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Böhme-Zeitung: Fracking: „Vor Lobby eingeknickt“. Grüne bestehen auf Verbot der Verpressung

Neuenkirchen. Fracking – für die einen lukrative Energiegewinnung, für die anderen ein hochexplosives Pulverfass. Kein Thema dürfte aktuell neben dem Wolf im Heidekreis derart kontrovers diskutiert werden. Viele Stimmen gehen dabei klar in eine Richtung: gegen Fracking und für ein Verbot.

Warum genau das notwendig sei, machten Vertreter der Grünen am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung im Schröers-Hof deutlich. Fracking bezeichnet die Verpressung von chemisch angereichertem Wasser in den Untergrund, um fossile Energien in Form von Erdöl und Erdgas zutage zu fördern.

Der Kreisvorsitzende der Grünen, Dr. Hans-Peter Ludewig, wies darauf hin, dass es beim Fracking um Gewinnmaximierung gehe. Auch der haushaltspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Sven-Christian Kindler, wies auf die Gefahren hin, die bei der Verpressung entstünden: von chemikalischen Belastungen des Grundwassers durch marode Schachtsysteme bis hin zu Erdbeben und steigenden Krankheitsfällen.

Letztere häuften sich in der Samtgemeinde Bothel, „die Menschen machen sich Sorgen um ihre Gesundheit“, so Kindler. Niedersachsen sei der „Fracking-Hotspot“ Deutschlands, erklärte er weiter, 95 Prozent des Erdgases werde hier gefördert.

Laut einer Umfrage des Instituts Infratest vom Mai hätten sich zwei Drittel der Deutschen für ein Fracking-Verbot ausgesprochen, 2500 Kommunen hätten bereits Resolutionen gegen die Verpressung beschlossen. Trotzdem komme die Regierung diesem Wunsch nicht nach, so Kindler: „CDU, CSU und SPD wollen Fracking regulieren, aber nicht verbieten.“

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Dr. Julia Verlinden, sieht das Problem in der Macht der Lobby: „Die Bundesregierung ist vor der Erdgasindustrie eingeknickt.“ Die Unternehmen beteuerten zwar, Fracking auf Dauer so ökologisch wie möglich zu gestalten. Dies sei jedoch nicht das Ziel der Energiewende, so Verlinden. „Wir wollen von fossilen Brennstoffen weg.“ Im Moment befinde sich das Fracking in einer Grauzone, es sei weder wirklich erlaubt noch verboten.

Undichte Schächte

„Wenn man neben einer Erdgasfördersonde steht, riecht das schon komisch und man bekommt nach wenigen Minuten Kopfschmerzen“, so Diplom-Ingenieur Bernd Ebeling aus Uelzen. Er berichtete, wie er im Anschluss an Verpressbohrungen für Lagerstättenwasser undichte Schächte mit horrenden Quecksilberwerten entdeckt habe. „Die Werte waren teilweise siebenmal höher als von Exxon Mobil veranlasst“, betonte Ebeling.

Außer Quecksilber gebe es weitere gefährliche Nebenprodukte beim Fracking, wie Verlinden deutlich machte: „Man weiß nicht, wie viel Methan bei der Gewinnung aus der Erde entweicht“, erklärte sie. „Es ist aber ein Klimagas, das 21-mal schlimmer ist als CO2 und die Atmosphäre aufheizt.“ 742085

Autor: Heuer Märit

Artikel erschienen in der Böhme-Zeitung

 


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