren sich plötzlich SPD und Grüne, dass einige in der Partei in den Tagen darauf gleich die Bremse zogen. ‘Es gibt keinen geborenen Koalitionspartner’, beschied Trittins Co-Fraktionschefin Renate Künast prompt. ‘Sondern in erster Linie grüne Interessen.’

Bloß nicht festlegen, bloß keine taktischen Fehler machen – mittlerweile ist das oberste Maxime einer Partei, die zu ihrer eigenen Verwunderung so viel Zuspruch hat wie nie. Jedenfalls in den Umfragen, bei denen mal 17, mal 18 Prozent rausspringen. Nie haben Demoskopen den Grünen mehr zugetraut als heute, nie sprach die Partei breitere Wählerschichten an. In Nordrhein-Westfalen ist sie wieder auf dem Weg an die Macht, in Berlin mag niemand mehr völlig ausschließen, dass Fraktionschefin Künast im nächsten Jahr Regierende Bürgermeisterin werden könnte. Die Nominierung Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten war ein Coup mit drei Wahlgängen. Gäbe es Neuwahlen im Bund, wären die Grünen nach Lage der Dinge die großen Gewinner.

Sie schwimmen auf der grünen Welle, schon wegen der Schwäche der schwarz-gelben Koalition – und sind doch in Gefahr. Wie nebenbei sind die Grünen von der linken zur bürgerlichen Partei geworden, sie vertreten Interessen des Mittelstandes genauso wie die der sozial Schwachen, sie stellen sich staatstragend hinter die Rettung des Euro und wollen gleichzeitig eine Revolution in der Energieversorgung. So viel Breite bringt offenbar Umfrage-Prozente, macht manchem in der Partei aber auch Angst.

‘Es ist noch nicht ausdiskutiert, wie radikal wir sein wollen und wie viel Volkspartei’, sagt der junge Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler.

Radikal? Zumindest die Parteispitze will davon derzeit nichts wissen. Wenn es doch schon so gut läuft – warum dann den Kurs ändern? Viele Grüne erinnern sich noch schmerzlich an die Debatte um einen Benzinpreis von fünf Mark, die den Wahlkampf 1998 überschattete. Parteichef war damals ein gewisser Jürgen Trittin. Der sagt heute: ‘Radikal bedeutet nicht, möglichst viel Ärger zu bekommen.’ Auch gehe es nicht darum, Kontroversen zu vermeiden – ’sondern die Richtigen zu ärgern’.

Faktisch aber ärgern die Grünen derzeit niemanden sonderlich – schon in Ermangelung der dazu nötigen Macht. Wacker verfolgt die Partei den Kurs der ‘grünen Eigenständigkeit’, den sie sich nach dem bitteren Ende der rot-grünen Koalition im Bund verordnet hat. Die eigenen Forderungen sollen nicht mehr irgendwelchem Lager- oder Koalitionskalkül folgen, sondern schlicht der Rationalität. Was für eine Oppositionspartei im Grunde schiere Selbstverständlichkeit ist, hat für die Grünen erstaunliche Konsequenzen. Zustimmung erfahren sie seither in fast allen Lagern, bei Wählern der Union ebenso wie bei SPD und FDP. Indem die sich ihrerseits dem grünen Ur-Thema Ökologie zugewandt haben, sind zugleich die Grenzen zwischen den Parteien fließender geworden, der Weg zu den Grünen ist kürzer. ‘Ökologie ist zu einem harten Politikfeld geworden’, sagt der Bremer Politologe Lothar Probst. ‘Und es schadet den Grünen nicht, dass andere Parteien das auch für sich entdeckt haben, im Gegenteil.’

Dabei könnte nichts den Grünen so gefährlich werden wie die Grünen selbst. Sie könnten übermütig werden, aufhören, an eigenen Konzepten zu arbeiten. ‘Wir dürfen uns nicht einbilden, das wäre alles eigene Stärke’, warnt auch Grünen-Haushaltspolitiker Alexander Bonde. Denn vor allem die Schwäche der anderen ist der Gewinn der Grünen. ‘Aber auf jeden Fall’, sagt Bonde, ‘ist unsere Unabhängigkeit gewachsen, und damit auch unsere Glaubwürdigkeit.’

Einstweilen will so gar nichts den inneren Frieden stören. Nicht einmal Personalien werfen neue Fronten auf, geschlossen will sich der amtierende Parteivorstand im Herbst wieder zur Wahl stellen. Die Bundestagsfraktion, mit 68 Mitgliedern groß wie nie in der Geschichte der Grünen, werkelt still vor sich hin, größere Flügelkämpfe, wie sie Linke und Realos über Jahre beherzt ausfochten, finden nicht statt. Die beiden Führungstandems, Trittin und Künast in der Fraktion, Claudia Roth und Cem Özdemir in der Partei, haben ihren Burgfrieden geschlossen und sehen derzeit gar keinen Grund, ihn aufzulösen. Es ist eigentlich viel zu ruhig für grüne Verhältnisse.

Damit es wieder ein bisschen mehr Debatte gibt, will die Partei bald ‘Zukunftsforen’ einrichten. Wer die Geheimnisse des Erfolgs bei den Grünen erahnen will, an den Themen lässt es sich ablesen: Die Foren, die letztlich das nächste Bundestagswahl-Programm der Partei vorbereiten sollen, befassen sich mit der Zukunft des Wachstums, mit einem möglichen Auseinanderbrechen der Gesellschaft, mit dem Megathema ‘Demokratie und Freiheit’.

Es sind die ganz großen Themen, oft unendlich abstrakt – und doch für jeden Einzelnen konkret genug, sich irgendwie wiederzufinden. ‘Das ist ihr Privileg als Opposition’, sagt Politologe Probst. ‘Sie liefern Stichworte für die großen Debatten, ohne verbindlich zu werden.’ Und gelinge es, das am Ende in Programme runterzubrechen, ‘ist das eine sehr erfolgreiche Strategie’.

Erinnern für die Zukunft! „Jung und älter – zusammen in der Politik“: Sven-Christian Kindler, Ingrid Lange und die Grüne Jugend Hannover im Zeitzeugengespräch mit dem Auschwitzüberlebenden Salomon Finkelstein

Mittwoch, März 10th, 2010

Hannover, 10. März 2010

„Ich wurde hier vorgestellt als Salomon Finkelstein. In Auschwitz hatte ich zwei Jahre lang keinen Namen. Ich war Häftling 142340.“ Mit diesen Worten begann der in Hannover lebende Jude, den seine Freunde nur Salek nennen, seine Erzählung über die schrecklichen Erfahrungen während des Nationalsozialismus. Salomon Finkelstein durchlebte die Hölle auf Erden. Zwangsarbeitslager, das Vernichtungslager Auschwitz und nach dessen Befreiung einen Todesmarsch ins Lager Mittelbau-Dora bei Nordhausen. „Man kann sich das nicht vorstellen, was ich durchgemacht habe. Zum Ende hatte ich jede Hoffnung verloren.“. Seine Mutter und sein Vater wurden in Auschwitz ermordet. Doch Salomon Finkelstein hatte Glück, er überlebte.

Salomon Finkelstein ist betrübt über Menschen, die „endlich einen Schlussstrich ziehen wollen“ oder „nichts mehr davon hören wollen nach 65 Jahren“. Er kann nicht einfach vergessen. Er hat nicht einmal einen Platz, an dem er seiner toten Eltern gedenken kann. Es gibt kein Grab, an dem er um sie trauern kann. Salomon Finkelstein glaubte lange, er sei der Einzige aus seiner Familie, der die Shoa überlebt hatte. Doch vor zwanzig Jahren erhielt er die Information, dass sein Bruder auch noch lebte. Sein Bruder war überwältigt, als er davon am Telefon erfuhr und fiel vor Freude in Ohnmacht. Sie sehen sich seitdem regelmäßig. In ein paar Wochen wird Salomon Finkelstein wieder zu seinem Bruder in den kleinen Kibbuz bei Jerusalem reisen, wo dieser seit Ende des Krieges lebt.

Sven-Christian Kindler (25), grüner Bundestagsabgeordneter aus Hannover, und Ingrid Lange (72), grüne Bürgermeisterin der Landeshauptstadt, hatten Salomon Finkelstein im Rahmen ihres gemeinsamen Projektes „Jung und älter – zusammen in der Politik“ zur Grünen Jugend Hannover eingeladen. Im Rahmen der generationenübergreifenden Kooperation haben sie schon das Altenzentrum St. Anger und die IGS Roderbruch besucht. Ingrid Lange hat ein großes Vorbild. Es ist Sophie Scholl: „Viele haben damals geschwiegen oder mitgemacht. Nur Einzelne haben sich damals gewehrt. Viel zu wenig leider.“ Ingrid Lange war tief bewegt, als sie die Holocaustgedenkstätte, die Stelen, in Berlin besichtigte. Dort stand an einer Wand das Zitat von Primo Levi: „Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen.“ Und gerade deswegen sei es so entscheidend, sich zu erinnern und aus der Geschichte zu lernen, ergänzte Sven-Christian Kindler. „Um alles menschenmögliche zu tun, damit so etwas nie wieder in der Gegenwart oder der  Zukunft passieren kann. Eine aktive Zivilgesellschaft, die sich gegen Nazis, Rassismus und Antisemitismus engagiert, ist wichtiger denn je!“.

Von Sven-Christian Kindler und Ingrid Lange.

Von links: Salomon Finkelstein, Ingrid Lange und Sven-Christian Kindler

„Jung und älter – zusammen in der Politik“ – Erinnern für die Zukunft

Donnerstag, Februar 25th, 2010
10. März 2010
19:00 bis 21:00

Shoa-Überlebender Salomon Finkelstein im Zeitzeugengespräch bei der Grünen Jugend Hannover

Mittwoch, 10. März, 19 Uhr, Grünes Zentrum, Senior-Blumen-Gang 1

Am Mittwoch, den 10. März 2010 kreuzen sich bei der Grünen Jugend in Hannover drei Lebenswege, die verschiedener nicht sein könnten. Gemeinsam wollen wir voneinander und  füreinander  erzählen, um deutlich zu machen: Auschwitz darf nicht vergessen werden, weil sich Auschwitz nicht wiederholen darf!

Einen dramatischen Leidensweg, der so einzigartig und zugleich so exemplarisch für das Schicksal der vielen verfolgten Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus ist, durchlebte Salomon Finkelstein. Der 1922 in Polen geborene Hannoveraner überlebte Ghetto, Arbeitslager und KZ’s. Er hält fest: „Auschwitz kann man nicht beschreiben“ und dennoch unternimmt er in unermüdlicher Kraftanstrengung immer wieder den Versuch, das was er erfahren hat, in Worte zu fassen. Salomon Finkelstein ist es wichtig seine Geschichte zu erzählen, um daraus für dieGegenwart und Zukunft zu lernen.

Die grüne Bürgermeisterin aus Hannover Ingrid Lange – ihr Vorbild ist Sophie Scholl – ist 15 Jahre später in Deutschland geboren und verbrachte ihre ersten Kinderjahre weitgehend unbeschwert in Nazi-Deutschland.

Keine zwei Menschen könnten deutlicher machen, wie sich zwei Lebenswege, die fast parallel verlaufen, in Glück und Leid unterscheiden können.

Der 25-jährige grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler will an diese beiden Lebensgeschichten, die so unterschiedlich verlaufen sind und sich trotzdem oder auch gerade deswegen in Hannover kreuzen, anknüpfen. Für den Hannoveraner ist das Gedenken an die NS-Vergangenheit nicht nur ein persönliches Herzensanliegen, sondern er versteht sie auch als Pflicht für seine und künftige Generationen. Seit vielen Jahren engagiert er sich gegen Nazis, Rassismus und Antisemitismus und hat am Anfang des Jahres auch auf seiner Reise in den Nahen Osten die Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem besucht und mit dem Ausschwitzüberlebenden Yehuda Bacon gesprochen.

Auch bei diesem Termin von „Jung und älter zusammen in der Politik“ wollen die beiden  grünen PolitikerInnen Ingrid Lange und Sven-Christian Kindler Geschichten zwischen den Generationen erzählen und Erfahrungen austauschen, um aus der Geschichte zu lernen: Für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft!

Wir freuen uns über viele Gäste und auf interessante Gespräche!

„Wir brauchen Zukunftsinvestitionen!“

Montag, Dezember 21st, 2009

Interview von Gesine Agena, Sprecherin des Grüne Jugend Bundesverbandes, mit Sven-Christian Kindler, Haushälter und jüngster grüner Bundestagsabgeordneter über den aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung, die Rekordverschuldung, Zukunftsinvestitionen und die Einführung einer Vermögensabgabe.
Gesine: Lieber Sven, du sitzt seit zwei Monaten für die GRÜNE JUGEND im Bundestag und bist dort Mitglied im Haushaltsausschuss. Am Mittwoch den 16.12.2009, hat Finanzminister Schäuble den Haushaltsentwurf der Bundesregierung vorgestellt. Was ist deine Hauptkritik am Entwurf?

Sven: Ich kritisiere vor allem, dass die Regierung mit dem so genannten „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ die Steuern für Gutverdienende und Unternehmen senkt. Das ist reine Klientelpolitik! Das Ganze kostet den Bund jährlich mehr als 4,5 Milliarden Euro und soll angeblich Wachstum generieren, dass dann in den kommenden Jahren für höhere Einnahmen sorgen soll. Doch an diese Argumentation glauben noch nicht mal die CDU-FDP-Länderregierungen, geschweige denn die führenden Wirtschafts- und FinanzexpertInnen in Deutschland. Dieser Unsinn potenziert sich noch wenn wir einen Blick auf die Neukreditaufnahme in diesem Jahr werfen. Der Haushaltsentwurf weist für das kommende Jahr 85,8 Milliarden Euro neue Schulden aus. Das ist eine noch nie da gewesene Rekordverschuldung und immer noch nicht die ganze Wahrheit. Die angehäuften Verluste der Sondervermögen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) , beim Investitions- und Tilgungsfond und beim Wirtschaftsfond Deutschland werden sich bis Ende des Jahres 2010 nach unseren Berechnungen auf zusätzliche 45 Milliarden Euro belaufen. Damit wird die wahre Neuverschuldung des Bundes im Jahr 2010 rund 131 Milliarden Euro betragen.

“Was sind deiner Meinung nach die Posten, die man aus dem Haushalt am dringendsten streichen sollte und welche Bereiche sollten stattdessen stärker ausgebaut werden?”

Wir brauchen Zukunftsinvestitionen! Stärker ausbauen müssen wir deshalb ganz klar die Ausgaben für Bildung, Klimaschutz und Gerechtigkeit. Gerade Bildung ist eine der zentralen Gerechtigkeitsfragen. Die Bildungsausgaben in Deutschland müssen schnellstens auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukt gesteigert werden und in gute KiTas, Ganztags- und Gemeinschaftsschulen und bessere Hochschulen investiert werden. Investitionen in eine kohlenstofffreie, solare Wirtschaft sind angesichts der ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen des Klimawandels alternativlos. Außerdem trete ich dafür ein, dass Deutschland sich mittelfristig mit mindestens zusätzlichen 10 Milliarden Euro an den Anpassungskosten an den Klimawandel in den Entwicklungsländern beteiligt. Deutschland hat eine historische Verantwortung als Industrieland und als einer der Hauptverschmutzer der Atmosphäre. Ich kämpfe auch für höhere Sätze beim Arbeitslosengeld II von mindestens 420 Euro, eine echte Kindergrundsicherung und für deutliche Investitionen in eine leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge. Als Grüne setzen wir uns konsequent für Gerechtigkeit ein. Damit wirklich jede und jeder an unserer Gesellschaft teilhaben kann. Rausgestrichen werden müssen endlich ökologisch-schädliche Subventionen. Das fängt bei der Steuerbefreiung von Kerosin an, zieht sich über die Ausnahmen bei der Ökosteuer oder das Dienstwagenprivileg hin und endet bei der Subventionierung von Steinkohle und Atomenergie. Insgesamt summieren sich diese umweltschädlichen Subventionen auf über 40 Milliarden Euro jährlich. Auch in anderen Bereichen ist noch Einsparpotenzial vorhanden, z.B. bei der Förderung der Pharmaindustrie oder den Rüstungsausgaben. Und diese Subventionen können wir uns echt nicht mehr leisten.

“Inhaltlich beschäftigst du dich stark mit dem Thema Kinder- und Jugendpolitik. Warum ist das Thema Haushaltspolitik gerade für uns als junge Generation so entscheidend? Wie sieht eine generationengerechte Haushaltspolitik aus?”

Bei der Haushaltspolitik geht es schlichtweg um die Kohle. Wofür wird wie viel Geld ausgegeben und wofür nicht. Und wie wird das finanziert. Wir reden hier immerhin über ein Ausgabevolumen 2010 im Bundeshaushalt von 325.000.000.000 Euro. Eine nachhaltige und generationengerechte Haushaltspolitik muss jetzt die Schulden begrenzen. Die Verschuldung ist dieses Jahr auf Rekordniveau. Die Zinsausgaben sind jetzt schon der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt und die steigenden Zinszahlungen von über 40 Milliarden Euro verkleinern die Gestaltungsmöglichkeiten des Staates. Zusätzlich sind die Zinsen auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei einer Erhöhung um 0,1 Prozent steigen die Zinszahlungen des Bundes um insgesamt eine Milliarde Euro an. Gleichzeitig dürfen wir uns auch nicht kaputt sparen. Investitionen in die Zukunft können auch über Kredite finanziert werden, da sie das Gesamtvermögen der öffentlichen Hand steigern und eine positive Rendite erzielen. Deswegen wäre es jetzt richtig, massiv in den Klimaschutzschutz, in Bildung und in Gerechtigkeit zu investieren, um jetzt und auch in Zukunft die Grundlagen für eine soziale und ökologische Gesellschaft zu sichern. Gleichzeitig ist es wichtig, die Einnahmeseite des Haushaltes zu konsolidieren und mit einer gerechten Steuerpolitik wieder stärker Besserverdienende und Vermögende an der Finanzierung unseres Gemeinwesen zu beteiligen. Deswegen haben wir Grünen in unserem Wahlprogramm gefordert, den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer auf 45 Prozent zu erhöhen, mehr Einnahmen bei der Erbschaftsteuer zu generieren, eine Finanzumsatzsteuer einzuführen und Kapitaleinkommen wieder wie Lohneinkommen progressiv zu besteuern. Außerdem wollen wir eine Vermögensabgabe für die obersten ein Prozent der Bevölkerung einführen, die 23 Prozent des Vermögens in Deutschland besitzen. Die großen BesitzerInnen von Kapitalvermögen, die in den letzten Jahren von den hohen Renditen an den Finanzmärkten profitiert haben, müssen jetzt auch solidarisch an den Folgenkosten der Finanzkrise beteiligt werden. So sieht eine solidarische Haushaltskonsolidierung aus!

100.000 für Klimagerechtigkeit. Und zwar jetzt!

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

Ein Bericht über die internationale Großdemonstration in Kopenhagen von Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordneter und seit vielen Jahren in der Umweltbewegung aktiv.

meerEs ist mitten in der Nacht. 3 Uhr am Samstag Morgen, den 12. Dezember 2009. Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Hannover treffen sich 75 überwiegend junge Grüne und AktivistInnen der GRÜNEN JUGEND. Ihr Ziel: Kopenhagen. Gemeinsam haben Jan Philipp Albrecht, der grüne Regionsverband Hannover und ich zwei Busse mit rund 100 Plätzen organisiert, um zur internationalen Großdemo nach Kopenhagen zu fahren. Wir wollen gemeinsam auf die verhandelnden Staaten bei der UN-Klimakonferenz – Conference of the Parties 15 (COP15) – Druck ausüben, damit diese ein wirkliches Reduktionsabkommen und angemessene Finanzmittel für die Entwicklungsländer zur Anpassung an den Klimawandel beschließen. In Hamburg steigen noch 25 weitere Grüne zu und schnell sind wir dann auch schon in Puttgarden. Nach einer kurzen Ausweiskontrolle fahren wir dann auf die Fähre nach Rødby. Es weht eine raue, kalte Brise an Deck, doch dafür bezaubert der Blick auf die sich sanft bewegenden Wellen der Ostsee im Schein des Mondes. Ein Moment um inne zu halten und sich zu vergewissern, um wie viel es in Kopenhagen geht. Um nicht weniger als ein Abkommen, das sich der größten ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts annimmt. In Kopenhagen kann und wird Geschichte geschrieben werden. Nicht nur von den VerhandlungsführerInnen und Staatschefs. Es wird auch der Startpunkt für eine große, globale Klimabewegung sein.

Die Welle für das Klima

„What do you want? Climate justice! When do you want it? Now!“. In der dänischen Hauptstadt angekommen können wir noch vor dem dänischen Parlament mit 10.000 AktivistInnen an der Abschlussaktion der „Klimawelle“ von Friends of the Earth teilnehmen. Wieder und immer wieder machen die äußerst fröhlichen gestimmten TeilnehmerInnen die „Mexican wave“ (La Ola-Welle) und tanzen nach der Kundgebung zu Reggae und Dancehall eine Riesenpolonaise. Viele lachende, freundliche Gesichter. Die Stimmung ist ausgelassen und motiviert.

Keine Kompromisse mehr!

bla-bla-blaMenschen soweit das Auge reicht. Der Platz vor dem Parlament ist total voll. 100.000 KlimaaktivistInnen beteiligen sich an der größten Demonstration in Kopenhagen seit Jahrzehnten. Damit hatte niemand gerechnet! 500 Organisationen hatten dazu aufgerufen und von überall auf der Welt waren VertreterInnen da. Die globale Solidarität war zu spüren. Auch im Demoblock der Global Greens, in dem unter anderem Grüne aus Neuseeland, Australien, Brasilien, Frankreich oder der Schweiz mitliefen. Vorne weg vorm grünen Demoblock fuhr der Wagen der Jugendorganisation der Socialistisk Folkeparti (SF), der dänischen Partnerpartei der Europäischen Grünen. Lauter Hip Hop und R`n`B sorgte ordentlich für Stimmung bei dem kalten, aber zum Glück sonnigen Wetter. Die Sprüche auf der Demonstration machten es deutlich: „Bla Bla Bla – Act now!“, „Planet not profit!“, „Nature doesn´t compromise“ oder „There is no planet B“. Es geht ums Ganze in Kopenhagen und wir werden keine faulen Kompromisse mehr akzeptieren!

Leider auch bei dieser Demo: Polizeiwillkürimg_8835

Die Demonstration war zu sehr großen Teilen bunt, kreativ, friedlich. Allerdings nahm die Polizei rund 1.000 DemonstrantInnen vorübergehend in Gewahrsam. Ein Akt von Polizeiwillkür und eine Verletzung von Menschenrechten – saßen die DemonstrantInnen doch bei den kalten Temperaturen um 0 Grad mehrere Stunden gefesselt auf der Straße. Lediglich gegen 3 der 1.000 lagen konkrete Verdachtsmomente auf Straftaten vor. Nichts desto trotz war die Demo ein großer Erfolg. Wir haben klar gemacht, dass jetzt gehandelt werden muss. Für echte Reduktionsverpflichtungen und ein faire Entwicklungsperspektive für die armen Länder im globalen Süden.

Der Kampf vor Ort geht weiter!

Sonntag früh morgens um halb vier waren wir mit unseren Bussen wieder in Hannover. Was für ein Tag! Müde, erschöpft, aber auch gleichzeitig motiviert und mit kreativer Energie. Denn der Kampf vor Ort geht weiter. Ob gegen neue Kohlekraftwerke, Autobahnbauten oder Massentierhaltungsanlagen. Ob für den Ausbau Erneuerbarer, des ÖPNV oder die Biolandwirtschaft. Wir sind da, wir sind viele und gemeinsam streiten wir für echte Klimagerechtigkeit!

„Antisemitismus – Eine deutsche Erbkrankheit?“

Mittwoch, November 11th, 2009

am Di, 17.11. um 20 Uhr im Freizeitheim Linden (Windheimstraße 4, 30451 Hannover).Plakat zur Veranstaltung

Eine Veranstaltung der Grünen Jugend im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus

(www.aktionswochen-gegen-antisemitismus.de).

mit:

Robert Beyer Uni Jena, Mitarbeiter im Projekt: Antisemitismus und Anti-Israelismus in Deutschland: Sprachliche und konzeptuelle Charakteristika
Levi Salomon Beauftragter für die Bekämpfung des Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde Berlin
Paul Stefanowske Bildungsbausteine gegen Antisemitismus
Sven-Christian Kindler Mitglied des Bundestages, Bündnis 90/Die Grünen
Julia Willie Hamburg Sprecherin Grüne Jugend Niedersachsen, Moderation

“Juden haben zu viel Einfluss in der Welt.“ Jede und jeder dritte Deutsche stimmt dieser klassisch antisemitischen Behauptung zu. Auch mehr als 60 Jahre nach Auschwitz ist der Antisemitismus fest in der Mitte der deutschen Gesellschaft verankert. Alleine im ersten Halbjahr diesen Jahres gab es rund 500 antisemitische Straftaten in der Bundesrepublik.

„Ich habe nichts gegen Juden, aber…“. Ein Großteil der Menschen, die antisemitischen Äußerungen zustimmen, würde sich selbst nicht als antisemitisch bezeichnen. Wie also zeigt sich Antisemitismus im Jahr 2009? Wo stecken die AntisemitInnen? Wie problematisch ist der Antisemitismus in der deutschen Mehrheitsgesellschaft oder wird hier nicht einfach übertrieben?

Zu Beginn der Veranstaltung wird Robert Beyer die vorläufigen Ergebnisse einer Studie über den „Tatort Sprache“ der Uni Jena, in der Zuschriften zur Israelischen Botschaft und dem Zentralrat der Juden ausgewertet werden, vorstellen.

Was tun? Gibt es erfolgsversprechende Konzepte gegen Antisemitismus? Aufklärung und pädagogische Konzepte sind wichtig. Doch kann man Antisemitismus aberziehen? Oder ist der Antisemitismus ein Grundelement der bürgerlichen und speziell der deutschen Gesellschaft?

Hinweis:

Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Teilnahme an der Veranstaltung ausgeschlossen.

Der erste Landeskongress der GRÜNE JUGEND Grafschaft Bentheim

Montag, November 2nd, 2009

Am vergangenen Wochenende, vom 30. Oktober bis zum 1. November 2009 , and die Landesmitgliedersammlung der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen in Gifhorn statt. Zum ersten Mal waren auch Mitglieder der vor kurzem gegründeten GRÜNEN JUGEND Grafschaft Bentheim dabei. „Uns war es vor allem wichtig, die anderen Mitglieder des Landesverbandes kennenzulernen und Einblicke in ihre Arbeit zu bekommen.“, so Malte Brügge-Feldhake, Gründungsmitglied der GRÜNEN JUGEND Grafschaft Bentheim.

Die diesjährige Landesmitgliedersammlung stand im Zeichen der Medienpolitik. Auf der Tagesordnung standen Workshops und Debatten zu den Themen Öffentlich-Rechtliche Medien, Zukunft der Lokalzeitung, Web 2.0 und Urheberrechte. „Ein Landeskongress bietet viele Möglichkeiten – am besten fand ich, dass wir durch vielfältige Diskussionen viele neue Informationen und Denkanstöße bekommen haben!“ stellte der neugrüne Stefan Ahlhorn fest. So informierten sich die Junggrünen aus der Graftschaft im Ortsgruppen-Vernetzungstreffen über neue Methoden der Mitgliederwerbung und erörterten gemeinsam die verschiedenen Herausforderungen der unterschiedlicher Ortsgruppen. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, zusammen zu planen, zu debattieren und zu feiern.“ findet Arne Brügge-Feldhake, ebenfalls Mitglied der neu gegründeten GRÜNEN JUGEND Grafschaft Bentheim.

Die Mitglieder tauschten sich auch länger mit Sven-Christian Kindler (24) aus, der seit 2007 als Sprecher der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen aktiv war und nun als jüngstes grünes Mitglied im neuen Deutschen Bundestag sitzt. Kindler betonte, wie wichtig es sei, dass junge Menschen sich in die Politik einmischen: „Ob im Parlament, auf der Straße, bei der GRÜNEN JUGEND, in der Schule oder in Gewerkschaften. Als junge Generationen müssen wir politisch aktiv werden. Es geht jetzt um unser Leben! Gemeinsam werden wir als GRÜNE JUGEND für eine gerechte, weltoffene und erneuerbare Zukunft streiten.“.

Am Ende der Landesmitgliedersammlung kehrten die Mitglieder der GRÜNEN JUGEND Graftschaft Bentheim zufrieden und hoch motiviert mit vielen neuen Ideen und Anregungen für weitere Aktionen in die Grafschaft zurück.

Aller-Zeitung: Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend in Gifhorn mit Vorstandswahl

Montag, November 2nd, 2009

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Widerstand gegen Atomklo Gorleben

Mittwoch, Oktober 14th, 2009

Zu den Plänen von Union und FDP neue Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben aufzunehmen erklären Kathrin Henneberger, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND, und Sven-Christian Kindler, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen und jüngster grüner Bundestagsabgeordneter:

atomklo“Die schwarz-gelben Atompläne sind eine klare Kampfansage. Diesen Ankündigungen werden wir unseren entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Mehrere tausend Tonnen zusätzlicher radioaktiver Müll durch längere  Laufzeiten und eine Vorfestlegung auf Gorleben als Atomklo können, wollen und werden wir niemals akzeptieren.

Seit über 30 Jahren ist die Bevölkerung nicht nur im Wendland immer wieder getäuscht und belogen worden. Das dürfte spätestens seit den jüngsten Berichten über die offensichtlichen Aktenmanipulationen deutlich geworden sein. Deswegen muss Gorleben als Endlagerstandort aufgegeben werden. Stattdessen brauchen wir eine ergebnisoffene, vergleichende und transparente Endlagersuche.

Seit über 30 Jahren ist der friedliche und kreative Widerstand gegen das Atomklo Gorleben ungebrochen. Unsere Generation wird dafür sorgen, dass der Widerstand jetzt und auch in Zukunft lebendig bleibt. Wir wollen keine verstrahlte Zukunft. Unsere Zukunft ist 100% erneuerbar.”

Portrait in der HAZ: “Die neue Ernsthaftigkeit der Jungen”

Mittwoch, Oktober 14th, 2009

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Artikel “Die neue Ernsthaftigkeit der Jungen” als PDF lesen.