Suchformular

HAZ: Klimafonds-Geld für Kohlekraftwerke

Artikel erschienen in der HAZ Ressort: POLI, am 14. Juli 2011

Die Energiewende in Deutschland führt zu seltsamen Planungen: Ausgerechnet aus seinem Klimafonds will der Bund den Neubau von Kohlekraftwerken subventionieren. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums gab sich am Mittwoch sogar alle Mühe, diese Entscheidung als einen Beitrag zum Klimaschutz darzustellen: Um die schwankende Elektrizitätsversorgung aus erneuerbaren Energien auszugleichen, komme den neuen fossilen Kraftwerken eine zentrale Rolle zu. Damit leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit und letztlich zur Einhaltung der Klimaschutzziele. Ob diese These auf Dauer trägt?

Erwartungsgemäß hagelt es Kritik vonseiten der Umweltschützer. So hält Sven Kindler, Grünen-Bundestagsabgeordneter aus Hannover, die Argumentation Berlins für absurd: „Es macht doch keinen Sinn, auf einen Klimakiller zu setzen.“ Die Sorgen vor Stromausfällen angesichts des Atomausstiegs hält er für übertrieben, da dezentral mehr Strom produziert werden könnte. Nicht nur im Wirtschaftsministerium, auch im Umweltressort sieht man das anders: „Es ist klar, dass im Zuge der Energiewende der Bau von Gas- und Kohlekraftwerken nötig ist“, sagte Christiane Schwarte, Sprecherin des Umweltministeriums. Diesen Kraftwerken komme eine zentrale Bedeutung zu, um Schwankungen auszugleichen. Allein 2013 sollen bis zu 166 Millionen Euro für diese Produzenten ausgegeben werden. Gefördert werden kleinere Anbieter, die weniger als fünf Prozent Anteil an den deutschen Erzeugungskapazitäten haben.

Von dieser Förderung profitieren könnte GDF Suez, ehemals Gaz de France. Der Konzern baut zurzeit ein Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen zwei weitere Kohlekraftwerke, einige Windanlagen und in Kooperation mit Stadtwerken diverse dezentrale Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Wie hoch die Förderung ausfallen könnte, lässt sich noch nicht genau berechnen. Sprecherin Alexa Schröder drückte sich gestern zurückhaltend aus: „Die Energiewende findet politisch und gesellschaftlich einen breiten Konsens. Es ist ein ambitioniertes Vorhaben, für dessen Gelingen es stark darauf ankommen wird, wie die technische und wirtschaftliche Umsetzung gestaltet wird.“

Für den Laien übersetzt dürfte das heißen: Wenn es sich für die Unternehmen gut rechnet, gibt es auch nach dem Atomzeitalter genügend Strom in Deutschland.

Verbreite diesen Beitrag!
Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert. Näheres erfahren Sie hier.

Dokumente zum Artikel