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NP: Rechtsrock lässt Klassen schaudern

Artikel erschienen in der Neuen Presse, am 07.06.2012

VON VERA KÖNIG HANNOVER. Im Konferenzraum der Berufsbildenden Schule 3 (BBS 3) ist es still. Fast gespenstisch still. Keiner hüstelt, keiner flüstert. Gebannt schauen die jungen Frauen und Männer auf die Leinwand. Produzent Peter Ohlendorf zeigt seinen Film, der im Fernsehen nie eine Chance und auch keine Förderung bekam: „Blut muss fließen“.

Sechs Jahre lang hat Journalist Thomas Kuban mit versteckter Kamera die Konzerte von Neonazis besucht. Der Rechtsrock wird auch in Hannover gemacht – von einer Band namens „Nordfront“. Ihre Musik kommt einer Einstiegsdroge gleich: Dumpf hämmern die Bässe. Erst beim genauen Hinhören versteht man die unglaublichen Texte: „Blut muss fließen knüppelhageldick – wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik“. Messer sollen „flutschen“, und es heißt „Punker, Schwule, Kommunisten stehen auf unseren schwarzen Listen“.

„Aufruf zu Straftaten“, sagt Sven Kindler, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er hat die Filmpremiere in der BBS 3 vorbereitet und warnt vor der neuen „Erlebniswelt der Neonazis“. Deren Texte, so sehen das die Berufsschüler, sind menschenverachtend und aggressiv.

Ohlendorf hat Kuban (ein Pseudonym) begleitet. Auch zur Pressekonferenz mit dem damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Als der mit einem kanariengelben Sakko und einer Perücke getarnte Journalist fragte, warum die Polizei bei solchen Konzerten mit teilweise verbotenem Liedgut nicht eingreift, ließ ihn der CSU-Mann abblitzen: „Was eine Straftat ist und was angebliche Kunst, ist für die Polizei schwer zu erkennen.“

Die BBS-Schüler lassen solche Aussagen schaudern. „Warum wird die Gefährlichkeit der Neonazis nicht gesehen?“, fragt einer in der Diskussion. „Solchen Leuten müsste man Auschwitz zeigen“, rät einer, für den der Besuch im Konzentrationslager „eine bleibende Mahnung“ war.

Was sich gegen Rechtsrock tun lässt, zeigt das Beispiel einer Disko in Sachsen. Die Betreiberin bekommt zur Auflage von der Polizei: „Noch eine Straftat und wir machen den Laden dicht.“ Da wird der Rechtsrock abgedreht und Diskomusik aufgelegt, und plötzlich tanzen die Neonazis Polonäse. Was sich auch tun lässt? Konzerte gegen Rechtsrock. Morgen ab 18 Uhr am Steintor.

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