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NSU:Facebook-Profil des Kronzeugen Holger G. verschwindet

 

NP: Facebook-Profil des Kronzeugen Holger G. verschwindet VON VERA KÖNIG HANNOVER

 

„Holli S.“ gibt es bei Facebook nicht mehr. Am Tag, nachdem die NP berichtet hatte, dass NSU-Kronzeuge Holger G. sich bei dem sozialen Netzwerk trotz angeblicher Angst um sein Leben tummelt und Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gibt, war sein Profil gelöscht. Wer das verursacht hat, war gestern nicht zu erfahren. Gut möglich, dass Facebook selbst „Holli S.“ rausgeworfen hat.

Das Unternehmen geht bei Publikwerden rigoros gegen Neonazis in den Reihen seiner Nutzer vor. Auch dass das Bundeskriminalamt einschritt (unter dessen Schutz der Kronzeuge steht), ist nicht auszuschließen. Bei Facebook hatte der 39-Jährige, Mitangeklagter im Verfahren um die zehn Morde des NSU-Trios, sein wahres Gesicht gezeigt. Holger G., der vor Gericht zunächst behauptet hatte, er habe die Kontakte zur rechten Szene gekappt, steht den alten Kameraden weiterhin nahe.

Einer seiner Facebook-Freunde war beispielsweise mit einem T-Shirt von „Combat 18“ (das ist der bewaffneter Arm des Neonazinetzwerks „Blood and Honour“) beim Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf zu sehen. Auch ein Foto vom feixenden Holger G. und seiner Freundin, von ihm aufgenommen mit dem Handy, lässt sich leicht finden. „Ein solcher Auftritt in sozialen Netzwerken muss für die Familien der Mordopfer ein Schlag ins Gesicht sein“, sagt Sven Kindler, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er frage sich, warum Holger G. als „maßgeblicher Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds“ überhaupt Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm fand. Immerhin habe der früher in Hannover lebende, später nach Lauenau umgesiedelte Neonazi dem Trio Ausweise und sogar eine Waffe übergeben. Belastendes Material sei von Holger G. im Prozess nicht geliefert worden, findet Kindler.

Vorherige, in der Untersuchungshaft gemachte Äußerungen versuche er abzuschwächen. Der Abgeordnete: „Man muss die Rolle dieses Zeugen kritisch überprüfen und Konsequenzen ziehen.“ Kindler wird deshalb beim Bundesinnenministerium nachhaken. Auf seine Anfrage, warum zwei Personenschützer Holger G. im vorigen Sommer ins „Seehaus Isernhagen“ gefahren und draußen gewartet hatten, während er mit zwei Zeugen im NSU-Verfahren sprach, steht die Antwort noch aus. Diese beiden, ein in rechten Kreisen bekanntes Ehepaar S. aus Hannover, werden Anfang Januar noch einmal in München vernommen. Silvia S. hatte Holger G. eine AOK-Krankenkassenkarte für 300 Euro verkauft, die Beate Zschäpe dann nutzte. 23.12.2013 / NP Seite 9 Ressort: LOKA

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