Archive for the ‘Jugend & Gerechtigkeit’ Category

Pressemitteilung Kindler: BAföG-Erhöhung für Alle, statt Stipendienprogramm für Wenige

Freitag, Juli 9th, 2010

Zur Durchsetzung des Stipendienprogramms der schwarz-gelben Mehrheit im Bundesrat erklärt Sven-Christian Kindler MdB, Mitglied im Haushaltsausschuss:

Das Ja zum nationalen Stipendienprogramm und die gleichzeitige Vertagung der allgemeinen BAföG-Erhöhung offenbart wieder einmal die soziale Schieflage der schwarz-gelben Politik. Auf den falschen Ausbau der Elitenförderung konnten Schavan, McAllister, Pinkwart und Co. sich einigen, doch bei der notwendigen BAföG-Erhöhung zeigt sich Schwarz-Gelb handlungsunfähig. Eine flächendeckende bessere Studienfinanzierung ist aber eine dringend notwendige Zukunftsinvestition.

Die für das Stipendienprogramm vorgesehenen 160 Millionen Euro an Steuermitteln hätten besser in einen grundlegenden BAföG-Ausbau investiert werden sollen. Dies wäre ein echter Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit gewesen.

Jugend und Parlament im Deutschen Bundestag. Ein Bericht der diesjährigen Teilnehmerin Louisa Firnenburg

Montag, Mai 31st, 2010

Das diesjährige Planspiel für Jugendliche fand vom 26.-31. Mai in Berlin statt

Louisa Firnenburg und Sven-Christian Kindler (der einladende MdB)

Im Bundestag findet jährlich ein großes Planspiel statt, zu dem rund 312 Jugendliche von Abgeordneten eingeladen werden. Als Teilnehmer_in soll mensch sich in die Rolle einer_eines fiktiven Abgeordneten versetzen und sich vier Tage lang mit Gesetzgebungsprozessen im Bundestag auseinandersetzen. Dieses Jahr hatte ich das Glück, von Sven-Christian Kindler, MdB, eingeladen zu werden. Als wir uns in Berlin trafen, wurden wir von jungen Journalist_innen begleitet und interviewt- es ging um Svens Arbeit und wie es so ist, im Bundestag zu sitzen. Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, was ich in den Jugend und Parlament-Tagen dann selbst erlebt habe: Die Regierungskoalition hat die Mehrheit und kann damit die Opposition (fast) immer überstimmen. Das kann ganz schön deprimierend sein. Sven sagt dazu, mensch müsse den richtigen Ausgleich finden zwischen Ärger und Verzweiflung darüber und Nach-Vorn-Schauen und weiterkämpfen. Denn Letzteres ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit, die stressig und anstrengend ist, zugleich aber auch Spaß macht und sich sehr abwechslungsreich gestaltet. Sich Einsetzen für Veränderung und die Aufgabe wahrnehmen, die der_dem Abgeordneten von Partei und Wähler_in zugeteilt wurde.

In den vier Tagen erlebte ich vereinfacht, was es heißt, sich in der Fraktion auf eine gemeinsame Linie einigen zu müssen und unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. Auch die Ausschussarbeit (für mich beim Ausschuss Inneres) war sehr interessant und diskussionsreich, da wir uns mit dem Thema Volksentscheide auf Bundesebene auseinander gesetzt haben. Im Plenum, in der zweiten und dritten Lesung am letzten Tag, wurden dann die verschiedenen Gesetzesvorschläge von Alkoholverbot für Jugendliche bis zu Zukunft der Rente debattiert und abgestimmt.

Rundum eine sehr lohnende Veranstaltung, bei der mensch viele engagierte Jugendliche und wichtige Prozesse im Bundestag  erlebt und kennenlernt.

Louisa Firnenburg

Die Zukunft nicht kaputt sparen!

Montag, Mai 17th, 2010

Pressemitteilung, 17.05.2010

Zu den aktuellen Sparvorschlägen von FDP- und CDU/CSU-PolitikerInnen erklärt Sven-Christian Kindler MdB, Mitglied im Haushaltsausschuss:

Die aktuellen Sparvorschläge zeigen, dass die Schwarz-Gelbe Koalition nichts aus der Krise gelernt hat. Wer bei Bildung und Kindern sparen will, setzt die Zukunft der jungen Generationen aufs Spiel. Anstatt bei Zukunftsinvestitionen auf die Bremse zu treten müsste jetzt dort gespart werden, wo Geld unnötig aus dem Fenster geschmissen wird. Beispielsweise beim nationalen Weltraumprogramm, für das jedes Jahr 250 Mio. Euro ausgegeben werden, bei Rüstungsprojekten wie MEADS oder bei unsinnigen Verkehrsprojekten wie der Y-Trasse oder der A22. Durch die Abschaffung von Ausnahmen bei der Ökosteuer oder des Dienstwagenprivilegs ließe sich eine doppelte Rendite erwirtschaften, einerseits für die Umwelt, andererseits durch Mehreinnahmen zum Schuldenabbau.

Es ist aber eben auch klar, dass der Haushalt nicht alleine durch Sparmaßnahmen konsolidiert werden kann. Deshalb sind Maßnahmen zur Einnahmeverbesserung der öffentlichen Haushalte unabdingbar. Die Lasten der Krise müssen gerecht verteilt werden. Wir brauchen eine Finanztransaktionssteuer, die einerseits Spekulationen an den Finanzmärkten einschränkt und andererseits bei einem Steuersatz von 0,01% bereits 14 Mrd. Euro Mehreinnahmen bringt. Hohe Vermögen müssen mit einer Vermögensabgabe zum Abbau der Krisenschulden beitragen.

Pressefotos

“Nicht länger Machos sein müssen” – Das Grüne Männer-Manifest

Montag, April 12th, 2010

Eine Frau ist Bundeskanzlerin. Frauen machen die besseren Bildungsabschlüsse, können Bischöfin werden, mischen in Rap und Hip-Hop mit und sind im Fußball international erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen. Gleiche Rechte in Deutschland anno 2010? Ist Alice im Wunderland angekommen?

Mitnichten. Wir Männer sehen, dass unsere Gesellschaft noch immer von einem tief sitzenden Geist der geschlechtlichen Polarität durchflutet ist, der Frauen auf Weiblichkeit und Männer auf Männlichkeit reduziert. Damit muss endlich Schluss sein. Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!

Man wird nicht als Mann geboren, man wird dazu gemacht.

Bedeutende Frauen wie Olympe de Gouges, Louise Otto-Peters, Simone de Beauvoir und die Frauenbewegungen im 20. Jahrhundert waren Pionierinnen für Gleichberechtigung und Feminismus. Einen Makel haben einige feministische Diskurse aber leider gerade in Deutschland bis heute: Männer spielen in ihm nur selten eine Rolle. Dabei ist wirkliche Gleichberechtigung, sind gleiche Rechte und gleiche Pflichten nur mit den Männern zu erreichen – nicht gegen sie. Frauen haben durch den Feminismus ihre Möglichkeiten erweitert, Männern steht dieser Schritt noch bevor.

Das Diktum des sozialen Geschlechtes, des Rollenzwangs und der festgelegten Verhaltensmuster gilt nämlich ebenso für Männer. Weil diese davon aber materiell und sozial immer profitiert haben, wurde erst in jüngerer Zeit zum Thema, dass Geschlechterrollen auch für Männer ein Korsett sind, das ihnen mehr schadet als nützt.

Nach dem Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke ging eine Debatte über die Gesundheit von Männern, über Schwäche und Depressionen, über Versagensängste durch die Republik – endlich! Wir fragen uns jedoch: Sind die Männer, die öffentlich trauerten und weinten, aber nicht auch diejenigen, die eine Woche später in den Stadien und Fankneipen einen Fußballer als Schwuchtel beschimpfen würden, wenn er sich als homosexuell outet? Oder als Weichei, wenn er ein Jahr Babypause nimmt und seine Frau für den Lebensunterhalt sorgen lässt?

Wir brauchen ein neues Bewusstsein für eine neue Männlichkeit. Wir als männliche Feministen sagen: Männer, gebt Macht ab! – es lohnt sich.

Wir wollen Neue Werte – Neue Arbeit – Neue Perspektiven!

Die Krise ist männlich. Klimakrise, Finanz- und Wirtschaftskrise, Hunger- und Gerechtigkeitskrise, all dies sind direkte Folgen einer vor allem „männlichen“ Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsweise, die unseren Planeten an den Rand des Ruins getrieben hat. Entfesselter Wachstum und ungehemmter Profit müssen ein Ende haben. Wir wollen anders leben!

Wir wollen entlang von Werten leben und arbeiten, die auf Wertschöpfung, Gemeinwohlorientierung, individueller Freiheit, Nachhaltigkeit und Entschleunigung basieren. Dazu müssen politische Weichen gestellt werden. Neue Zeitmodelle in den Unternehmen müssen es Männern ermöglichen, ihre Wochen- und Lebensarbeitszeit zu reduzieren, Teilzeitphasen oder Sabbatjahrmodelle zu verwirklichen. Entschleunigung ist auch hier Schlüssel: Viel zu selten werden Männern im Erwerbsarbeitsleben „nicht-klassische“ Erwerbsbiografien ermöglicht. Das Bild vom männlichen Hauptverdiener schwebt auch hier noch in den Köpfen vieler Personalverantwortlicher.

Es ist weder schlau noch gut, Menschen lediglich eindimensional in wirtschaftliche Wachstumsprozesse einzubinden. Familienleben und soziales wie gesellschaftliches Engagement sind gerade für Männer eine Möglichkeit, an einem qualitativen Wachstum mitzuwirken. Vernetztes Denken, ganzheitliche Bildung und Kreativität können sich nur vollends entfalten, wenn Menschen alle Lebensbereiche gemeinsam gestalten. Das Ende der Rollenaufteilung ist auch wirtschaftlich notwendig, denn ein Ende der Ungleichbehandlung führt für alle Beteiligten zu einer größeren Zufriedenheit.

Wir brauchen Neue Wege für Jungs!

Die Wiege der Gleichberechtigung ist wie so oft die Bildung und Erziehung. Hier fallen die Würfel. Viel ist in den letzten Jahren von der Bildungsmisere der Jungen geschrieben und gesprochen worden und vieles ist richtig. Jungen fallen viel häufiger als „Verlierer“ aus dem Bildungssystem: Sie brechen die Schule öfter ab, erreichen schlechtere Leistungen und Abschlüsse, sind häufiger schulmüde als Mädchen. Deshalb braucht es eine emanzipatorische Erziehung und eine individuelle Förderung, die die Stärken von Jungen und Mädchen gleichermaßen wertschätzt und fördert.

Zwischen emanzipierten Müttern und frauenverachtenden Hip-Hoppern bekommen Jungen heute ein breites Repertoire zur Orientierung geboten. Was oft fehlt, sind die positiven Rollenbilder einer anderen, neuen Männlichkeit. Längst wissen wir, dass mit zunehmender Gleichberechtigung das Patriarchat umso härter zurückschlägt: mit Gewalt, medialem Sexismus oder Schein-Bastionen der Männlichkeit in Sport und Musik. Wir wollen role models aus Sport, Medien, Politik und Kultur, die nicht den Macker spielen müssen, weil sie eben selber stark genug sind, auch schwach sein zu dürfen.

Wir wollen mehr geschlechtersensible Männer in „klassischen“ Frauenberufen: mehr Erzieher, mehr Grundschullehrer, mehr Sozialpädagogen. Und wir wollen, dass Jungen selbstbewusst ihren Interessen nachgehen können und nicht in tradierte Schemata gedrängt werden. Deswegen fordern wir neue Wege für Jungs durch die Etablierung von „Boy’s Days“ und ein geschlechtersensibles Bildungs- und Berufsberatungsangebot. Denn das Interesse am Maschinenbau ist nicht angeboren.

Wir fordern: Neue Väter statt „Vater morgana“!

Seit der Einführung der Partnermonate im Elterngeld durch Ursula von der Leyen bejubeln viele Medien die „neuen Väter“ und den Run auf die beiden Monate zwischen Wickeltisch und Sandkasten. Und, in der Tat: Die beiden Partnermonate waren ein Erfolg, ein Einstieg in die Übernahme von Verantwortung von Vätern in Haushalt und Erziehung. Aber werden Männer damit wirklich zu „neuen Vätern“? Oder handelt es sich nicht in Wirklichkeit um eine „Vater morgana“, die Vätern lediglich eine verlängerte Auszeit vom Job ermöglicht, und zwar in der Regel dann, wenn die ersten zwölf Monate nach der Geburt glücklich überstanden sind?

Wir wollen auch hier Gleichberechtigung: Die Aufteilung der Elternzeit muss paritätisch sein. Dies würde nicht nur Männern mehr Verantwortung abverlangen, sondern auch die Unternehmen und Arbeitgeber zum Umdenken zwingen. Zwei Monate ist ein Arbeitnehmer für den Arbeitgeber zu entbehren, sechs Monate oder länger jedoch verlangen neue Zeit- und Jobmodelle, die wir dringend brauchen – hin auf dem Weg zu echter Gleichberechtigung.

Männer leiden unter ähnlichen Vereinbarkeitsproblemen wie Frauen: Gerade junge Männer haben mittlerweile den Anspruch, Kind(er), Karriere, Engagement und Freizeit miteinander vereinbaren zu können, anstatt sich für das eine oder gegen das andere entscheiden zu müssen. Sie wollen nicht länger daran scheitern, Berufs- und Privatleben in eine gute Balance zu bringen, sondern moderne Partnerschaftskonzepte durchgängig leben und die Rolle des “neuen Vaters” tatsächlich einnehmen. Als moderne Väter wollen sie ihren Kindern beim Aufwachsen helfen, selbstbestimmt die Erziehungsarbeit teilen – statt Zuschauer zu bleiben. Auch deshalb muss Teilzeit für Chefs sowie Männer in Kitas und Grundschulen zur Selbstverständlichkeit werden.

Wir stehen für ein Neues Gesundheitsbewusstsein!

Männer sterben noch heute im Schnitt sechs Jahre früher als Frauen – Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Zeichen chronischer Überlastungen sind die häufigsten Todesursachen. Jahrhundertelang gehörte es nicht um Selbstbild eines Mannes, sich um seine Gesundheit zu kümmern. Dumme Sprüche wie “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” führen dazu, dass viele Männer körperliche Warnsignale überhören oder bagatellisieren. Doch der Körper lügt nicht.

Männer sollen krank werden dürfen – ohne als Versager dazustehen. Umso wichtiger ist ein großer Aufbruch für die Männergesundheit. Wir brauchen mehr Konzentration auf die Prävention von Männerkrankheiten, in den Krankenkassen und in der Betrieblichen Gesundheitsförderung.

Die bestehende Rollenaufteilung der Geschlechter führt immer wieder zu schweren psychischen Belastungen. Sowohl Frauen als auch Männer leiden unter den enormen gesellschaftlichen Anforderungen, die ihnen auf Grund ihres Geschlechts abverlangt werden. Dies ist vor allem dort ein Problem, wo die eigene Entwicklung den Normvorstellungen wenig entspricht. Für Körper und Psyche des Menschen ist es daher dringend nötig, die Rollen endlich aufzubrechen.

Wir sind Grüne Feministen und haben gute Erfahrungen gemacht, Macht und Einfluss zu teilen. Wir sind mit Quoten  und Doppelspitzen groß geworden. Wir kennen und schätzen gleiche Rechte und gleiche Pflichten sowie die Verantwortung, als Beispiel voranzugehen. Uns trägt die Vision einer Gesellschaft verschiedenster Individuen, die unter gleichen Bedingungen zusammenleben.

Wir sind keine Dinosaurier mehr. Wir wollen auch keine Alleinernährer sein. Wir wollen weniger Leistungsdruck, bessere gesundheitliche Prävention und mehr wertvolle Zeit. Wir wollen keine Helden der Arbeit sein, wir wollen leben. Wir wollen Macht, Verantwortung und Pflichten teilen und das Korsett alter Geschlechterrollen von uns reißen. Wir wollen neue Perspektiven für Männer im 21. Jahrhundert!

Sven Lehmann | Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen NRW

Jan Philipp Albrecht MdEP | Grüne Fraktion im Europäischen Parlament

Kai Gehring MdB | Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag

Malte Spitz | Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen

Arndt Klocke | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen NRW

Gerhard Schick MdB | Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag

Dieter Janecek | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Bayern

Sven-Christian Kindler MdB | Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag

Till Steffen | Justizsenator Hamburg

Rasmus Andresen MdL | Grüne Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein

Eike Block | Sprecher Grüne Jugend NRW

Christian Kühn | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Max Löffler | Sprecher Grüne Jugend Bundesverband

Henning von Bargen | Leiter Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung

Christoph Erdmenger | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt

Jörg Rupp | Parteirat Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Martin-Sebastian Abel | Sprecher LAG Kultur Bündnis 90/Die Grünen NRW

Matthi Bolte | Ratsmitglied Bündnis 90/Die Grünen Bielefeld

Martin Wilk | Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Kreuzberg-Friedrichshain

Janosch Dahmen | Sprecher LAG Gesundheit Bündnis 90/Die Grünen NRW

Can Erdal | Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Düsseldorf

Lesen und kommentieren:  www.maennermanifest.de

Download des Manifests als pdf

MDR: Bundestag billigt Rekordschulden

Samstag, März 20th, 2010

MDR, 19.03.2010

Der Bund darf in diesem Jahr so viele neue Schulden machen wie nie zuvor. Das hat der Bundestag beschlossen. Die Abgeordneten segneten mit der Mehrheit der schwarz-gelben Koalition den Haushaltsentwurf der Regierung ab. Er sieht Ausgaben von fast 320 Milliarden Euro vor. Ein Viertel davon, also 80 Milliarden Euro, sollen an neuen Krediten aufgenommen werden. Das ist doppelt so viel wie beim bisherigen Schuldenrekord aus dem Jahr 1996. Die Opposition lehnte den Haushaltsentwurf geschlossen ab und sprach von einem Etat ohne Ehrgeiz. Der Bundesrat muss dem Haushalt in der kommenden Woche noch zustimmen. Mitte April soll er dann in Kraft treten.

Schäuble verteidigt Neuverschuldung

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte vor der Abstimmung, die hohe Neuverschuldung solle eine Ausnahme bleiben. Die 80 Milliarden Euro in diesem Jahr seien aber notwendig, um die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise abzufedern. Die Regierung müsse langfristig die Stabilität des Euro gewährleisten und Wachstum sichern. Jetzt heiße es, Balance zu halten und den richtigen Übergang zu finden. Schäuble kündigte zugleich an, die Verschuldung in den nächsten Jahren wieder zurückzufahren. Der Bund werde die Vorgaben der Schuldenbremse erfüllen müssen. Der CDU-Politiker bezifferte die notwendigen Einsparungen auf mindestens zehn Milliarden Euro pro Jahr.

Opposition: Regierung wartet NRW-Wahl ab

Die Opposition bekräftigte ihre Vorwürfe, die Regierung sei konzeptlos und werde mit dem Finanzdesaster erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen herausrücken. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß hielt Union und FDP vor, sich zu inszenieren, um zu verschleiern, dass es an Ideen fehle: “Frau Merkel hat nichts im Griff.” Linksfraktionsvize Gesine Lötzsch beklagte, die Regierung halte trotz der angespannten Finanzlage an der irrwitzigen Idee einer großen Steuersenkung fest. Mehr Haushaltsnotstand gehe nicht. Der Grünen-Haushälter Sven Kindler bezeichnete den Haushalt als “in Zahlen gegossene Vergangenheit”.

Abstimmung über Gesundheitsetat

Vor der Abstimmung über das Haushaltsgesetz 2010 hatte das Parlament noch über den Etat von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler debattiert. Der FDP-Minister hat in diesem Jahr rund 16 Milliarden Euro zur Verfügung. Damit steigt der Gesundheitshaushalt im Vergleich zum vergangenen Jahr um fast 39 Prozent. Das ist der prozentual höchste Anstieg aller Bundesetats.

Rösler verteidigte noch einmal die geplante Kopfpauschale. Die bisherige Kopplung an die Löhne treibe die Arbeitskosten nach oben und sei zudem extrem konjunkturabhängig. “Notreparaturen” reichten nicht mehr aus. Der FDP-Politiker räumte aber ein, dass das System “nicht von heute auf morgen” verbessert werden könne. Die Regierung werde “Schritt für Schritt” vorgehen.

Die Opposition übte erneut scharfe Kritik an der Kopfpauschale. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von der “Abrissbirne des bestehenden Sozialsystems”. Grünen-Fraktionsvize Fritz Kuhn nannte die Kopfpauschale einen “großen Haufen, der stinkt”.

Andere Einzeletats bereits beschlossen

Bereits in den vergangenen Tagen hatte der Bundestag die Etats der anderen Ministerien verabschiedet. Über den größten Haushalt verfügt das Ministerium für Arbeit und Soziales mit mehr als 146 Milliarden Euro, gefolgt vom Verteidigungsministerium mit 31 Milliarden Euro und dem Verkehrsministerium mit 26 Milliarden Euro. Den kleinsten Etat unter den Bundesministerien hat das Justizressort von Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Es kann über 489 Millionen Euro verfügen. Das sind rund elf Millionen weniger als 2009.

Kindler: Am 1. Mai auf die Straße – für Umwelt, Arbeit und Gerechtigkeit

Freitag, März 19th, 2010

Sven-Christian Kindler mit IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine

Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordneter aus Hannover, ruft zur Teilnahme an den traditionellen Sternmärschen der Gewerkschaften und der Kundgebung auf dem Klagesmarkt auf: “Gerade in der Krise brauchen wir starke Rechte für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es ist jetzt wichtig auf der Straße Druck zu machen für einen sozial-ökologischen Umbau.”

Kindler ist seit der Wahl 2009 Mitglied des Bundestages und macht sich dort im Haushaltsausschuss für Zukunftsinvestitionen in Umwelt, Bildung und soziale Gerechtigkeit stark. Der Grüne Bundestagsabgeordnete ist seit vielen Jahren Mitglied der IG Metall und wird sich am 1. Mai gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sowie Aktiven der Grünen Partei und Grünen Jugend in den Sternmarsch vom Freizeitheim Linden zum hannoverschen Klagesmarkt einreihen.

“WIR GEHEN VORAN! Gute Arbeit – Gerechte Löhne – Starker Sozialstaat”: Programm des DGB zum 1. Mai in Hannover

“Kopfpauschale ist Nonsens!”

Freitag, März 19th, 2010

“11 Jahre Opposition, liebe FDP, zwei politische Inhalte, Steuersenkung und Kopfpauschale, und keine Minute überlegt, ob diese beiden Konzepte überhaupt zusammengehen!” In seiner dritten Rede in der Haushaltswoche, widmet sich Sven-Christian Kindler, MdB, den Kopfpauschalenplänen der schwarz-gelben Koalition.

NWZ Inside: “Ich will die Welt verändern”

Freitag, Februar 26th, 2010

Titelstory in der Inside, dem Jugendmagazin der Nordwest-Zeitung, 26.02.2010.

Artikel als PDF lesen und runterladen.


“Für die Zukunft brauchen wir Gerechtigkeit” – Rede von Sven-Christian Kindler im Deutschen Bundestag

Freitag, Januar 22nd, 2010

Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren!

Es wird allgemein behauptet, Ursula von der Leyen habe als Familienministerin das Weltbild der Union verändert, die Union neu aufgestellt, die Union modernisiert. Man muss zugeben: Mit der Einführung des Elterngeldes ‑ dessen Bezug auch an Vätermonate geknüpft wurde ‑ und mit der Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter 3 Jahren ab 2013 hat die Union, gerade die konservative Union, eine gute Leistung erbracht. Das muss man lobend anerkennen.

(Ute Kumpf (SPD): Du bist falsch informiert! Das war die SPD!)

‑ Die SPD war beteiligt; aber die SPD war damals schon weiter als die Union.

Die Frage bleibt, ob die Union wirklich ihr gesellschaftliches Weltbild verändert hat. Schauen wir uns das an: Gleich nachdem der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter 3 Jahren festgeschrieben war, hat die CSU quergeschossen und gefordert, dass Eltern, die ihr Kind lieber zu Hause betreuen wollen, Geld dafür bekommen sollen, ein sogenanntes Betreuungsgeld.

(Beifall der Abg. Dorothee Bär (CDU/CSU))

Das war ein Fehler.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Der Streit geht in der neuen Koalition weiter. FDP und CSU streiten sich jetzt um die Frage „Gutscheine oder Barauszahlung“, obwohl dieser Streit nur davon ablenkt, dass das Betreuungsgeld an sich einfach widersinnig ist. Auf der einen Seite werden Betreuungseinrichtungen ausgebaut, was richtig ist, und auf der anderen Seite werden Anreize geschaffen, die neuen Kitas zu meiden und die Kinder eben nicht dorthin zu schicken. Wo ist denn da die Logik? Das ist doch abstrus.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ‑Dorothee Bär (CDU/CSU): Wahlfreiheit heißt das!)

Wichtig ist beim Ausbau der U-3-Betreuung, dass es nicht allein um die Betreuung geht, sondern vor allen Dingen um Bildung und Integration, damit alle Kinder gute Startchancen haben. Gerade die Kinder aus bildungsfernen Schichten brauchen Betreuung in gut ausgestatteten Kitas und Kinderbetreuungsstätten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

In Thüringen kann man heute schon sehen, was passiert, wenn ein Betreuungsgeld eingeführt wird. Kinder aus bildungsfernen Schichten wurden massenhaft von den Kitas abgemeldet. Frau Köhler, es ist jetzt an der Zeit, sich zu entscheiden und Stellung zu beziehen, in welche Richtung es gehen soll. Wollen wir vorwärts in eine moderne Zukunft mit gerechten Startchancen für alle Kinder, oder geht es mit der Herdprämie zurück in die Vergangenheit, wo Frauen dafür belohnt werden, keiner Erwerbsarbeit nachzugehen, und wo Kinder aus bildungsfernen Schichten dabei hinten runterfallen? Ich kann Ihnen nur raten, Frau Köhler, dieses Betreuungsgeld so schnell wie möglich zu entsorgen; es ist unsozial und integrationsfeindlich, und es fördert die Spaltung der Gesellschaft.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Das Betreuungsgeld ist auch keine Maßnahme, die wirklich Kinderarmut bekämpft. Das Thema Kinderarmut wird seit Jahren intensiv diskutiert. Geändert hat sich trotz vieler Absichtserklärungen leider nichts. Viel zu viele Kinder in unserer Gesellschaft sind weiterhin von Armut betroffen. Ein Viertel aller Kinder unter 15 Jahren, 26 Prozent, sind nach Daten des „Sozio-oekonomischen Panels“ in der Bundesrepublik vom Armutsrisiko betroffen. Das heißt, jedes vierte Kind in Deutschland ist von Armut bedroht. Es gibt verschiedene Untersuchungen, warum dies trotz der vielfältigen Leistungen für Familien so ist. Unter anderem erforscht das Kompetenzzentrum für familienbezogene Leistungen für das Familienministerium, welche Wirkungen auf Kinderarmut Leistungen wie Ehegattensplitting, Kinderzuschlag, Elterngeld und das Kindergeld haben. Anstatt jetzt aber einen Abschlussbericht durch dieses Kompetenzzentrum vorlegen zu lassen, wird dieser Expertenzirkel still und heimlich geschlossen und im Haushaltsentwurf für 2010 ein neues Kompetenzzentrum für nachhaltige Familienpolitik eingerichtet. Da drängt sich schon die Frage auf, ob das Ministerium gar kein Interesse daran hat, dass das alte Kompetenzzentrum einen Abschlussbericht vorlegt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN ‑ Miriam Gruß (FDP): Dass da die SPD mitklatscht, ist schon der Hammer!)

Wie wir alle wissen, haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Eigentlich wissen wir, worum es bei Kinderarmut geht. Ein Umsetzungsproblem haben wir zum Beispiel im Hinblick auf das Ehegattensplitting. Es ist offensichtlich, dass das Ehegattensplitting nicht der Förderung von Kindern dient. Insbesondere kinderlose Ehepaare profitieren von den steuerlichen Vorteilen, und gleichzeitig wird für Frauen ein Anreiz gesetzt, zu Hause zu bleiben und keiner Erwerbsarbeit nachzugehen.

(Ingrid Fischbach (CDU/CSU): Ich gebe Ihnen mal die Studie des DIW!)

Deswegen ist es jetzt an der Zeit, bei der steuerlichen Förderung von Familien nicht mehr die Ehe, sondern die Kinder in den Vordergrund zu stellen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Jetzt entgegnet die Bundesregierung natürlich: Wieso, wir haben doch die Leistungen für Kinder im Rahmen des „Schuldenbeschleunigungsgesetzes“ erhöht. Kinder in Gutverdienerfamilien bekommen wegen der Erhöhung des Freibetrages knapp 40 Euro, 20 Euro Kindergeld gibt es, wenn die Eltern durchschnittlich verdienen, und genau null Euro, nämlich gar nichts, überhaupt nichts, gibt es für die 1,8 Millionen Kinder, die in Hartz-IV-Familien leben. So bekämpft man keine Kinderarmut. Im Gegenteil, so vergrößert man die Spaltung und die Chancenungleichheit zwischen armen und reichen Kindern.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Die Entlastung für Besserverdienende, für Erben, für Unternehmen, für Mövenpick ist nicht nur unsozial, sondern sie vergrößert die sowieso schon hohen Defizite, die hohen Schulden in Bund, Ländern und Kommunen um weitere 8,5 Milliarden Euro. Mit 8,5 Milliarden Euro entlasten Sie im Wachstumsbeschleunigungsgesetz Ihre Klientel; aber dieses Geld fehlt an anderer Stelle. Es fehlt, um die notwendige Erhöhung der Kinderregelsätze zu finanzieren. Es fehlt beim Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gerade die öffentliche Daseinsvorsorge bei der Bildung, beim öffentlichen Nahverkehr, bei Büchereien und Kultureinrichtungen ist bei der Schaffung von Chancengleichheit und gerechten Perspektiven für Kinder und Jugendliche so entscheidend. Generationengerechte Politik würde hier wirklich Schwerpunkte setzen und neben massiven Investitionen in Klimaschutz auch Investitionen in die Kindergrundsicherung, Bildung und öffentliche Daseinsvorsorge tätigen. Das wäre generationengerecht, weil davon die jetzige und zukünftige Generationen profitieren würden.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Deswegen fordere ich Sie auf, Frau Köhler: Stoppen Sie diese teure Klientelpolitik, und setzen Sie sich für eine gerechte Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Ich will noch auf das Thema Generationengerechtigkeit eingehen. Generationengerechtigkeit heißt nicht, dass man junge Menschen gegen alte Menschen ausspielt, wie es leider von manchen jungen Liberalen oder jungen Konservativen gerne gemacht wird. Ich erinnere nur an die Debatte über künstliche Hüftgelenke.

(Widerspruch bei der CDU/CSU)

Generationengerechtigkeit muss auch immer Generationensolidarität sein. Gerade angesichts des demografischen Wandels brauchen wir Antworten darauf, wie wir solidarisch zusammen in einer Gesellschaft leben wollen, die schrumpft und die älter, bunter und vielfältiger wird. Deswegen sollten sich alte und junge Menschen gemeinsam für einen guten ÖPNV, mehr und bessere Jugendzentren, Bibliotheken, Sportvereine und kulturelle Initiativen einsetzen. Gerade junge und alte Menschen sind besonders auf eine wohnortnahe Infrastruktur angewiesen.

Doch alle diese Angebote müssen wahrscheinlich wegen der schlimmen Kassenlage der Kommunen, die durch das Schuldenbeschleunigungsgesetz noch verstärkt wird, gekürzt werden oder wegfallen. Das ist nicht nur im Hinblick auf Kinder- oder Altersarmut fatal. Es ist auch katastrophal für das Engagement gegen Rechtsextremismus; denn Rechtsextreme stoßen gezielt in diese Lücke vor mit Angeboten für Jugendliche, die auf der Suche nach Orientierung sind. So gibt es Konzerte mit rechter Musik, oder man kann Fußball spielen, zusammen etwas unternehmen.

(Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Aber die Linksextremisten sind schon im Bundestag! Da sollten Sie sich mal was einfallen lassen! Das ist die Wahrheit! Die gehören aus dem Bundestag heraus! – Gegenruf der Abg. Monika Lazar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist jetzt aber kein Thema!)

Das ist eine perfide, aber leider zum Teil auch erfolgreiche Strategie, weil die Kommunen entsprechende Angebote kürzen oder einstellen. Wir dürfen dazu nicht schweigen oder wegschauen; wir müssen das unterbinden. Wir müssen die Kommunen mit den notwendigen finanziellen Mitteln für den Kampf gegen Rechtsextremismus ausstatten. Insbesondere die zivilgesellschaftlichen Organisationen brauchen eine verlässliche Unterstützung beim Kampf gegen Nazis.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Am Montag hat Ministerin Köhler im Ausschuss angekündigt, dass sie die Bundesmittel für den Kampf gegen Rechtsextremismus auf alle Extremismusformen ausweiten will; Kollege Bockhahn hat das bereits angesprochen. Am Dienstag, also nur einen Tag später, zauberte sie dann plötzlich 2 Millionen Euro zusätzlich gegen Linksextremismus und Islamismus aus dem Hut.

(Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Das muss auch sein!)

Ich frage mich schon: Was, bitte schön, ist Ihr Plan? Wo ist das Geld im Haushalt veranschlagt? Frau Köhler, erklären Sie uns bitte nachvollziehbar und haushaltstechnisch korrekt, woher dieses Geld kommen soll.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Die größte Bedrohung für unsere demokratische Gesellschaft sind nicht linksradikale Gruppen, sondern extrem rechte und menschenfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft.

(Georg Schirmbeck (CDU/CSU): Wer hat Ihnen das aufgeschrieben?)

Allein 2009 gab es über 20 000 von Rechtsextremen begangene Straftaten. Immer wieder werden Menschen von Nazis schwer verletzt oder sogar getötet. Seit der Wende wurden 140 Menschen von Rechtsextremen ermordet. In wenigen Wochen, am 13. Februar, wollen in Dresden wieder viele Tausend Nazis ‑ das ist der größte Naziaufmarsch in Europa ‑ aufmarschieren. Sie werden dabei die Shoa relativieren und deutsche Täter zu Opfern machen. Es ist wichtig, am 13. Februar auf die Straße zu gehen, um den Naziaufmarsch friedlich zu blockieren.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Das ist das Problem bei dieser Extremismusdebatte: Jede Gleichsetzung des Rechtsextremismus mit anderen Extremismusformen verharmlost die Gewalt und die mörderische Ideologie von Nazis. Die Mittel für Programme gegen Rechtsextremismus und für Vielfalt, Toleranz und Demokratie müssen erhöht werden. Gerade in Problemregionen brauchen wir dringend mehr demokratisch angelegte Angebote als bisher. Ihre Scheindebatten, Frau Köhler, um einen angeblich bedrohlichen Linksextremismus lenken leider in unverantwortlicher Weise davon ab, dass das Problem in Deutschland die Nazis sind.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Weil es um eine gerechte Zukunft geht, müssen wir jetzt die Weichen richtig stellen und massiv in Infrastruktur investieren, sodass alle Kinder gute Startchancen bekommen. Wir müssen in die Infrastruktur investieren, damit die Daseinsvorsorge für alle Generationen gesichert ist und der Kampf gegen Rechtsextremismus erfolgreich geführt werden kann. Für die Zukunft brauchen wir Gerechtigkeit.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Die ganze Rede in pdf

“Für die Zukunft brauchen wir Gerechtigkeit” – Rede von Sven-Christian Kindler im Deutschen Bundestag

Donnerstag, Januar 21st, 2010