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Interview mit der LVZ: "Die Bundesregierung muss zur Vernunft kommen"

Artikel erschienen in der Leipziger Volkszeitung 


Sie waren jüngst in Athen, haben dort auch mit Regierungsvertretern gesprochen. Sind da wirklich Dilettanten am Werk? 

Es war nicht hilfreich, auch nach der Wahl im Wahlkampfmodus aufzutreten, und sicherlich ist die neue Regierung mit einiger Naivität in den Verhandlungsprozess gerteten. Es fehlt an Erfahrung. Aber die Regierung ist ja erst drei Wochen im Amt. Und dass sie größtenteils nicht im griechischen Klientelnetz verstrickt ist, ist eine große Chance für echte Reformpolitik.

Macht der Antrag von Finanzminister Varoufakis auf eine Verlängerung der Finanzhilfen nicht alle Hoffnungen auf Reformen zunichte?

Im Gegenteil. Darin zeigt die griechische Regierung großes Entgegenkommen gegenüber den Forderungen der Euro-Gruppe. Sie bekennt sich zu den Verpflichtungen gegenüber ihren Geldgebern, zu einem partnerschaftlichen Verhältnis und Reformen – und das in einer höflichen Wortwahl. So viel Kompromissbereitschaft war nicht zu erwarten.

Bundesfinanzminister Schäuble lehnt den Antrag ab. Eine verständliche Position? 

Das ist europäisch verantwortungslos. Die Bundesregierung muss jetzt zur Vernunft kommen, ihre starre Blockadeposition aufgeben und sich bewegen. Die von ihr forcierte Austeritätspolitik ist gescheitert. Griechenland steckt in einer tiefen sozialen Krise. Es braucht jetzt Luft zum Atmen. Ich hoffe sehr, dass die heutige Euro-Gruppensitzung einen Kompromiss findet. Ein Rausdrängen Griechenlands aus dem Euro könnte ähnlich verheerende Auswirkungen wie die Lehman-Pleite 2008 haben.

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