Posts Tagged ‘Jugend & Gerechtigkeit’

Tageblatt: Finanzkrise ist auch eine Verteilungskrise. Grüner Haushaltsexperte referierte in Buxtehude

Freitag, August 27th, 2010

Der Artikel ist erschinenen im Tageblatt, am 27. August 2010

BUXTEHUDE. Er ist der zweitjüngste Bundestagsabgeordnete. Bei den Grünen zeichnet der 25-jährige Hannoveraner Sven-Christian Kindler für den Grünen Sanierungsplan verantwortlich. Der gelernte Betriebswirt sagt: “Die Finanzkrise ist auch eine Folge der Verteilungskrise”. Am Donnerstagabend trug Kindler in Buxtehude das grüne Konzept zur Bewältigung von Finanz- und Haushaltskrise vor.

Nur rund ein Dutzend Interessierte waren ins Brauhaus gekommen, um zu hören, dass Kindler ähnlich wie bei der Wirtschaftskrise in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts die ungleiche Verteilung der Einkommen und Vermögen mitverantwortlich macht für die aktuelle Krise. Damals wie heute hätten rund zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als 60 Prozent des Nettovermögens verfügt. Tendenz in Deutschland: steigend. Das Problem sei, dass das Vermögen in der Hand Weniger im Land den Binnenkonsum nicht anrege. Das wiederum führe dazu, dass Deutschland vom Export lebe und Länder wie Griechenland ihre Importe unter anderem bei Deutschen Banken finanzieren müssen. Kindler: “Auch unser Export ist so kreditfinanziert”. Die schwarz-gelbe Bundesregierung verschärfe die ungleiche Einkommensverteilung im Land mit ihrem Sparpaket noch: Rund zwei Drittel der Kürzungen gingen zu Lasten sozial Schwacher.
Dagegen fordern die Grünen, die Lasten gerecht zu verteilen. Das heiße sparen, wo Ausgaben ineffizient, nicht ökologisch oder unsozial sind wie bei der Pendlerpauschale oder der Riesterrente, die vor allem Reiche begünstige. Aber es heiße vor allem, die Einnahmen erhöhen. Kindler nennt zahlreiche Beispiele. So sei der Anteil der Ökosteuern inzwischen wieder auf dem Niveau von 1998, weil die Steuern mengenbezogen sind und keinen Inflationsausgleich beinhalten. Ein effektiverer Steuervollzug könnte allein zehn Milliarden Euro pro Jahr bringen, das Anheben der Vermögensbesteuerung auf OECD-Niveau bereits 25 Milliarden. Der Spitzensteuersatz müsse steigen, aber auch der gesamte Einkommenssteuertarif dürfe kein Tabu sein. Sonst, so Kindler, drohe eine Demokratiekrise.

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Pressemitteilung Kindler: BAföG-Erhöhung für Alle, statt Stipendienprogramm für Wenige

Freitag, Juli 9th, 2010

Zur Durchsetzung des Stipendienprogramms der schwarz-gelben Mehrheit im Bundesrat erklärt Sven-Christian Kindler MdB, Mitglied im Haushaltsausschuss:

Das Ja zum nationalen Stipendienprogramm und die gleichzeitige Vertagung der allgemeinen BAföG-Erhöhung offenbart wieder einmal die soziale Schieflage der schwarz-gelben Politik. Auf den falschen Ausbau der Elitenförderung konnten Schavan, McAllister, Pinkwart und Co. sich einigen, doch bei der notwendigen BAföG-Erhöhung zeigt sich Schwarz-Gelb handlungsunfähig. Eine flächendeckende bessere Studienfinanzierung ist aber eine dringend notwendige Zukunftsinvestition.

Die für das Stipendienprogramm vorgesehenen 160 Millionen Euro an Steuermitteln hätten besser in einen grundlegenden BAföG-Ausbau investiert werden sollen. Dies wäre ein echter Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit gewesen.

Deutschland nach der Finanz- und Wirtschaftskrise- quo vadis, Jugend? Wir sind nicht faul und dumm. Wir fordern Perspektiven.

Montag, Juli 5th, 2010
5. November 2010
19:00 bis 21:00

Eine Veranstaltung der IG Bergbau, Chemie, Energie, Bezirk Hannover

- IGBCE Jugendliche und Politiker im Gespräch -

NWZ Inside: “Ich will die Welt verändern”

Freitag, Februar 26th, 2010

Titelstory in der Inside, dem Jugendmagazin der Nordwest-Zeitung, 26.02.2010.

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Neue Presse Interview – “Kindler: Koalition agiert unprofessionell”.

Donnerstag, Februar 4th, 2010

Neue Presse, Seite 3, 4. Februar 2010

Interview als PDF lesen.

“Für die Zukunft brauchen wir Gerechtigkeit” – Rede von Sven-Christian Kindler im Deutschen Bundestag

Freitag, Januar 22nd, 2010

Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren!

Es wird allgemein behauptet, Ursula von der Leyen habe als Familienministerin das Weltbild der Union verändert, die Union neu aufgestellt, die Union modernisiert. Man muss zugeben: Mit der Einführung des Elterngeldes ‑ dessen Bezug auch an Vätermonate geknüpft wurde ‑ und mit der Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter 3 Jahren ab 2013 hat die Union, gerade die konservative Union, eine gute Leistung erbracht. Das muss man lobend anerkennen.

(Ute Kumpf (SPD): Du bist falsch informiert! Das war die SPD!)

‑ Die SPD war beteiligt; aber die SPD war damals schon weiter als die Union.

Die Frage bleibt, ob die Union wirklich ihr gesellschaftliches Weltbild verändert hat. Schauen wir uns das an: Gleich nachdem der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter 3 Jahren festgeschrieben war, hat die CSU quergeschossen und gefordert, dass Eltern, die ihr Kind lieber zu Hause betreuen wollen, Geld dafür bekommen sollen, ein sogenanntes Betreuungsgeld.

(Beifall der Abg. Dorothee Bär (CDU/CSU))

Das war ein Fehler.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Der Streit geht in der neuen Koalition weiter. FDP und CSU streiten sich jetzt um die Frage „Gutscheine oder Barauszahlung“, obwohl dieser Streit nur davon ablenkt, dass das Betreuungsgeld an sich einfach widersinnig ist. Auf der einen Seite werden Betreuungseinrichtungen ausgebaut, was richtig ist, und auf der anderen Seite werden Anreize geschaffen, die neuen Kitas zu meiden und die Kinder eben nicht dorthin zu schicken. Wo ist denn da die Logik? Das ist doch abstrus.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ‑Dorothee Bär (CDU/CSU): Wahlfreiheit heißt das!)

Wichtig ist beim Ausbau der U-3-Betreuung, dass es nicht allein um die Betreuung geht, sondern vor allen Dingen um Bildung und Integration, damit alle Kinder gute Startchancen haben. Gerade die Kinder aus bildungsfernen Schichten brauchen Betreuung in gut ausgestatteten Kitas und Kinderbetreuungsstätten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

In Thüringen kann man heute schon sehen, was passiert, wenn ein Betreuungsgeld eingeführt wird. Kinder aus bildungsfernen Schichten wurden massenhaft von den Kitas abgemeldet. Frau Köhler, es ist jetzt an der Zeit, sich zu entscheiden und Stellung zu beziehen, in welche Richtung es gehen soll. Wollen wir vorwärts in eine moderne Zukunft mit gerechten Startchancen für alle Kinder, oder geht es mit der Herdprämie zurück in die Vergangenheit, wo Frauen dafür belohnt werden, keiner Erwerbsarbeit nachzugehen, und wo Kinder aus bildungsfernen Schichten dabei hinten runterfallen? Ich kann Ihnen nur raten, Frau Köhler, dieses Betreuungsgeld so schnell wie möglich zu entsorgen; es ist unsozial und integrationsfeindlich, und es fördert die Spaltung der Gesellschaft.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Das Betreuungsgeld ist auch keine Maßnahme, die wirklich Kinderarmut bekämpft. Das Thema Kinderarmut wird seit Jahren intensiv diskutiert. Geändert hat sich trotz vieler Absichtserklärungen leider nichts. Viel zu viele Kinder in unserer Gesellschaft sind weiterhin von Armut betroffen. Ein Viertel aller Kinder unter 15 Jahren, 26 Prozent, sind nach Daten des „Sozio-oekonomischen Panels“ in der Bundesrepublik vom Armutsrisiko betroffen. Das heißt, jedes vierte Kind in Deutschland ist von Armut bedroht. Es gibt verschiedene Untersuchungen, warum dies trotz der vielfältigen Leistungen für Familien so ist. Unter anderem erforscht das Kompetenzzentrum für familienbezogene Leistungen für das Familienministerium, welche Wirkungen auf Kinderarmut Leistungen wie Ehegattensplitting, Kinderzuschlag, Elterngeld und das Kindergeld haben. Anstatt jetzt aber einen Abschlussbericht durch dieses Kompetenzzentrum vorlegen zu lassen, wird dieser Expertenzirkel still und heimlich geschlossen und im Haushaltsentwurf für 2010 ein neues Kompetenzzentrum für nachhaltige Familienpolitik eingerichtet. Da drängt sich schon die Frage auf, ob das Ministerium gar kein Interesse daran hat, dass das alte Kompetenzzentrum einen Abschlussbericht vorlegt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN ‑ Miriam Gruß (FDP): Dass da die SPD mitklatscht, ist schon der Hammer!)

Wie wir alle wissen, haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Eigentlich wissen wir, worum es bei Kinderarmut geht. Ein Umsetzungsproblem haben wir zum Beispiel im Hinblick auf das Ehegattensplitting. Es ist offensichtlich, dass das Ehegattensplitting nicht der Förderung von Kindern dient. Insbesondere kinderlose Ehepaare profitieren von den steuerlichen Vorteilen, und gleichzeitig wird für Frauen ein Anreiz gesetzt, zu Hause zu bleiben und keiner Erwerbsarbeit nachzugehen.

(Ingrid Fischbach (CDU/CSU): Ich gebe Ihnen mal die Studie des DIW!)

Deswegen ist es jetzt an der Zeit, bei der steuerlichen Förderung von Familien nicht mehr die Ehe, sondern die Kinder in den Vordergrund zu stellen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Jetzt entgegnet die Bundesregierung natürlich: Wieso, wir haben doch die Leistungen für Kinder im Rahmen des „Schuldenbeschleunigungsgesetzes“ erhöht. Kinder in Gutverdienerfamilien bekommen wegen der Erhöhung des Freibetrages knapp 40 Euro, 20 Euro Kindergeld gibt es, wenn die Eltern durchschnittlich verdienen, und genau null Euro, nämlich gar nichts, überhaupt nichts, gibt es für die 1,8 Millionen Kinder, die in Hartz-IV-Familien leben. So bekämpft man keine Kinderarmut. Im Gegenteil, so vergrößert man die Spaltung und die Chancenungleichheit zwischen armen und reichen Kindern.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Die Entlastung für Besserverdienende, für Erben, für Unternehmen, für Mövenpick ist nicht nur unsozial, sondern sie vergrößert die sowieso schon hohen Defizite, die hohen Schulden in Bund, Ländern und Kommunen um weitere 8,5 Milliarden Euro. Mit 8,5 Milliarden Euro entlasten Sie im Wachstumsbeschleunigungsgesetz Ihre Klientel; aber dieses Geld fehlt an anderer Stelle. Es fehlt, um die notwendige Erhöhung der Kinderregelsätze zu finanzieren. Es fehlt beim Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gerade die öffentliche Daseinsvorsorge bei der Bildung, beim öffentlichen Nahverkehr, bei Büchereien und Kultureinrichtungen ist bei der Schaffung von Chancengleichheit und gerechten Perspektiven für Kinder und Jugendliche so entscheidend. Generationengerechte Politik würde hier wirklich Schwerpunkte setzen und neben massiven Investitionen in Klimaschutz auch Investitionen in die Kindergrundsicherung, Bildung und öffentliche Daseinsvorsorge tätigen. Das wäre generationengerecht, weil davon die jetzige und zukünftige Generationen profitieren würden.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Deswegen fordere ich Sie auf, Frau Köhler: Stoppen Sie diese teure Klientelpolitik, und setzen Sie sich für eine gerechte Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Ich will noch auf das Thema Generationengerechtigkeit eingehen. Generationengerechtigkeit heißt nicht, dass man junge Menschen gegen alte Menschen ausspielt, wie es leider von manchen jungen Liberalen oder jungen Konservativen gerne gemacht wird. Ich erinnere nur an die Debatte über künstliche Hüftgelenke.

(Widerspruch bei der CDU/CSU)

Generationengerechtigkeit muss auch immer Generationensolidarität sein. Gerade angesichts des demografischen Wandels brauchen wir Antworten darauf, wie wir solidarisch zusammen in einer Gesellschaft leben wollen, die schrumpft und die älter, bunter und vielfältiger wird. Deswegen sollten sich alte und junge Menschen gemeinsam für einen guten ÖPNV, mehr und bessere Jugendzentren, Bibliotheken, Sportvereine und kulturelle Initiativen einsetzen. Gerade junge und alte Menschen sind besonders auf eine wohnortnahe Infrastruktur angewiesen.

Doch alle diese Angebote müssen wahrscheinlich wegen der schlimmen Kassenlage der Kommunen, die durch das Schuldenbeschleunigungsgesetz noch verstärkt wird, gekürzt werden oder wegfallen. Das ist nicht nur im Hinblick auf Kinder- oder Altersarmut fatal. Es ist auch katastrophal für das Engagement gegen Rechtsextremismus; denn Rechtsextreme stoßen gezielt in diese Lücke vor mit Angeboten für Jugendliche, die auf der Suche nach Orientierung sind. So gibt es Konzerte mit rechter Musik, oder man kann Fußball spielen, zusammen etwas unternehmen.

(Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Aber die Linksextremisten sind schon im Bundestag! Da sollten Sie sich mal was einfallen lassen! Das ist die Wahrheit! Die gehören aus dem Bundestag heraus! – Gegenruf der Abg. Monika Lazar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist jetzt aber kein Thema!)

Das ist eine perfide, aber leider zum Teil auch erfolgreiche Strategie, weil die Kommunen entsprechende Angebote kürzen oder einstellen. Wir dürfen dazu nicht schweigen oder wegschauen; wir müssen das unterbinden. Wir müssen die Kommunen mit den notwendigen finanziellen Mitteln für den Kampf gegen Rechtsextremismus ausstatten. Insbesondere die zivilgesellschaftlichen Organisationen brauchen eine verlässliche Unterstützung beim Kampf gegen Nazis.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Am Montag hat Ministerin Köhler im Ausschuss angekündigt, dass sie die Bundesmittel für den Kampf gegen Rechtsextremismus auf alle Extremismusformen ausweiten will; Kollege Bockhahn hat das bereits angesprochen. Am Dienstag, also nur einen Tag später, zauberte sie dann plötzlich 2 Millionen Euro zusätzlich gegen Linksextremismus und Islamismus aus dem Hut.

(Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Das muss auch sein!)

Ich frage mich schon: Was, bitte schön, ist Ihr Plan? Wo ist das Geld im Haushalt veranschlagt? Frau Köhler, erklären Sie uns bitte nachvollziehbar und haushaltstechnisch korrekt, woher dieses Geld kommen soll.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Die größte Bedrohung für unsere demokratische Gesellschaft sind nicht linksradikale Gruppen, sondern extrem rechte und menschenfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft.

(Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Wer hat Ihnen das aufgeschrieben?)

Allein 2009 gab es über 20 000 von Rechtsextremen begangene Straftaten. Immer wieder werden Menschen von Nazis schwer verletzt oder sogar getötet. Seit der Wende wurden 140 Menschen von Rechtsextremen ermordet. In wenigen Wochen, am 13. Februar, wollen in Dresden wieder viele Tausend Nazis ‑ das ist der größte Naziaufmarsch in Europa ‑ aufmarschieren. Sie werden dabei die Shoa relativieren und deutsche Täter zu Opfern machen. Es ist wichtig, am 13. Februar auf die Straße zu gehen, um den Naziaufmarsch friedlich zu blockieren.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Das ist das Problem bei dieser Extremismusdebatte: Jede Gleichsetzung des Rechtsextremismus mit anderen Extremismusformen verharmlost die Gewalt und die mörderische Ideologie von Nazis. Die Mittel für Programme gegen Rechtsextremismus und für Vielfalt, Toleranz und Demokratie müssen erhöht werden. Gerade in Problemregionen brauchen wir dringend mehr demokratisch angelegte Angebote als bisher. Ihre Scheindebatten, Frau Köhler, um einen angeblich bedrohlichen Linksextremismus lenken leider in unverantwortlicher Weise davon ab, dass das Problem in Deutschland die Nazis sind.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Weil es um eine gerechte Zukunft geht, müssen wir jetzt die Weichen richtig stellen und massiv in Infrastruktur investieren, sodass alle Kinder gute Startchancen bekommen. Wir müssen in die Infrastruktur investieren, damit die Daseinsvorsorge für alle Generationen gesichert ist und der Kampf gegen Rechtsextremismus erfolgreich geführt werden kann. Für die Zukunft brauchen wir Gerechtigkeit.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Die ganze Rede in pdf

„Wir brauchen Zukunftsinvestitionen!“

Montag, Dezember 21st, 2009

Interview von Gesine Agena, Sprecherin des Grüne Jugend Bundesverbandes, mit Sven-Christian Kindler, Haushälter und jüngster grüner Bundestagsabgeordneter über den aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung, die Rekordverschuldung, Zukunftsinvestitionen und die Einführung einer Vermögensabgabe.
Gesine: Lieber Sven, du sitzt seit zwei Monaten für die GRÜNE JUGEND im Bundestag und bist dort Mitglied im Haushaltsausschuss. Am Mittwoch den 16.12.2009, hat Finanzminister Schäuble den Haushaltsentwurf der Bundesregierung vorgestellt. Was ist deine Hauptkritik am Entwurf?

Sven: Ich kritisiere vor allem, dass die Regierung mit dem so genannten „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ die Steuern für Gutverdienende und Unternehmen senkt. Das ist reine Klientelpolitik! Das Ganze kostet den Bund jährlich mehr als 4,5 Milliarden Euro und soll angeblich Wachstum generieren, dass dann in den kommenden Jahren für höhere Einnahmen sorgen soll. Doch an diese Argumentation glauben noch nicht mal die CDU-FDP-Länderregierungen, geschweige denn die führenden Wirtschafts- und FinanzexpertInnen in Deutschland. Dieser Unsinn potenziert sich noch wenn wir einen Blick auf die Neukreditaufnahme in diesem Jahr werfen. Der Haushaltsentwurf weist für das kommende Jahr 85,8 Milliarden Euro neue Schulden aus. Das ist eine noch nie da gewesene Rekordverschuldung und immer noch nicht die ganze Wahrheit. Die angehäuften Verluste der Sondervermögen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) , beim Investitions- und Tilgungsfond und beim Wirtschaftsfond Deutschland werden sich bis Ende des Jahres 2010 nach unseren Berechnungen auf zusätzliche 45 Milliarden Euro belaufen. Damit wird die wahre Neuverschuldung des Bundes im Jahr 2010 rund 131 Milliarden Euro betragen.

“Was sind deiner Meinung nach die Posten, die man aus dem Haushalt am dringendsten streichen sollte und welche Bereiche sollten stattdessen stärker ausgebaut werden?”

Wir brauchen Zukunftsinvestitionen! Stärker ausbauen müssen wir deshalb ganz klar die Ausgaben für Bildung, Klimaschutz und Gerechtigkeit. Gerade Bildung ist eine der zentralen Gerechtigkeitsfragen. Die Bildungsausgaben in Deutschland müssen schnellstens auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukt gesteigert werden und in gute KiTas, Ganztags- und Gemeinschaftsschulen und bessere Hochschulen investiert werden. Investitionen in eine kohlenstofffreie, solare Wirtschaft sind angesichts der ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen des Klimawandels alternativlos. Außerdem trete ich dafür ein, dass Deutschland sich mittelfristig mit mindestens zusätzlichen 10 Milliarden Euro an den Anpassungskosten an den Klimawandel in den Entwicklungsländern beteiligt. Deutschland hat eine historische Verantwortung als Industrieland und als einer der Hauptverschmutzer der Atmosphäre. Ich kämpfe auch für höhere Sätze beim Arbeitslosengeld II von mindestens 420 Euro, eine echte Kindergrundsicherung und für deutliche Investitionen in eine leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge. Als Grüne setzen wir uns konsequent für Gerechtigkeit ein. Damit wirklich jede und jeder an unserer Gesellschaft teilhaben kann. Rausgestrichen werden müssen endlich ökologisch-schädliche Subventionen. Das fängt bei der Steuerbefreiung von Kerosin an, zieht sich über die Ausnahmen bei der Ökosteuer oder das Dienstwagenprivileg hin und endet bei der Subventionierung von Steinkohle und Atomenergie. Insgesamt summieren sich diese umweltschädlichen Subventionen auf über 40 Milliarden Euro jährlich. Auch in anderen Bereichen ist noch Einsparpotenzial vorhanden, z.B. bei der Förderung der Pharmaindustrie oder den Rüstungsausgaben. Und diese Subventionen können wir uns echt nicht mehr leisten.

“Inhaltlich beschäftigst du dich stark mit dem Thema Kinder- und Jugendpolitik. Warum ist das Thema Haushaltspolitik gerade für uns als junge Generation so entscheidend? Wie sieht eine generationengerechte Haushaltspolitik aus?”

Bei der Haushaltspolitik geht es schlichtweg um die Kohle. Wofür wird wie viel Geld ausgegeben und wofür nicht. Und wie wird das finanziert. Wir reden hier immerhin über ein Ausgabevolumen 2010 im Bundeshaushalt von 325.000.000.000 Euro. Eine nachhaltige und generationengerechte Haushaltspolitik muss jetzt die Schulden begrenzen. Die Verschuldung ist dieses Jahr auf Rekordniveau. Die Zinsausgaben sind jetzt schon der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt und die steigenden Zinszahlungen von über 40 Milliarden Euro verkleinern die Gestaltungsmöglichkeiten des Staates. Zusätzlich sind die Zinsen auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei einer Erhöhung um 0,1 Prozent steigen die Zinszahlungen des Bundes um insgesamt eine Milliarde Euro an. Gleichzeitig dürfen wir uns auch nicht kaputt sparen. Investitionen in die Zukunft können auch über Kredite finanziert werden, da sie das Gesamtvermögen der öffentlichen Hand steigern und eine positive Rendite erzielen. Deswegen wäre es jetzt richtig, massiv in den Klimaschutzschutz, in Bildung und in Gerechtigkeit zu investieren, um jetzt und auch in Zukunft die Grundlagen für eine soziale und ökologische Gesellschaft zu sichern. Gleichzeitig ist es wichtig, die Einnahmeseite des Haushaltes zu konsolidieren und mit einer gerechten Steuerpolitik wieder stärker Besserverdienende und Vermögende an der Finanzierung unseres Gemeinwesen zu beteiligen. Deswegen haben wir Grünen in unserem Wahlprogramm gefordert, den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer auf 45 Prozent zu erhöhen, mehr Einnahmen bei der Erbschaftsteuer zu generieren, eine Finanzumsatzsteuer einzuführen und Kapitaleinkommen wieder wie Lohneinkommen progressiv zu besteuern. Außerdem wollen wir eine Vermögensabgabe für die obersten ein Prozent der Bevölkerung einführen, die 23 Prozent des Vermögens in Deutschland besitzen. Die großen BesitzerInnen von Kapitalvermögen, die in den letzten Jahren von den hohen Renditen an den Finanzmärkten profitiert haben, müssen jetzt auch solidarisch an den Folgenkosten der Finanzkrise beteiligt werden. So sieht eine solidarische Haushaltskonsolidierung aus!

Kindler: “Schäuble haushaltet auf Kosten der Kommunen und der zukünftigen Generationen!”

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Heute hat Bundesfinanzminister Schäuble den von der Bundesregierung beschlossenen Haushaltsentwurf 2010 im Haushaltsausschuss vorgestellt. Dazu erklärt Sven-Christian Kindler, grünes Mitglied im Haushaltsausschuss: “Mit dem Haushaltsentwurf stellt sich die Bundesregierung selbst ein Armutszeugnis aus. Die Neuverschuldung ist mit 86 Mrd. Euro so hoch wie nie zuvor. Weitere 45 Mrd. Euro fließen in die Schattenhaushalte, so dass die wahre Neuverschuldung sogar bei 131 Mrd. Euro liegt.”

Schon vor der Krise hatten viele Kommunen kaum noch Handlungsspielraum für Zukunftsinvestitionen, durch das sogenannte “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” wird die Situation nochmals verschärft. Den Kommunen fehlen dadurch jährlich ca. 1,5 Mrd. Euro, insgesamt fehlen den öffentlichen Haushalten jährlich sogar mehr als 8 Mrd. Euro. Der jüngste grüne Bundestagsabgeordnete erklärt dazu: “So bleiben nötige Investitionen in Kinderbetreuung, Bildung und den Umbau in eine CO2-arme Wirtschaft auf der Strecke. Stattdessen verschenkt die Bundesregierung Milliarden an Gutverdienende und HotelbesitzerInnen. Unter den steigenden Schulden und den ausbleibenden Investitionen in öffentliche Daseinsvorsorge und Klimaschutz leidet insbesondere die junge Generation. Eine nachhaltige und generationengerechte Haushaltspolitik sieht anders aus! Es ist jetzt wichtig, in die Zukunft zu investieren und die Einnahmen des Bundeshaushalts durch eine gerechte Besteuerung von Vermögenden, beispielsweise durch eine Vermögensabgabe oder höhere Steuern auf Millionenerbschaften, zu konsolidieren.”

Neue Presse: Grüne aus Hannover in Kopenhagen

Montag, Dezember 14th, 2009

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Jung und Älter zusammen in der Politik an der IGS Roderbruch

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009
11. Dezember 2009
11:55 bis 12:40

jung-und-alter-zusammen-in-der-politikIngrid Lange ist mit 71 Jahren grüne Bürgermeisterin von Hannover und Sven-Christian Kindler ist mit 24 Jahren jüngster Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag und für die Region Hannover zuständig.

Zentrales Thema des Projektes „Jung und älter zusammen in der Politik“ ist es, für Generationengerechtigkeit einzutreten. Durch gemeinsame Besuche in Einrichtungen und Organisationen wollen sich die beiden PolitikerInnen mit den verschiedenen Altersgenerationen über Wünsche, Interessen und Ängste austauschen und für mehr Solidarität und Verständnis zwischen Jung und Älter sorgen. Der letzte Termin hat im „Oekomenischen Altenzentrum Ansgarhaus“ in Hannover stattgefunden.

Nun planen die beiden PolitikerInnen durch einen Besuch an der IGS Roderbruch am 11.12. die Anliegen von jungen SchülerInnen aufzugreifen. Hierbei wird es um das Bildungssystem, Leistungsdruck und um konkrete Zukunftsängste gehen. Gleichermaßen wollen sie in Gesprächen aber auch das Verhältnis zu den älteren Menschen thematisieren. Was konkret bedeutet Generationengerechtigkeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels? Sven-Christian Kindler und Ingrid Lange sind durch ihre politischen Verantwortungen in Kommune und Bund und ihrem Altersunterschied von 48 Jahren die geeigneten Gesprächspartner für dieses Thema.