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Tageblatt: Friedliche Demo gegen rechte Gewalt

Artikel erschienen im "Tageblatt" am 19.03.2012

250 Teilnehmer ziehen vom Bahnhof durch die Innenstadt bis zur Gedenkplatte des ermordeten Gustav Schneeclaus

Rainer Schwartau BUXTEHUDE. Rund 250 Menschen fanden sich am Sonnabend in Buxtehude zu einer friedlichen Demonstration zum Gedenken an den vor 20 Jahren von Neonazis getöteten Buxtehuder Kapitän Gustav Schneeclaus zusammen. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Sozialdemokraten, Grünen, Linken, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), Kirche und Mitgliedern der autonomen Antifa-Szene hatten dazu aufgerufen.

Begleitet von 30 Polizisten zogen die Demonstranten vom Bahnhof über das Geesttor und durch die Innenstadt bis zum ZOB, wo vor 20 Jahren zwei Neonazis nach einem Streitgespräch über Hitler den Buxtehuder Kapitän brutal erschlugen. Beide Täter wurden gefasst und verurteilt, der Haupttäter Stefan Silar ist noch heute einer der führenden Aktivisten in der norddeutschen Nazi-Szene und betreibt in Todglüsingen bei Tostedt einen Nazi-Bekleidungsladen.

Angeführt wurde der Demonstrationszug in Buxtehude von einer Antifa-Gruppe, die auch akustisch die Szene bestimmte. Darunter auch Parolen wie: "Stefan Silar, aus der Traum, bald liegst du im Kofferraum", oder "Nazis morden, der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack". Mitorganisator Michael Quelle zeigte sich darüber nicht gerade begeistert: "So etwas ist nicht bündniskonform." Angetan zeigte er sich von der guten Zusammenarbeit mit Polizei und Stadt, die für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hatten.
Insgesamt acht Redner und Rednerinnen erinnerten zu Beginn der Demonstration, bei einem Zwischenstopp am Geesttor und am ZOB, bei der dort eingelassenen Gedenktafel, an die Tat vor 20 Jahren, aber auch an die übrigen Opfer rechter Gewalt, nicht nur durch die Zwickauer Terrorzelle. Melora Felsch vom Antifaschistischen Arbeitskreis: "In 20 Jahren sind neben Gustav Schneeclaus noch 181 weitere Todesopfer rechter Gewalt dazu gekommen".

Professor Dr. Wolfgang Gessenharter erinnerte daran, dass es auch in Buxtehude weitere Aktionen gab, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen waren, so standen zwei - leere - Asylbewerberheime in Flammen und gleichzeitig hatte sich eine fremdenfeindliche Bürgerinitiative gegründet. Gessenharter berichtete aber auch von der im Anschluss erfolgreichen Arbeit eines Zusammenschlusses aus Bürgern, Politikern und Verwaltung, die ein gemeinsames Bürgergutachten mit fast 40 Empfehlungen für ein gutes Zusammenleben zwischen Einheimischen und Ausländern verfasste. "Von den rechten Krakeelern hörte und sah man in den Folgemonaten nichts mehr", so Gessenharter, der damals das so genannte 'Buxtehuder Projekt' leitete. Die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Tiemann erinnerte namentlich an weitere Opfer rechter Gewalt in Deutschland und forderte dazu auf, dafür zu sorgen, dass die "NPD, die braune Suppe, endlich in die Gülle der Vergessenheit gerät".

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler mahnte, dass es jeden Tag in Deutschland drei Gewalttaten von Rechten gebe und kritisierte, das Bundesfamilienministerin Kristina Schröder Nazis und Antifaschisten gleichsetze.

Wie andere auch, äußerte die Landtagsabgeordnete Pia Zimmermann von den Linken ihr Entsetzen über das Verhalten der Sicherheitsbehörden im Fall der Zwickauer Nazi-Terror-Zelle, die zehn Jahre lang unter den Augen von Verfassungsschutz und Polizei zehn Menschen töten konnte. Besonders "zynisch" sei es gewesen, die Täter unter den Opfern zu suchen. Buxtehudes Superintendent Dr. Helmut Blanke forderte dazu auf, die Menschen anderer Kultur und Herkunft "als Bereicherung" für unser Land zu empfinden.

Zum Abschluss von Demonstration und Kundgebung legten viele Teilnehmer an der Erinnerungstafel für Gustav Schneeclaus am ZOB Blumen ab oder stellten Kerzen auf.



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