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NP: NSU - Wer überwachte Holger G.?

 

Neue Presse

NSU: Wer bewachte Holger G.?

VON VERA KÖNIG

 

Die Pannen bei der Aufklärung der Neonazi-Mordserie reißen nicht ab. Deshalb fragt sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler, ob wirklich Zeugenschutz für Holger G. angebracht ist, den Mitangeklagten im NSU-Prozess.

Der frühere Hannoveraner, der Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Ausweise und eine Waffe übergab, steht weiter im Kontakt zu den alten Neonazi-Kameraden. G. war am 25. Mai 2012 aus der Untersuchungshaft gekommen – „kurzfristig und ohne vorherige Ankündigung“, teilt Ole Schröder, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, auf Kindlers Anfrage mit.

Auf die Entlassung des späteren Kronzeugen war man offenbar beim Bundeskriminalamt nicht vorbereitet. Deshalb, so Schröder, seien es nicht Zeugenschützer dieser Behörde gewesen, die Holger G. zum Treffen mit alten Kameraden ins Seehaus Isernhagen brachten. Von welcher Behörde die beiden Herren kamen, die im Auto warteten, während er mit dem Ehepaar Alexander und Silvia S. (beide Zeugen im Mordprozess) Bier trank, bleibt offen. Im Übrigen, so der Staatssekretär, könne sich Holger G. treffen, mit wem er will: „Es besteht kein prozessuales Kontaktverbot von auf freiem Fuß befindlichen Zeugen.“ Mit dem Ehepaar S. steht Holger G. nach wie vor im Kontakt. Am Mittwoch berichtete Alexander S. vor Gericht in München von drei Treffen – unter anderem in einer Eisdiele, wahrscheinlich in Hannover. Bevor das Facebook-Profil G.s verschwand, war daraus erkenntlich, dass er sich nach wie vor in seiner alten Heimat aufhält – Region Hannover oder Lauenau. Kindler hat den „Verdacht, dass Holger G. den ihm zugestandenen Zeugenschutz missbraucht“.

Dass der Angeklagte weiter Kontakte „in die extrem rechte Szene“ halte, müsse für alle Angehörigen der Mordopfer ein Schlag ins Gesicht sein. Sein Auftritt vor Gericht und sein Verhalten stellten „seine Glaubwürdigkeit als Hauptbelastungszeuge von Beate Zschäpe massiv in Frage“. Kindler will wissen, ob tatsächlich Gefahr für Holger G.s Leben besteht. Außerdem müsse berichtet werden, wie teuer der Zeugenschutz sei und ob niemand die Facebook-Aktivitäten des Mitangeklagten überprüft habe. Dass das BKA erst nach Wochen der Darstellung widerspricht, dass eigene Beamte beim Treffen im Seehaus gewesen seien, nennt Kindler „nicht nachvollziehbar“. Auch Alexander S. (dessen Frau Silvia Holger G. eine AOK-Karte für Zschäpe verkauft hatte) hatte von Polizeibeamten in der Nähe gesprochen.

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