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Kochen ohne Knochen - Das vegane Magazin: Die Grünen und die Tierrechte

Artikel erschienen in Kochen ohne Knochen - das vegane Magazin

Wie stehen die Grünen zu den Themen, die vegan lebende Menschen bewegen? Sven-Christian Kindler, Mitglied des Bundestages für Bündnis90/Die Grünen, beantwortete unsere Fragen.

Die Grünen gelten als die Ökopartei, haben das Image, sich mehr als andere Parteien um Umwelt- und Tierschutzprobleme kümmern. Was ist da historisch dran?

Grüne haben damals ganz neue Themen in den Parlamenten zur Sprache gebracht, zu denen die „Altparteien“ überhaupt nichts inhaltlich zu sagen hatten. Dazu gehörten selbstverständlich auch der gesamte Bereich des Umweltund Tierschutzes. Vielmehr noch sind VerbraucherInnenschutz, eine bessere Tierhaltung und kleinbäuerliche Familienbetriebe statt industrieller Massentierhaltung zum Beispiel im Agrarland Niedersachsen hochaktuell. Dort setzen wir Grüne gerade mit unserem Landwirtschaftsminister Christian Meyer eine sanfte, aber konsequente Agrarwende um.

Unter welch qualvollen Bedingungen Tiere in der Massentierhaltung leben, wird immer wieder gerne von Seiten politischer AkteurInnen verharmlost. Welchen Einfluss haben konkret Lebensmittelkonzerne auf die aktuelle Politik?

Die Merkel-Regierung ist die Lobby-Regierung schlechthin. Sie kämpft für die großen Agrokonzerne und die Subventionierung der Massentierhaltung. Ich kämpfe genau gegen das: gegen die Tierquälerei und die klimaschädliche Agroindustrie. Ich streite für eine ökologische, regionale Landwirtschaft. Das ist eine große Auseinandersetzung und je mehr Menschen sich für eine alternative Lebensmittelproduktion politisch einsetzen, desto weniger Einfluss hat die Massentierhaltungslobby.

Welche Agenda verfolgen die Grünen in Sachen Tierschutz und Tierrechte für die anstehenden Bundestagswahlen? Würde es unter einer rot-grünen Regierungen zu Veränderungen und Verbesserungen kommen?

Wir wollen den Systemwechsel in der Tierhaltung. Dazu gehört die Subventionierung der Mega-Ställe zu beenden, ihre Privilegierung im Baurecht zu streichen und den Immissionsschutz der Anlagen zu verbessern. Analog zum Bio-Siegel wollen Grüne ein einheitliches Siegel für vegane und vegetarische Produkte einführen, auf das sich die VerbraucherInnen verlassen können. Ein neues Tierschutzgesetz soll bessere Haltungsbedingungen endlich gesetzlich verpflichtend festschreiben und den Antibiotikaeinsatz massiv einschränken.

Gibt es innerhalb der Grünen ein verbreitetes Bewusstsein für das Thema Vegetarismus/Veganismus?

Ja, den Eindruck habe ich. Ich habe mit vielen meiner Freundinnen und Freunden in der Grünen Jugend und in der Partei über Vegetarismus, Veganismus und generell Konsum sehr grundsätzlich diskutiert. In meinem Landesverband Niedersachsen gibt es zum Beispiel ausschließlich fleischlose Verpflegung auf den Parteitagen. Was ich jedoch stets als sehr angenehm empfunden habe: Die Diskussionen verliefen nie dogmatisch. Ich will nicht moralisch andere Menschen für ihren Fleischkonsum verurteilen, ich möchte für die Alternativen werben.

Aus vielen Studien geht eindeutig hervor, dass ein drastischer Rückkang des Fleischverzehrs viele Umweltprobleme lösen würde. Gefühlt wird eine Reduzierung von Fleischkonsum seitens der Grünen aber gar nicht offensiv gefordert.

Na klar fordern wir das! Die Forderung nach Reduzierung von Fleischkonsum findet sich in zahlreichen Partei- und Fraktionsbeschlüssen auf verschiedenen Ebenen wieder. Ich glaube nicht, dass uns die Leute wählen, weil wir ihnen nach dem Mund reden. Glaubwürdig ist es doch konsequent eine politische Vision zu verfolgen und auch trotz harten Gegenwind dabei zu bleiben. Das war in der Vergangenheit der Grund für grüne Wahlerfolge.

Sind die Grünen für vegan lebende Menschen, die kein Verständnis aufbringen können für eine vermeintliche Öko-Bauernhof-Idylle, eine wählbare Partei?

Wir Grüne fordern tatsächlich nicht die Abschaffung der Nutztierhaltung. Wer die Missstände in der tierquälerischen Massentierhaltung abstellen will und den Systemwechsel zu einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft einleiten möchte, sollte grün wählen. Das ist immerhin ein Anfang.

 

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