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Winsener Anzeiger: "Noch Luft nach oben"

Artikel erschienen im Winsener Anzeiger am 12. Januar 2013

Grüne diskutierten über die Energiewende im Landkreis Harburg

Der Ortsverband Winsen/Elbmarsch der Grünen hatte jetzt zu einem Diskussionsabend mit dem Thema "Energiewende" nach Marschacht eingeladen. Rund 25 Interessierte waren in den Marschachter Hof gekommen. Grünen-Bundestagsabgeordneter Sven-Christian Kindler und der hiesige Landtagskandidat der Grünen, Ingo Rieckmann, stellten sich den Fragen der Besucher. Außerdem wirkten die stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin Dörte Land und der Sprecher der Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten im Samtgemeinderat, Christoph Meyn, mit.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde rückten die Energiewende und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in den Fokus. Rieckmann, der sich um ein Direktmandat bewirbt, setzt bei seinem Engagement auf Nachhaltigkeit in der Wirtschaft und im Tourismus. In Niedersachsen sei der Tourismus der größte Arbeitgeber. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), die Eigenvermarktung, der Naturschutz und Regio Parks. "Diese Themen würde ich gern unabhängig von der Wahl verfolgen", erklärte Rieckmann. Der 41-Jährige aus Döhle hat Umweltwissenschaften/Naturschutz/Ökologie in Lüneburg studiert und tritt seit 20 Jahren für den Naturschutz in der Lüneburger Heide ein.

Bundestagsa bgeordneter Kindler ist mit 27 Jahren der jüngste Abgeordnete der Grünen: Der Betriebswirt ist als Berichterstatter im Haushaltsausschuss für Energie- und Klimafinanzierung tätig. "Jeder ist für die Energiewende, jedenfalls behauptet es ein jeder", bekräftigte Kindler. Er blickte noch einmal zurück auf die 1998 unter Rot-Grün beschlossene Weichenstellung in Sachen Energie. Seinerzeit sei im EEG festgeschrieben worden, dass fossile Energie Vorrang vor atomarer habe. Schon damals wurde der Atomausstieg für 2021 festgelegt. Mit dem Wechsel der Regierung sei das EEG bekämpft worden, und plötzlich seien längere Laufzeiten der Atomkraftwerke im Gespräch gewesen.

Es kam zur atomaren Katastrophe in Fukushima. Weltweit entbrannte eine Diskussion über die Atomkraft, aber nur Deutschland habe einen Teil seiner Atomkraftwerke abgeschaltet. Aus seiner Sicht sei daher eine Energiewende unumgänglich. Atomkraft sei unsicher, solange es den vier großen Energiekonzeren in Deutschland vor allem um Gewinnmaximierung gehe. Und noch immer sei kein sicheres Endlager gefunden worden. Und jede zivile Nutzung der Atomenergie biete die Möglichkeit, diese auch militärisch zu nutzen. Er sieht es als Herausforderung in diesem Jahrhundert an, sich sozial und ökonomisch unabhängig von fossilen Energieformen aufzustellen.

"Ein großer Anteil der steigenden Energiekosten ist nicht auf die Subventionen für erneuerbare Energien zurückzuführen, sondern auf ausufernde Ausnahmeregelungen für energieintensive Unternehmen", so Kindler. "Es ist sinnvoll, der Abwanderung dieser Arbeitgeber entgegenzuwirken. Die gab es schon früher, aber unter der jetzigen Regierung sind die Ausnahmen von 16 auf 48 Prozent gestiegen", sagte Kindler.

Mit der Energiewende vor Ort sei schon begonnen worden. So haben sich bereits Energiegenossenschaften gebildet, die eine Wertschöpfung vor Ort sicherstellen. Rund 600 dieser Genossenschaften gibt es mittlerweile in Deutschland. "Es gibt kurze Wege, und die erforderlichen Handwerker kommen auch aus der Region, denn die Aufträge werden nicht europaweit ausgeschrieben", erklärte Kindler.

Christoph Meyn erläuterte das ehrgeizige Ziel, eine ,,100ee-Region" zu werden. Das heißt, die vor Ort verbrauchte Energie, gleich ob Wärme oder Strom, wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt, die in der Region produziert werden. Im Landkreis Harburg ist dafür noch reichlich Raum.
So liegt nach einer Erhebung im Oktober 2012 der Anteil an erneuerbaren Energien auf Bundesebene bei 20 Prozent, wohingegen Niedersachsen mit 38 Prozent schon deutlich darüber liegt. Der Nachbarlandkreis Lüneburg erreicht bereits 48 Prozent. Im Landkreis Harburg sind es nur 16 Prozent. "Sie sehen, da ist noch Luft nach oben, wir liegen weit unter dem Durchschnitt", stellte Rieckmann fest.


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