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Weser-Kurier: Ein O statt des Ypsilons

Grünen-Vorstoß zieht den Ausbau vorhandener Bahnstrecken Neubauten vor

Von Peter Mlodoch 09.07.2015 0 Kommentare

„Das alte Y kommt nicht in die Tüte“, betonte die Landtagsabgeordnete Elke Twesten aus Scheeßel. „Das wird die Region nie mitmachen.“ Mit dem Konzept wolle man allerdings nicht in Konkurrenz zum laufenden Dialogforum, das Bahn AG und das Land Niedersachsen initiiert hatten, treten, sondern sich dort konstruktiv einbringen, versicherten Kindler und Twesten.

Anders als alle bislang diskutieren Vorschläge bringt das Grünen-Papier die Ertüchtigung der nicht bundeseigenen EVB-Strecke Bremerhaven-Bremervörde-Rotenburg als unverzichtbaren Bestandteil für die Bewältigung der künftigen Güterverkehre ins Spiel. Der Abschnitt, der teilweise bereits mit Mitteln Niedersachsens und der EU ausgebaut wird, sei als östliche Umfahrung des Engpasses Bremens unabdingbar. Neue Entlastung für Niedersachsen verspricht sich der grüne Koordinationskreis Y-Trasse auch von einer stärkeren Einbeziehung der Strecke Hamburg-Berlin für den Containertransport nach Osten.

Die Gruppe, der neben Kindler und Twesten die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden, ihre Landtagskollegen Miriam Staudte und Heiner Scholing sowie Kommunalpolitiker und Vertreter von Bürgerinitiativen angehören, schlägt zudem den dreigleisigen Ausbau der ICE-Strecke Lüneburg-Uelzen vor. Dies sei eine „konsequente Fortführung der im Jahr 2014 fertiggestellten Dreigleisigkeit Stelle-Lüneburg. Zwischen Rotenburg und Verden brauche man endlich ein zweites Gleis – nicht nur für die Güterzüge, sondern auch für notwendige Umleitungen von Reisezügen zwischen Hamburg und Hannover.

Ebenfalls zweigleisig müsse die „Amerika-Linie“ ab Uelzen Richtung Stendal ausgebaut werden. Zwischen Uelzen und Landwedel brauche es neben zwei Gleisen dringend eine Elektrifizierung, um Hafenverkehre aus Wilhelmshaven und Bremen frühzeitig in Richtung Ost-Korridor, also ohne Belastung des Flaschenhalses Hannover, ableiten zu können. Schließlich sieht das grüne Stufenkonzept neue Überholgleise auf der Bahnstrecke Bremen-Hannover zwischen Nienburg und Wunstorf vor.

„All diese Maßnahmen sind schneller zu realisieren als Neubaustrecken, können also zügig für Entlastung sorgen“, meinte Kindler. Außerdem seien die Umweltauswirkungen deutlich geringer. Strikter Lärmschutz sei selbstverständlich. Ein Teil dieser grünen Punkte ähnelt der „Alpha-Variante“ der Celler Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann (SPD), die ebenfalls für einen Ausbau bestehender Abschnitte plädiert.

Im Dialogforum für Anwohner, Kommunen und Bürgerinitiativen stehen dagegen neben der für den Güterverkehr abgespeckten alten Y-Trasse vornehmlich der komplette Ausbau der ICE-Strecken Hannover-Bremen und Hannover Hamburg sowie die Wiederbelebung der Heidebahn als Güterstrecke zwischen Buchholz und Soltau und schließlich der Neubau einer Spange zwischen Maschen und Unterlüß – quasi parallel neben der bestehenden ICE-Strecke – zur Debatte. Wegen des höheren Verkehrsaufkommens und des befürchteten Lärms regt sich vor Ort freilich überall Widerstand.

Die Organisatoren des Gremiums, dessen 5. Sitzung in der nächsten Woche stattfindet, haben kürzlich die Einmischung örtlicher Bundestagsabgeordneter – neben Lühmann auch ihres Celler CDU-Kollegen Henning Otte – kritisiert. Die Grünen hoffen nun, dass ihnen dies mit ihren Vorschlägen nicht passiert.

Artikel erschienen im Weser-Kurier

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