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NP: Gorleben – das deutsche Atom-Klo?

Artikel erschienen in der Neuen Presse, am 29.11.2011

Der massive Protest gegen den Castor-Transport nach Gorleben zeigt, was in den kommenden Jahren bei der geplanten neuen Endlagersuche das größte Problem sein wird.

Während Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine weiße Landkarte, eine „Suche ohne Tabus“ nach einem Ort für hochradioaktiven Atommüll, ankündigt, bleibt das rote Kreuz auf der Karte bei Gorleben bestehen. In 800 Metern Tiefe wird in den großen Stollen parallel zur Erarbeitung des für 2012 geplanten Endlagersuchgesetzes weiter erkundet. 1,6 Milliarden Euro wurden seit 1977 bisher für die Eignungsprüfung des Salzstocks bereits ausgegeben – den Großteil trägt die Atomwirtschaft, bis 2010 wurden 142 Millionen Euro an Steuergeldern (rund neun Prozent) investiert.

Die Befürworter argumentieren, dass es rausgeworfenes Geld sei, wenn man einen bereits umfassend erkundeten Ort wie Gorleben einfach vorschnell aufgebe. SPD, Grüne und Linke verweisen auf den Haushalt: Für die neue Standortsuche stünden im kommenden Jahr zwar erstmals 3,5 Millionen Euro zur Verfügung, für die Weitererkundung in Gorleben aber zugleich 73 Millionen Euro, fast dreimal so viel wie noch 2010. Die CDU-Politikerin Marie-Luise Dött begründet das mit Mehrkosten für den Fahrzeug- und Gerätepark sowie einem höheren Aufwand bei der Betriebsüberwachung.

Der Hannoveraner Sven-Christian Kindler (Grüne) unterstellt Röttgen ein falsches Spiel: „Sie schaffen weiter Fakten in Gorleben, Sie treiben den Schwarzbau weiter voran, obwohl längst klar ist, dass das Endlagerprojekt in Gorleben gescheitert ist.“

Baden-Württembergs Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann findet dagegen den Castor-Protest überholt: „Da Salzstöcke grundsätzlich infrage kommen, bleibt Gorleben erstmal drin.“ Erfolgreich kann die Suche mit Gorleben letztlich nur sein, wenn die Kriterien für alle nachvollziehbar und wissenschaftlich begründet sind. Die Gorleben-Gegner fürchten aber, dass es angesichts möglicher Proteste in anderen Standortgebieten am Ende heißen könnte „Lasst uns doch Gorleben nehmen, da sind wir schon so weit“.

Mit dem aktuellen Castor-Transport werden es 113 Behälter mit hochradioaktivem Atommüll sein, die in Gorleben auf die Endlagerung warten. Können sie nach jahrzehntelanger Abkühlung nicht im nahegelegenen Salzstock für immer gelagert werden, müssen sie für viele Millionen Euro wieder abtransportiert werden.

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