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100.000 für Klimagerechtigkeit. Und zwar jetzt!

Ein Bericht über die internationale Großdemonstration in Kopenhagen von Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordneter und seit vielen Jahren in der Umweltbewegung aktiv.

meerEs ist mitten in der Nacht. 3 Uhr am Samstag Morgen, den 12. Dezember 2009. Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Hannover treffen sich 75 überwiegend junge Grüne und AktivistInnen der GRÜNEN JUGEND. Ihr Ziel: Kopenhagen. Gemeinsam haben Jan Philipp Albrecht, der grüne Regionsverband Hannover und ich zwei Busse mit rund 100 Plätzen organisiert, um zur internationalen Großdemo nach Kopenhagen zu fahren. Wir wollen gemeinsam auf die verhandelnden Staaten bei der UN-Klimakonferenz – Conference of the Parties 15 (COP15) - Druck ausüben, damit diese ein wirkliches Reduktionsabkommen und angemessene Finanzmittel für die Entwicklungsländer zur Anpassung an den Klimawandel beschließen. In Hamburg steigen noch 25 weitere Grüne zu und schnell sind wir dann auch schon in Puttgarden. Nach einer kurzen Ausweiskontrolle fahren wir dann auf die Fähre nach Rødby. Es weht eine raue, kalte Brise an Deck, doch dafür bezaubert der Blick auf die sich sanft bewegenden Wellen der Ostsee im Schein des Mondes. Ein Moment um inne zu halten und sich zu vergewissern, um wie viel es in Kopenhagen geht. Um nicht weniger als ein Abkommen, das sich der größten ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts annimmt. In Kopenhagen kann und wird Geschichte geschrieben werden. Nicht nur von den VerhandlungsführerInnen und Staatschefs. Es wird auch der Startpunkt für eine große, globale Klimabewegung sein.

Die Welle für das Klima

„What do you want? Climate justice! When do you want it? Now!“. In der dänischen Hauptstadt angekommen können wir noch vor dem dänischen Parlament mit 10.000 AktivistInnen an der Abschlussaktion der „Klimawelle“ von Friends of the Earth teilnehmen. Wieder und immer wieder machen die äußerst fröhlichen gestimmten TeilnehmerInnen die „Mexican wave“ (La Ola-Welle) und tanzen nach der Kundgebung zu Reggae und Dancehall eine Riesenpolonaise. Viele lachende, freundliche Gesichter. Die Stimmung ist ausgelassen und motiviert.

Keine Kompromisse mehr!

bla-bla-blaMenschen soweit das Auge reicht. Der Platz vor dem Parlament ist total voll. 100.000 KlimaaktivistInnen beteiligen sich an der größten Demonstration in Kopenhagen seit Jahrzehnten. Damit hatte niemand gerechnet! 500 Organisationen hatten dazu aufgerufen und von überall auf der Welt waren VertreterInnen da. Die globale Solidarität war zu spüren. Auch im Demoblock der Global Greens, in dem unter anderem Grüne aus Neuseeland, Australien, Brasilien, Frankreich oder der Schweiz mitliefen. Vorne weg vorm grünen Demoblock fuhr der Wagen der Jugendorganisation der Socialistisk Folkeparti (SF), der dänischen Partnerpartei der Europäischen Grünen. Lauter Hip Hop und R`n`B sorgte ordentlich für Stimmung bei dem kalten, aber zum Glück sonnigen Wetter. Die Sprüche auf der Demonstration machten es deutlich: „Bla Bla Bla – Act now!“, „Planet not profit!“, „Nature doesn´t compromise“ oder „There is no planet B“. Es geht ums Ganze in Kopenhagen und wir werden keine faulen Kompromisse mehr akzeptieren!

Leider auch bei dieser Demo: Polizeiwillkürimg_8835

Die Demonstration war zu sehr großen Teilen bunt, kreativ, friedlich. Allerdings nahm die Polizei rund 1.000 DemonstrantInnen vorübergehend in Gewahrsam. Ein Akt von Polizeiwillkür und eine Verletzung von Menschenrechten - saßen die DemonstrantInnen doch bei den kalten Temperaturen um 0 Grad mehrere Stunden gefesselt auf der Straße. Lediglich gegen 3 der 1.000 lagen konkrete Verdachtsmomente auf Straftaten vor. Nichts desto trotz war die Demo ein großer Erfolg. Wir haben klar gemacht, dass jetzt gehandelt werden muss. Für echte Reduktionsverpflichtungen und ein faire Entwicklungsperspektive für die armen Länder im globalen Süden.

Der Kampf vor Ort geht weiter!

Sonntag früh morgens um halb vier waren wir mit unseren Bussen wieder in Hannover. Was für ein Tag! Müde, erschöpft, aber auch gleichzeitig motiviert und mit kreativer Energie. Denn der Kampf vor Ort geht weiter. Ob gegen neue Kohlekraftwerke, Autobahnbauten oder Massentierhaltungsanlagen. Ob für den Ausbau Erneuerbarer, des ÖPNV oder die Biolandwirtschaft. Wir sind da, wir sind viele und gemeinsam streiten wir für echte Klimagerechtigkeit!

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