Posts Tagged ‘Kopenhagen’

Streit um Geld für Klimaschutz

Samstag, März 6th, 2010

Artikel erschienen in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Haz),  am 6.3.2010

Berlin (dsc). Klimaschützer und die Opposition haben der Bundesregierung vorgeworfen, die finanziellen Zusagen vom UN-Klimagipfel in Kopenhagen nicht einzuhalten. Statt der von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) 2009 versprochenen 420 Millionen Euro jährlich seien im Haushaltsentwurf 2010 nur 70 Millionen Euro zusätzlich eingeplant worden, kritisierten Haushaltspolitiker von SPD und Grünen am Freitag. „Damit macht sich Deutschland unglaubwürdig“, sagte Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler. Ein Regierungssprecher wies die Vorwürfe gestern zurück. Deutschland werde die gesamten 420 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stellen. Allerdings besteht ein Großteil des Betrages offenbar aus Umwidmungen früherer Zusagen der Regierung. Die Etats für Umwelt sowie Entwicklungshilfe werden nach Angaben eines Regierungssprechers um jeweils 35 Millionen Euro aufgestockt. Der fehlende Beitrag von 350 Millionen Euro setze sich aus Auktionserlösen aus dem Emissionshandel und EU-Mitteln zusammen. Die Organisation Germanwatch kritisierte, dass genau diese Fördermittel zum Teil bereits 2008 für den Artenschutz zugesagt wurden.

Bruch mit Kopenhagen. Kaum mehr Geld für Klimaschutz

Samstag, März 6th, 2010

Artikel in der taz am 6.3.2010

Statt zusätzliches Geld für Klimaschutz bereit zu stellen, schichten die Haushälter überwiegend Mittel um. Die Opposition sieht einen klaren Bruch des Kopenhagen-Versprechens.

Es war einer der wenigen Lichtblicke beim ansonsten deprimierenden Klimagipfel in Kopenhagen: Während es bei den Treibhausgasen selbst keinerlei Fortschritte gab, rangen sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in einer langen Nachtsitzung immerhin zu einer konkreten Finanzzusage durch: Insgesamt 30 Milliarden Dollar sollten die Entwicklungsländer für den Zeitraum von 2010 bis 2012 bekommen, um Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren. Die EU wollte davon 2,4 Milliarden Euro pro Jahr übernehmen, Bundeskanzlerin Merkel sagte in Kopenhagen eine Summe von 420 Millionen Euro jährlich zu. Ein Misserfolg des Gipfels, so Merkel damals in ihrer beklatschten Rede, wäre ein “schreckliches Signal für alle, die unserer Welt im 21. Jahrhundert eine gute Zukunft geben wollen”.

Zweieinhalb Monate später zeigte sich nun, ebenfalls in einer Nachtsitzung, was das Versprechen von Kopenhagen wert war. Am frühen Freitagmorgen einigte sich der Haushaltsausschuss des Bundestags auf den Etat für das Jahr 2010. Statt der zugesagten 420 Millionen Euro sind nur 70 Millionen Euro zusätzlich eingestellt worden – und selbst das erst nach heftigem Streit und mehreren Sitzungsunterbrechungen. Ursprünglich hatten die Haushaltspolitiker der schwarz-gelben Koalition geplant, überhaupt kein frisches Geld bereitzustellen, sondern ausschließlich bisherige Ausgaben aus den Etats des Umwelt- und des Entwicklungsministeriums umzudeklarieren.

Für 80 Prozent des Kopenhagen-Versprechens gilt das weiterhin: So rechnet die Regierung die ohnehin für den Klimaschutz vorgesehenen Gelder aus der Versteigerung der Emissionshandelszertifikate ebenso in die Summe rein wie bilaterale Entwicklungshilfe. Zudem Gelder, die Angela Merkel im Jahr 2008 bei der Biodiversitäts-Konferenz in Bonn – ebenfalls in einer international bejubelten Rede – für den internationalen Tropenwaldschutz versprochen hatte.

Die Opposition sieht darum einen klaren Bruch der Kopenhagen-Zusage. Dass die Regierung “nicht einmal ihre bescheidenen Zusagen” einhalte, sei ein “Skandal”, erklärte etwa der Grünen-Haushaltspolitiker Sven Kindler. “Bundesumweltminister Röttgen ist vorgeführt worden.” Auch SPD und Linke übten Kritik.

Die Regierung wies diese entschieden zurück. “Die Finanzzusagen werden eingehalten”, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. “Deutschland stellt von 2010 bis 2012 im Schnitt 420 Millionen Euro bereit.” Er räumte aber ein, dass darin Waldschutz- und Entwicklungshilfegelder einberechnet seien. Auch das Umweltministerium erklärte, die Kopenhagen-Zusage werde eingehalten. Dass Minister Norbert Röttgen (CDU) mit der Lösung tatsächlich zufrieden ist, darf allerdings bezweifelt werden. Sowohl im Dezember in Kopenhagen als auch im Januar im Haushaltsausschuss hatte er noch explizit erklärt, bei den gesamten 420 Millionen Euro sollte es sich um zusätzliche Gelder handeln, die nicht mit ohnehin geplanten Entwicklungs- und Naturschutzgeldern verrechnet werden dürften.

Auch der “Copenhagen Accord”, das mühsam erkämpfte Abschlussdokument des Klimagipfels, legt sich eindeutig fest: “new and additional”, also neu und zusätzlich zu bisherigen Zahlungen sollen die von den Industrienationen versprochenen Finanzhilfen sein. Hinter diese Zusage falle Deutschland nun eindeutig zurück, erklärt Jan Kowalzik, Klimareferent bei der Entwicklungsorganisation Oxfam. “Als ,frisches Geld’ im Sinne des Copenhagen Accord können lediglich 70 Millionen Euro bezeichnet werden. Der Rest ist eine Mogelpackung.”

Die Organisation Germanwatch zeigte sich zwar erleichtert, dass die zusätzlichen Gelder nicht, wie zwischenzeitig geplant, komplett gestrichen wurden. Dennoch sei die Entscheidung “nicht das gewünschte Signal für ernsthaften Klimaschutz”, sagte Geschäftsführer Christoph Bals.

Die Verhandlungen über ein weltweites Klimaschutzabkommen, die in Kopenhagen gescheitert waren, sollen im April in Bonn wieder aufgenommen werden. Mit welchen Versprechen die Bundesregierung dann auftreten wird, ist noch offen.

100.000 für Klimagerechtigkeit. Und zwar jetzt!

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

Ein Bericht über die internationale Großdemonstration in Kopenhagen von Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordneter und seit vielen Jahren in der Umweltbewegung aktiv.

meerEs ist mitten in der Nacht. 3 Uhr am Samstag Morgen, den 12. Dezember 2009. Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Hannover treffen sich 75 überwiegend junge Grüne und AktivistInnen der GRÜNEN JUGEND. Ihr Ziel: Kopenhagen. Gemeinsam haben Jan Philipp Albrecht, der grüne Regionsverband Hannover und ich zwei Busse mit rund 100 Plätzen organisiert, um zur internationalen Großdemo nach Kopenhagen zu fahren. Wir wollen gemeinsam auf die verhandelnden Staaten bei der UN-Klimakonferenz – Conference of the Parties 15 (COP15) – Druck ausüben, damit diese ein wirkliches Reduktionsabkommen und angemessene Finanzmittel für die Entwicklungsländer zur Anpassung an den Klimawandel beschließen. In Hamburg steigen noch 25 weitere Grüne zu und schnell sind wir dann auch schon in Puttgarden. Nach einer kurzen Ausweiskontrolle fahren wir dann auf die Fähre nach Rødby. Es weht eine raue, kalte Brise an Deck, doch dafür bezaubert der Blick auf die sich sanft bewegenden Wellen der Ostsee im Schein des Mondes. Ein Moment um inne zu halten und sich zu vergewissern, um wie viel es in Kopenhagen geht. Um nicht weniger als ein Abkommen, das sich der größten ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts annimmt. In Kopenhagen kann und wird Geschichte geschrieben werden. Nicht nur von den VerhandlungsführerInnen und Staatschefs. Es wird auch der Startpunkt für eine große, globale Klimabewegung sein.

Die Welle für das Klima

„What do you want? Climate justice! When do you want it? Now!“. In der dänischen Hauptstadt angekommen können wir noch vor dem dänischen Parlament mit 10.000 AktivistInnen an der Abschlussaktion der „Klimawelle“ von Friends of the Earth teilnehmen. Wieder und immer wieder machen die äußerst fröhlichen gestimmten TeilnehmerInnen die „Mexican wave“ (La Ola-Welle) und tanzen nach der Kundgebung zu Reggae und Dancehall eine Riesenpolonaise. Viele lachende, freundliche Gesichter. Die Stimmung ist ausgelassen und motiviert.

Keine Kompromisse mehr!

bla-bla-blaMenschen soweit das Auge reicht. Der Platz vor dem Parlament ist total voll. 100.000 KlimaaktivistInnen beteiligen sich an der größten Demonstration in Kopenhagen seit Jahrzehnten. Damit hatte niemand gerechnet! 500 Organisationen hatten dazu aufgerufen und von überall auf der Welt waren VertreterInnen da. Die globale Solidarität war zu spüren. Auch im Demoblock der Global Greens, in dem unter anderem Grüne aus Neuseeland, Australien, Brasilien, Frankreich oder der Schweiz mitliefen. Vorne weg vorm grünen Demoblock fuhr der Wagen der Jugendorganisation der Socialistisk Folkeparti (SF), der dänischen Partnerpartei der Europäischen Grünen. Lauter Hip Hop und R`n`B sorgte ordentlich für Stimmung bei dem kalten, aber zum Glück sonnigen Wetter. Die Sprüche auf der Demonstration machten es deutlich: „Bla Bla Bla – Act now!“, „Planet not profit!“, „Nature doesn´t compromise“ oder „There is no planet B“. Es geht ums Ganze in Kopenhagen und wir werden keine faulen Kompromisse mehr akzeptieren!

Leider auch bei dieser Demo: Polizeiwillkürimg_8835

Die Demonstration war zu sehr großen Teilen bunt, kreativ, friedlich. Allerdings nahm die Polizei rund 1.000 DemonstrantInnen vorübergehend in Gewahrsam. Ein Akt von Polizeiwillkür und eine Verletzung von Menschenrechten – saßen die DemonstrantInnen doch bei den kalten Temperaturen um 0 Grad mehrere Stunden gefesselt auf der Straße. Lediglich gegen 3 der 1.000 lagen konkrete Verdachtsmomente auf Straftaten vor. Nichts desto trotz war die Demo ein großer Erfolg. Wir haben klar gemacht, dass jetzt gehandelt werden muss. Für echte Reduktionsverpflichtungen und ein faire Entwicklungsperspektive für die armen Länder im globalen Süden.

Der Kampf vor Ort geht weiter!

Sonntag früh morgens um halb vier waren wir mit unseren Bussen wieder in Hannover. Was für ein Tag! Müde, erschöpft, aber auch gleichzeitig motiviert und mit kreativer Energie. Denn der Kampf vor Ort geht weiter. Ob gegen neue Kohlekraftwerke, Autobahnbauten oder Massentierhaltungsanlagen. Ob für den Ausbau Erneuerbarer, des ÖPNV oder die Biolandwirtschaft. Wir sind da, wir sind viele und gemeinsam streiten wir für echte Klimagerechtigkeit!

Neue Presse: Grüne aus Hannover in Kopenhagen

Montag, Dezember 14th, 2009

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HAZ: Schüler aus der Region beim Klimagipfel/Grünen-Politiker sieht starkes Signal

Montag, Dezember 14th, 2009

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