Archive for the ‘Grüne Haushaltspolitik’ Category

Neue Presse: Grüner sauer auf die FDP

Dienstag, September 7th, 2010
HANNOVER. Ungewöhnlich scharf reagiert Sven-Christian Kindler, Bundestagsabgeordneter der Grünen, auf Äußerungen der FDP-Haushaltspolitikerin Claudia Winterstein. Sie hatte in der NP die Finanzpolitik der Stadt angegriffen.
„Es ist unverschämt, dass Frau Winterstein in Berlin an einer Steuerpolitik mitwirkt, die den Kommunen die Luft zum Atmen nimmt, und sich dann abfällig über Konsolidierungsanstrengungen äußert“, findet Kindler. Er wirft ihr „neoliberalen Privatisierungswahn“ vor.
07.09.2010 / NP Seite 5 Ressort: LOKA

Tageblatt: Finanzkrise ist auch eine Verteilungskrise. Grüner Haushaltsexperte referierte in Buxtehude

Freitag, August 27th, 2010

Der Artikel ist erschinenen im Tageblatt, am 27. August 2010

BUXTEHUDE. Er ist der zweitjüngste Bundestagsabgeordnete. Bei den Grünen zeichnet der 25-jährige Hannoveraner Sven-Christian Kindler für den Grünen Sanierungsplan verantwortlich. Der gelernte Betriebswirt sagt: “Die Finanzkrise ist auch eine Folge der Verteilungskrise”. Am Donnerstagabend trug Kindler in Buxtehude das grüne Konzept zur Bewältigung von Finanz- und Haushaltskrise vor.

Nur rund ein Dutzend Interessierte waren ins Brauhaus gekommen, um zu hören, dass Kindler ähnlich wie bei der Wirtschaftskrise in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts die ungleiche Verteilung der Einkommen und Vermögen mitverantwortlich macht für die aktuelle Krise. Damals wie heute hätten rund zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als 60 Prozent des Nettovermögens verfügt. Tendenz in Deutschland: steigend. Das Problem sei, dass das Vermögen in der Hand Weniger im Land den Binnenkonsum nicht anrege. Das wiederum führe dazu, dass Deutschland vom Export lebe und Länder wie Griechenland ihre Importe unter anderem bei Deutschen Banken finanzieren müssen. Kindler: “Auch unser Export ist so kreditfinanziert”. Die schwarz-gelbe Bundesregierung verschärfe die ungleiche Einkommensverteilung im Land mit ihrem Sparpaket noch: Rund zwei Drittel der Kürzungen gingen zu Lasten sozial Schwacher.
Dagegen fordern die Grünen, die Lasten gerecht zu verteilen. Das heiße sparen, wo Ausgaben ineffizient, nicht ökologisch oder unsozial sind wie bei der Pendlerpauschale oder der Riesterrente, die vor allem Reiche begünstige. Aber es heiße vor allem, die Einnahmen erhöhen. Kindler nennt zahlreiche Beispiele. So sei der Anteil der Ökosteuern inzwischen wieder auf dem Niveau von 1998, weil die Steuern mengenbezogen sind und keinen Inflationsausgleich beinhalten. Ein effektiverer Steuervollzug könnte allein zehn Milliarden Euro pro Jahr bringen, das Anheben der Vermögensbesteuerung auf OECD-Niveau bereits 25 Milliarden. Der Spitzensteuersatz müsse steigen, aber auch der gesamte Einkommenssteuertarif dürfe kein Tabu sein. Sonst, so Kindler, drohe eine Demokratiekrise.

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Wider die Extremismustheorie – Für ein Bundesprogramm gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Freitag, Juli 9th, 2010

Positionspapier von

  • Astrid Rothe-Beinlich MdL, Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
  • Monika Lazar MdB, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus
  • Sven-Christian Kindler MdB, Haushaltsberichterstatter für die Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus

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Die Debatte um den „Linksextremismus“ ist neu entbrannt. Anfang dieses Jahres verkündete Ministerin Schröder, dass ihr Ministerium zusätzlich zu den Programmen gegen Rechtsextremismus nun auch Programme gegen „Linksextremismus“ und „Islamismus“ fördern will. Schon 2010 sollen ungefähr 2 Mio. Euro in diese Projekte fließen. Im kommenden Jahr soll dann die Förderung aller Bundesprogramme neu strukturiert werden. Das Ministerium plant neuesten Informationen zufolge eine Zusammenlegung der bisherigen beiden Programme „Vielfalt tut gut“ (19 Mio. Euro) und „kompetent. für Demokratie“ (5 Mio. Euro) gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. in einem Haushaltstitel. Ebenfalls in diesem „Sammelprogramm“ sollen weitere 5 Mio. Euro gegen „Linksextremismus“ und „Islamismus“ enthalten sein. Von den 2 Mio. Euro, die Ministerin Schröder Anfang des Jahres mit viel Tamtam aus dem Hut gezaubert hat, werden dieses Jahr allerdings nur 400.000 Euro aus Mangel an brauchbaren Projekten in Programme fließen.

Gegen jede Gleichsetzungslogik

Der Streit in der Politikwissenschaft und den Feuilletons um den sogenannten Extremismusansatz, vor dessen Hintergrund sich nun auch die aktuelle Debatte um die Neuordnung der Bundesprogramme abspielt, ist hingegen nicht neu. Seit Jahren hält sich die Vorstellung von der „Mitte der Gesellschaft“ und deren extremen Rändern sehr hartnäckig in der Diskussion. Der Gehalt des abstrakten Extremismusbegriffs bleibt hingegen fragwürdig. Einerseits gibt es bis heute keine stichhaltige Definition, was eigentlich Extremismus ist oder wann ein Mensch extremistisch handelt. Zum anderen impliziert dieser Ansatz, dass „Linksextremismus“ und „Rechtsextremismus“ zwei sich vom Grunde her ähnliche politische Bewegungen seien, die zum Ziel hätten, die Demokratie und Menschenrechte abzuschaffen.

Dass allerdings die Ablehnung von Menschenrechten und demokratischen Überzeugungen keine linken Grundideen sind, sie jedoch zum Standardprogramm aller nationalistischen und rassistischen Gruppen gehören, wird dabei genauso übersehen, wie die Tatsache, dass es seit der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR 1989 zwar fast 150 Todesopfer durch Neonazis gab, jedoch kein einziges durch „linke“ Gewalt registriert worden ist. Eine Gleichsetzung führt folglich schnell in eine argumentative Sackgasse. Der Gegenentwurf zum „Rechtsextremismus“ ist folglich nicht der „Linksextremismus“, sondern – wenn überhaupt – sind dies Demokratie und Menschrechte.

Die Konsequenzen der fatalen Gleichsetzungslogik von Rechts- und Linksextremismus bekommen die Initiativen und Bündnisse vor Ort zu spüren, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus oder andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit organisieren. Nicht selten werden sie als „linksextrem“ eingeordnet und damit automatisch als Verfassungsfeinde gebrandmarkt. Der Vorstoß von Ministerin Schröder, nun alle Projekte, die zukünftig Geld aus den Programmen gegen Rechtsextremismus bekommen sollen, durch den Verfassungsschutz kontrollieren zu lassen, bedient genau diese Klischees und diskriminiert zugleich zivilgesellschaftliches Engagement. Mittlerweile ist der  Vorschlag zwar wieder vom Tisch, es bleibt jedoch der Eindruck, dass die derzeitige Bundesregierung zivilgesellschaftliche Akteure in diesem Bereich als Störenfriede sieht. Indem man Initiativen, die sich gegen Neonazis und ihre menschenverachtende Ideologie engagieren, unter Generalverdacht stellt, diffamiert man ihre Arbeit und stellt sie de facto in eine Ecke mit Neonazis.

Die von der schwarz-gelben Koalition nun angestoßene Debatte bedient sich genau dieser Gleichsetzungslogik. „Links- und Rechtsextremismus“ seien demzufolge zwei Seiten einer Medaille, die sich qualitativ und quantitativ kaum voneinander unterscheiden. Beides seien antidemokratische Randphänomene, deren Anhängerschaft häufig Gewalt gegen Menschen und Sachen als ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung ansähen. Staatliche Förderung müsse daher im gleichen Maße in die Bekämpfung dieser die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung bedrohenden, extremen Strömungen fließen.

Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ist nicht akzeptabel. Deshalb sind Gewalttaten am Rande von Demonstrationen oder Brandanschläge gegen Autos in deutschen Großstädten nicht hinnehmbar. Allerdings ist über die Hintergründe und die Motive der TäterInnen nur sehr wenig bekannt. Ein Programm gegen „Linksextremismus“ stößt hier schnell an seine Grenzen. In der von Ministerin Schröder nun angesetzten Pilotphase wurden zwei Jugendbegegnungsstätten als Projektträger ausgewählt, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte befasst haben. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings erscheint der Zusammenhang zu gewalttätigen DemonstrantInnen und brennenden Autos konstruiert. Es ist daher sehr fraglich, ob der blinde Aktionismus der Ministerin den tatsächlichen Realitäten gerecht werden kann.

Demokratie- und Menschenfeindlichkeit sind keine Randphänomene

Die Gleichsetzungslogik von Rechts- und Linksextremismus ist inhaltlich nicht haltbar und übersieht, dass menschenverachtende und antidemokratische Einstellungen ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellen, das nicht nur an den vermeintlichen „Rändern“ unserer Gesellschaft auftritt. Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gehören zwar zum Grundrepertoire der sogenannten „rechtsextremen“ Szene, sie sind jedoch nicht ihr Alleinstellungsmerkmal. Die alltägliche Diskriminierung von Menschen, die nicht einer vermeintlichen Norm entsprechen, ist nach wie vor fest in unserer Gesellschaft verankert, wie wissenschaftliche Studien immer wieder bestätigen Auf Homophobie trifft man auch in gewöhnlichen Sportvereinen und sogar auf manchen Reggae-Konzerten. Antisemitismus ist kein ausschließliches Problem von Neonazis, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft und in bestimmten linken Kreisen verbreitet. Sexismus begegnet uns tagtäglich in den Medien, im Alltag und in der Werbung. Elemente von Ungleichheitsideologien treten bei sehr vielen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, Berufsstand, ihrer Parteipräferenz, ihrem Alter und ihrem Bildungsniveau auf. Sollte es nicht gelingen, solche Einstellung überall in unserer Gesellschaft zurück zu drängen, ist die Bekämpfung des „harten Kerns“ nahezu aussichtslos.

Wer schweigt, schlägt mit zu

Wenn Neonazis zuschlagen, dann tun sie dies häufig auch in dem Bewusstsein, dass zumindest ein Teil der Gesellschaft ihrem Handeln heimlich zustimmt oder es schweigend billigt. Es sind aber gerade diese vielfältigen Formen der Diskriminierung unterhalb der Ebene der körperlichen Gewalt, die durch die Fokussierung auf den Extremismusansatz aus dem Blick geraten. Es ist daher Zeit, das Kind beim Namen zu nennen und nicht in nebulöse Worthülsen zu verpacken. Links- und Rechtsextremismus sind schon längst zu politischen Kampfbegriffen geworden, deren inhaltliche Substanz häufig im Dunklen bleibt. Deshalb sollten wir sehr offen fragen, ob diese Begriffe vor dem Hintergrund des inhaltsleeren Extremismusbegriffs noch eine adäquate Grundlage bieten, um realistisch gesellschaftliche Problemlagen beschreiben zu können und ob sie eine Antwort auf die nach wie vor existierende Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft bieten.

Aus unserer Sicht ist die Diskussion um „Extremismus“-Theorien unfruchtbar und lenkt von den eigentlichen Problemen und Aufgaben ab, die angegangen werden müssen. Viele Projekte und Initiativen arbeiten heute bereits sehr spezifisch gegen bestimmte Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, im Bereich der Demokratiebildung oder machen klassische Jugendarbeit. Beratungsstellen helfen denjenigen, die Opfer von rassistischen oder menschenfeindlichen Überfällen bzw. von Diskriminierung wurden. Es ist das Verdienst der von Rot-Grün gegründeten Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, dass hier in den letzten Jahrzehnten sehr viel Expertise gewonnen werden konnte. Diese wichtige Arbeit kommt aber auch sehr gut ohne einen pseudowissenschaftlichen Extremismusansatz aus. Die Initiativen brauchen vor allem eines: eine verlässliche Finanzierung.

Statt sich noch länger an der Extremismustheorie abzuarbeiten, wäre es angebracht, diesen Projekten und Initiativen mehr öffentliche Akzeptanz und Anerkennung zukommen zu lassen. Teilweise führt inzwischen der herrschende Diskurs nämlich dazu, dass sich die Initiativen gezwungen sehen, den inhaltslosen Begriff des „Extremismus“ zu übernehmen, um nicht unter Verdacht zu geraten, selbst zu weit „links“ zu stehen. Dies ist aus der Perspektive der zivilgesellschaftlichen Akteure nur folgerichtig, denn mit der Übernahme der Begrifflichkeiten durch die Initiativen wird das Vokabular und die Logik der Förderprogramme reproduziert, von denen die eigene Arbeit finanziell schließlich abhängig ist.

Die Gleichsetzungslogik entwickelt jedoch eine Dynamik, die ein fehlgeleitetes Demokratieverständnis befördert. Es ist absurd, breite gesellschaftliche Bündnisse nur dann schmieden zu können und finanzielle Unterstützung nur dann zu erhalten, wenn sich Initiativen völlig abstrakt gegen „Extremismus und Gewalt“ wenden. Stattdessen sollten alle demokratischen Kräfte unterstützt werden, die sich beispielsweise konkret für Opfer von Gewalt, gegen den organisierten Rechtsextremismus sowie gegen rassistische Diskriminierung in Behörden, nationalistische Parolen im Stadtrat oder gegen sexistische und homophobe Sprüche in Vereinen engagieren.

Für ein Bundesprogramm gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Wir fordern daher die Umsetzung eines Bundesprogramms gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Im Mittelpunkt des Programms soll die Unterstützung von Projekten gegen Rassismus,  Antisemitismus, Homophobie, Sexismus und die Abwertung von obdachlosen und beeinträchtigen Menschen stehen. Hier müssen verstärkt Anstrengungen unternommen werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass Projekte und Initiativen, die sich direkt mit der Bekämpfung der rechtsextremen Szene auseinandersetzen, wie zum Beispiel Opferberatungen und AussteigerInnen-Programme, weiterhin eine verlässliche Finanzierung erhalten.

Dieses neue Bundesprogramm muss die gewonnenen Erfahrungen verstetigen und den Initiativen eine verlässliche Dauerförderung garantieren. Zudem müssen zivilgesellschaftliche Initiativen über die bisherigen Möglichkeiten hinausgehende Antragsstellungsrechte gewährt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Kampf gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus auch in solchen Gemeinden erfolgreich geführt werden kann, wo sich die Verantwortungstragenden sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen oder ein entsprechendes Engagement sogar aktiv ablehnen.

Dieses Programm muss sich gegen die Diskriminierung von Menschen richten, die nicht einer vermeintlichen gesellschaftlichen Norm entsprechen. Eine nachhaltige und durchgreifende Präventionsstrategie gegen Alltagsdiskriminierung wie auch gegen gewaltförmige Übergriffe kommt sehr gut ohne den Extremismusansatz aus. Für die praktische Arbeit ist er sogar kontraproduktiv, da er existierende Problemlagen verschleiert und tendenziell neo-nazistische Gewalt verharmlost. Durch einen Programmfokus auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit kann der Tendenz entgegen gewirkt werden, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus und Sozialdarwinismus als Randphänomene zu definieren und damit die so genannte Mitte der Gesellschaft aus der Verantwortung für bestehende Missstände zu entlassen. Gleichzeitig macht dieser Fokus deutlich, dass die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als zentrales, aber nicht ausschließliches Element rechtsextremer Ideologie jenes Abgrenzungsmerkmal zu einem vermeintlichen „Linksextremismus“ bildet, welches eine Gleichsetzung „extremer Ränder“ ad absurdum führt und somit verbietet.

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dpa: Fördersperre für Öko-Heizung aufgehoben – Gelder sinken

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Wer Öko-Heizungen einbauen will, kann wieder mit Geld vom Staat rechnen. Allerdings wird es in den kommenden Jahren weniger Fördermittel geben.

Berlin (dpa) – Die Sperrung von 115 Millionen Euro Fördermitteln für Öko-Heizungen ist wieder aufgehoben. Der Haushaltsausschuss des Bundestags gab das Geld am Mittwoch in Berlin frei und machte die Sperre von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Zuge des Sparkurses rückgängig. Die Fördermittel werden aber gekürzt: Die Hilfe konzentriert sich nach Angaben des Umweltministeriums künftig auf die Umrüstung besonders innovativer Solarkollektoren sowie Pelletkessel und Wärmepumpen.

Das Anreizprogramm umfasste in diesem Jahr 448 Millionen Euro, darin sind 68 Millionen für die nationale Klimaschutzinitiative enthalten. Die Mittel sollen nach Angaben der Grünen-Fraktion im nächsten Jahr auf 380 Millionen Euro und bis 2014 auf 340 Millionen Euro sinken.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte: «Mit dem Fördervolumen von 380 Millionen werden in diesem Jahr rund 2,8 Milliarden Euro an Investitionen ausgelöst», sagte Röttgen. «Das hilft dem lokalen Handwerk ebenso wie der mittelständisch geprägten Industrie im Wärmesektor.»

Finanzielle Förderung gibt es weiter etwa für Solarkollektoren für Warmwasser und Heizung, Pelletkessel und sparsame Wärmepumpen. Die Förderung fällt weg für Anlagen im Neubau, weil es hierbei ohnehin eine Pflicht zur Nutzung nach dem Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetz gibt. Auch etablierte Technologien wie Solarkollektoren zur reinen Trinkwassererwärmung oder luftgeführte Pelletöfen und Scheitholzvergaserkessel sollen nach Ministeriumsangaben nicht mehr unterstützt werden. Die Regelungen gelten zunächst bis Ende 2011.

Alle rund 20 000 Förderanträge, die bis zum Programmstopp am 3. Mai beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingingen, werden in voller Höhe nach alten Konditionen berücksichtigt. Anträge nach dem 3. Mai können nur nach der neuen Regelung gestellt werden.

Das Anreizprogramm ist die wichtigste Investitionsförderung für das Heizen mit Öko-Energien. Es ist beliebt: Von Januar bis April wurden nach Ministeriumsangaben 82 000 Förderanträge bewilligt. Nicht betroffen von der zwischenzeitlichen Sperre war die Förderung großer Anlagen zur Wärmeerzeugung über die KfW-Bankengruppe. Weiter ausgesetzt bleibt das Förderprogramm für kleine Anlagen der kombinierten Kraft-Wärme-Kopplung, weil die Mittel vergeben sind.

Die Energieversorger sprachen angesichts der Freigabe der Mittel von einem richtigen Zeichen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisierte aber die Kürzung in den nächsten Jahren. «Jeder Euro, der aus dem Marktanreizprogramm eingesetzt wird, löst private Investitionen in achtfacher Höhe aus», sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Hildegard Müller. Der Bundesverband Erneuerbare Energie forderte eine verlässliche Förderung. Er schlug eine Prämie für Öko-Wärme vor, die unabhängig vom Bundeshaushalt ist.

Der Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler sagte: «Nach einem halben Jahr schwarz-gelbem Chaos geht es einen Schritt vor und zwei Schritte zurück.» Der Haushaltsexperte Norbert Barthle (CDU) sagte dagegen, die Entscheidung sei positiv für den Mittelstand.

SZ: Zurück auf Start. Die Regierung gibt gesperrte Millionen für den Klimaschutz frei. Hausbesitzer hoffen auf viel Geld, Opposition wittert eine Flinte

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Artikel erschienen in der Süddeutschen Zeitung, am 7. Juli 2010

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ddp: Haushaltsausschuss gibt 115 Millionen für erneuerbare Energien frei

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Berlin/Osnabrück (ddp)

Der Haushaltsausschuss des Bundestages will an diesem Mittwoch 115 Millionen Euro zur Förderung erneuerbarer Energien freigeben. Das Finanzministerium beabsichtigt die Aufhebung der Haushaltssperre und hat den Haushaltsausschuss des Bundestags um Einwilligung gebeten. Erwartet wird, dass die Haushälter dem Ansinnen zustimmen werden. Die Mittel waren am 4. März 2010 zunächst gesperrt worden; Anfang Mai musste das Bundesumweltministerium daher einen Förderstopp für Förderprogramme im Bereich des Klimaschutzes verhängen.

Begründet wurde die Haushaltssperre mit dem sinkenden Erlös aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten. Diese lägen zwar auch derzeit «noch deutlich unter den Erwartungen», heißt es in einer Vorlage des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Steffen Kampeter (CDU) an den Haushaltsausschuss, die der Nachrichtenagentur ddp vorliegt.

Gleichzeitig zeige sich aber, «dass sich Investoren und Anbieter im Bereich des Wärmemarktes kurzfristig nur eingeschränkt einem geringeren Fördervolumen anpassen können». Das Finanzministerium plädiert für strukturelle Anpassungen des Marktanreizprogramms, um ab 2011 mit weniger Mitteln auszukommen.

CDU-Haushaltsexperte Georg Schirmbeck begrüßte in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» die Freigabe der Mittel. Beharrlicher Einsatz im Haushaltsausschuss sei damit von Erfolg gekrönt. Allein im laufenden Haushaltsjahr 2010 würden damit insgesamt 448,3 Millionen Euro für Marktanreize im Bereich erneuerbarer Energien ausgegeben.

Die Grünen warfen der Koalition vor, selbst für die Verzögerung verantwortlich zu sein. «Wir haben monatelang Druck gemacht, dass die Mittel entsperrt werden», sagte der Haushaltsexperte der Grünen, Sven-Christian Kindler am Mittwoch in Berlin. Die Koalition habe das Ansinnen aber immer wieder vertagt. Erst der Druck von Verbänden und der Opposition habe dazu geführt, dass die Mittel nun entsperrt werden sollten. Dass dies so lange gedauert habe, zeige, dass die Koalition sich in wichtigen Punkten nicht einigen könne. Kindler kritisierte zudem, dass die Fördermittel in den kommenden Jahren deutlich reduziert werden sollten.

TAZ: Mini-Kompromiss beim Solarstrom

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Artikel erschienen TAZ, am 7. Juli 2010

ENERGIE: Vermittlungsausschuss verschiebt einen Teil der vom Bundestag beschlossenen Solarkürzungen auf Oktober. Bei Ökoheizungen werden gesperrte Mittel freigegeben, aber im nächsten Jahr reduziert

Die Pläne der schwarz-gelben Koalition zur Kürzung der Solarförderung werden trotz des Widerstands im Bundesrat wohl ohne große Änderungen umgesetzt. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beschloss am Montagabend gegen die Stimmen der SPD-geführten Länder nur leichte Abweichungen von dem Vorhaben. So sollen alle ab Juli geplanten Kürzungen um 3 Prozentpunkte geringer ausfallen als geplant; für Dachanlagen etwa sinken die Einspeisetarife statt um 16 um 13 Prozent. Zum 1. Oktober soll dann eine weitere Kürzung um 3 Prozent erfolgen; ob sich diese auf den ursprünglichen Betrag bezieht oder auf den bereits gekürzten – was im Ergebnis eine etwas geringere Gesamtkürzung bedeuten würde -, blieb zunächst unklar. Keine Veränderung gab es bei dem umstrittenen Plan, Solaranlagen auf Ackerflächen künftig nicht mehr zu fördern. Dies war auch vom CSU-regierten Bayern kritisiert worden.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) begrüßte die Einigung als wichtiges “Signal für Investoren, Unternehmer und Verbraucher”. FDP-Energieexperte Michael Kauch betonte, die zeitliche Streckung der Kürzung bringe “eine weichere Landung für die Branche”. Die Opposition, die geringere Kürzungen durchsetzen wollte, übte hingegen scharfe Kritik. Die Entscheidung, die “drastischen Kürzungen” lediglich um drei Monate aufzuschieben, sei ein “Rückschlag für die deutsche Solarwirtschaft”, sagte SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann. Bundestag und Bundesrat werden das Ergebnis voraussichtlich noch in dieser Woche bestätigen.

Eine Einigung gibt es auch bei einem anderen energiepolitischen Streit: Die gesperrten Gelder, mit denen umweltfreundliche Heizungen mit Biomasse, Solarthermie oder Kraft-Wärme-Kopplung gefördert werden, sollen an diesem Mittwoch im Haushaltsausschuss freigegeben werden. Zugleich wurde aber bekannt, dass die Mittel für das erfolgreiche Programm im nächsten Jahr um 15 Prozent gekürzt werden sollen. Der Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler kritisierte, damit gefährde die Regierung Klimaschutzziele, Arbeitsplätze und gesunde Staatsfinanzen.

Klimaretter.Info: Geld für Öko-Heizungen fließt wieder

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Artikel erschienen auf Klimaretter.Info, am 7. Juli 2010

Der Haushaltsausschuss des Bundestags gibt die Gelder zur Förderung umweltfreundlicher Heizanlagen wieder frei. Gleichzeitig kündigt das Finanzministerium weitere Kürzungen in den nächsten Jahren an. Die Öko-Branche fordert daher eine neue “Erneuerbare-Wärme-Prämie”, die unabhängig vom Bundeshaushalt funktionieren soll. Zahlen müsste dabei die fossile Industrie.

Aus Berlin Felix Werdermann

Die Haushaltspolitiker des Bundestags haben es innerhalb weniger Minuten abgehandelt, am Ende der Tagesordnung. Den Vertretern der Erneuerbaren-Energien-Branche dürfte jedoch ein Stein vom Herzen gefallen sein. Es ist es eine lang ersehnte Entscheidung, endlich kann die Öko-Industrie wieder aufatmen. Zumindest was den Wärmebereich angeht. Dort wurden heute die Haushaltssperre über das sogenannte Marktanreizprogramm aufgehoben. Mit diesem Instrument werden umweltfreundliche Heizanlagen gefördert, unter anderem werden Zuschüsse für Investitionen in Sonnenkollektoren, Biomasseheizungen und Wärmepumpen vergeben.

Im März wurden 115 Millionen auf Grund der unsicheren Haushaltslage vorläufig gesperrt. Statt der vorgesehenen 291,3 Millionen standen damit nur noch 176,3 Millionen Euro zur Verfügung – im letzten Jahr gab es mit 374,3 Millionen noch mehr als doppelt so viel Geld. Inzwischen ist das Geld aufgebraucht, Anträge auf Zuschüsse werden nicht mehr bewilligt, die Industrie ist verunsichert. Nun hat das Finanzministerium endlich nachgegeben und die Freigabe der Gelder beantragt. Der Haushaltsausschuss hat dem heute einstimmig zugestimmt.

Anträge ab Montag möglich – aber unter neuen Bedingungen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) begrüßt die Entscheidung als „klares Bekenntnis zum ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien”. Ab kommenden Montag können wieder Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden – allerdings an Hand neuer Kriterien, die bis Ende nächsten Jahres gelten sollen. Demnach werde die Mittelvergabe “auf die innovativsten Technologien konzentriert”, heißt es vom Ministerium.

Dazu zählen unter anderem Wärmepumpen, Pelletkessel sowie Solarkollektoren zur kombinierten Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung. Nicht mehr gefördert werden Anlagen in Neubauten, da hier eine bundesweite Nutzungspflicht nach dem Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetz bestehe. Für Solarkollektoren zur reinen Trinkwassererwärmung, luftgeführte Pelletöfen, Scheitholzvergaserkessel und weniger effizienter Wärmepumpen gibt es ebenfalls kein Geld mehr.

Die rund 20.000 Anträge, die vor dem offiziellen Programm am 3. Mai eingegangen sind, werden noch nach den alten Richtlinien bearbeitet. Wer sich danach um einen Zuschuss bemüht hat, kann ihn nun erneut beantragen – unter den neuen Förderbedingungen. Dazu sollen etwa 9.000 Antragssteller angeschrieben werden.

Weitere Kürzungen in den nächsten Jahren

Gleichzeitig bahnt sich schon der nächste Streit an, denn in dem Antrag des Finanzministeriums werden bereits Kürzungen für die nächsten Jahre angekündigt: Im kommenden Jahr soll der Haushaltsposten, aus dem das Marktanreizprogramm gespeist wird, statt derzeit knapp 450 Millionen nur noch 380 Millionen Euro erhalten – eine Kürzung von etwa 15 Prozent. Bis 2014 soll die Förderung auf 340 Millionen Euro zurückgefahren werden, heißt es in dem Papier des Finanzministeriums.

Für den grünen Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler ist das inakzeptabel: „Die Klimaschutzziele, tausende Arbeitsplätze und gesunde Staatsfinanzen werden von der schwarz-gelben Koalition mutwillig gefährdet.” Schließlich löse jeder Fördereuro private Investitionen von rund sieben Euro aus, durch höhere Steuereinnahmen rentiere sich das Programm für den Staat. Eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) ist vor kurzem zu demselben Ergebnis gekommen.

Erneuerbare-Wärme-Prämie soll verlässlich fördern – unabhängig von Haushaltslage

Auch die Erneuerbaren-Industrie ist über die Ankündigung neuer Kürzungen verärgert und fordert von der Bundesregierung nach dem „ewigen Stop-and-go” eine verlässliche Förderpolitik. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat daher heute eine sogenannte Erneuerbare-Wärme-Prämie vorgeschlagen, die spätestens 2012 eingeführt werden solle. Sie soll ähnlich wie die Einspeisevergütung für regenerativen Strom funktionieren und hätte damit den Vorteil, dass sie auch in Zeiten knapper Haushalte gezahlt würde.

„Im Kern geht es darum, dass der Wärmesektor seinen Umbau zu erneuerbaren Energien selbst finanziert”, sagt BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann. Dazu müssten Importeure von Öl und Gas eine Prämie zahlen, insgesamt eine Milliarde Euro pro Jahr soll so zusammenkommen. Eine nichtstaatliche Verrechnungsstelle leitet das Geld an die Betreiber klimafreundlicher Heizungen weiter. Der BEE geht davon aus, dass eine Kilowattstunde Wärme dadurch um maximal 0,1 Cent teurer wird, der durchschnittliche Ein-Familien-Haushalt müsse so im Jahr 14 Euro mehr zahlen.

BEE: Ausbauziele nur mit neuer Prämie erreichbar

Für den Klimaschutz würde sich die Prämie auszahlen: Der BEE geht davon aus, dass ohne die neue Prämie das Ausbauziel für erneuerbare Wärme verfehlt werde. Die Bundesregierung möchte den Anteil erneuerbarer Energien im Wärmebereich bis zum Jahr 2020 von derzeit 8,4 auf 14 Prozent erhöhen. Der BEE hält sogar 25 Prozent für möglich – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Erneuerbare-Wärme-Prämie hätte aus Sicht der Öko-Industrie weitere Vorteile: Die Förderung sei über mehrere Jahre gesichert und müsse nicht jedes Jahr neu verhandelt werden. Das brächte Planungssicherheit für die Hersteller. Außerdem könne „technologiespezifisch” gefördert werden. Ansonsten hätten teurere Techniken keine Chance auf Entwicklung, bei günstigeren Techniken könne es zu Mitnahmeeffekten kommen.

Wie beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz wird auch die Förderhöhe bei der Erneuerbare-Wärme-Prämie schrittweise gesenkt. Allerdings gibt es nicht wie beim Strom eine feste Einspeisevergütung, sondern einen einmaligen Zuschuss für die Investition.

Mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs fällt im Wärmesektor an. Gleichzeitig liegt der Anteil erneuerbarer Wärmeerzeugung mit 8,4 Prozent deutlich unter demm Anteil erneuerbarer Stromproduktion von 16,1 Prozent.

Das einseitig unsoziale Sparpaket – Rede von Sven-Christian Kindler zur Haushaltspolitik

Freitag, Juli 2nd, 2010

In seiner Rede Rede vom 01. Juli 2010 zum TOP Haushaltspolitik im Deutschen Bundestag kritisiert Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN) das Sparpaket der schwarz-gelben Koalition.

Quelle: Deutscher Bundestag

Grüne: Die Wohlfühlpartei

Montag, Juni 28th, 2010

erschienen in Der Spiegel, am 28. Juni 2010

Mit 18 Prozent in den Umfragen sind die Grünen so beliebt wie nie zuvor. Doch die guten Werte haben ihren Preis: Um ihre Popularität zu wahren, verzichtet die Partei auf Ecken und Kanten.

Sven-Christian Kindler hatte sich richtig ins Zeug gelegt. Auf neun Seiten erstellte der studierte Ökonom ein eigenes finanzpolitisches Konzept für seine Partei, die Grünen. Kindler ist der jüngste Bundestagsabgeordnete der Fraktion, für seine 25 Jahre ist er erstaunlich selbstbewusst. Das grüne Steuerkonzpt nannte er “einfach, höher und gerecht”, kürzlich durfte er es dem 16-köpfigen Parteirat vorstellen. [...]

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Zum “Grünen Sanierungsplan” von Sven-Christian Kindler