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Kindler zu Besuch bei Jörg Hüner, Milchbauer und Kreis-Teamleiter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM)

Nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft braucht kostendeckende Preise

 

Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordnete, Mitglied des Haushaltshausschusses und zuständig für den Etat des Bundeslandwirtschaftsministeriums, war zu Gast bei Jörg Hüner in Visselhövede-Schwitschen. Ihn interessierten die Arbeitsweise des Betriebes und die Einschätzungen des Landwirts zur zukünftigen Entwicklung der Milchviehbetriebe und des Milchmarktes.

Mit dabei waren auch Susanne Mrugalla, Sprecherin des grünen Kreisverbandes, sowie Arthur Lempert (Mitglied des grünen Kreisvorstandes), Harald Gabriel, (Bioland Landesverband) und  Hermann Rosebrock (Milchviehhalter und Mitglied des BDM).

Als Mitglied des Bundes Deutscher Milchviehhalter tritt Jörg Hüner für eine Landwirtschaft ein, deren Viehbesatz sich an der bewirtschafteten Fläche orientiert, deren Betriebe Eigentümer geführt sind und nicht den wirtschaftlichen Interessen von Investorengruppen dienen. Dazu gehört für ihn aber auch, dass der Milchpreis die Kosten der Erzeugung deckt. Mit seinem Betrieb von 107 ha, mit ca. 100 Milchkühen setzt er sein Ziel nachhaltiger Bewirtschaftung um. Er baut das Futter für seine Tiere im Wesentlichen selbst an. Dazu gehört eine Fruchtfolge von Mais, Roggen und Lupinen. In diesem Jahr soll auch der eigene Anbau von Soja versucht werden. So kann er eine Gentechnik freie Erzeugung der Milch gewährleisten. Dass von immer mehr Betrieben Futtermittel zum Beispiel aus Südamerika zugekauft werden, oft mit fatalen sozialen Folgen vor Ort, hält er für fragwürdig.

Im Gespräch mit Sven-Christian Kindler machte Jörg Hüner deutlich, dass er mit dem Ende der Michkontingentierung durchaus die Gefahr sieht, dass bei stark schwankenden Milchpreisen, vor allem die kleineren Betriebe aufgeben. Deren Flächen würden dann wahrscheinlich von den Wachstumsbetrieben übernommen. So verdrängen agroindustrielle Großbetriebe immer mehr bäuerliche Betriebe, mit fatalen Folgen für die Tiere und die Umwelt.

Harald Gabriel ergänzte, dass er für den Biolandbau die Schwierigkeit sieht, dass die ökologisch wirtschaftenden Betriebe im verschärften Preiskampf noch mehr unter Druck geraten. Kostendeckende Preise seien so kaum noch zu erreichen.

„Für mich war dieser Besuch sehr aufschlussreich.“, so Sven-Christian Kindler. „Ich nehme mit, dass die EU viel mehr dafür tun muss, um der bäuerlichen Landwirtschaft, die wir wollen, auch ein kostendeckendes Arbeiten zu ermöglichen. Zurzeit werden über die Flächenprämien der EU große Ackerbaubetriebe völlig unverhältnismäßig gefördert. Auf europäischer Ebene braucht es eine Milchmarktbeobachtungsstelle, die die Erzeuger unterstützt und im Notfall intervenieren kann, damit Preise nicht ins Bodenlose fallen. Aber auch auf Bundesebene muss mehr für eine nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft getan werden. Dazu gehört, dass der Landwirtschaftsminister endlich ein nationales Anbauverbot für mit Gentechnik erzeugtes Saatgut erlässt. Außerdem müssen die vorhandenen Forschungsgelder für Projekte im Sinne einer nachhaltigen gentechnikfreien Landwirtschaft ausgegeben werden. Auch der Ökolandbau braucht im Forschungsbereich viel mehr Unterstützung.“

 

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