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HAZ: Deutsche Fraport soll 14 griechische Flughäfen übernehmen

VON MARINA KORMBAKI

Berlin. Eine Urlaubsreise in Griechenland beginnt oft mit einer Reise in die Vergangenheit. Bei der Ankunft am Flughafen, während man auf das Gepäck wartet, kann man schnell ins Staunen geraten angesichts des Achtziger-Jahre-Flairs ringsum. Das gilt natürlich nicht für den Athener Flughafen, der ist modern und keine 15 Jahre alt. Im Rest des Landes aber sind die Regionalflughäfen arg in die Jahre gekommen. Verschlissenes Material, kaum Service und Gastronomie – die Abfertigung von jährlich rund 20 Millionen Touristen ist eigentlich ein Wunder der Improvisation.

Dieses Bild könnte sich bald ändern, denn allen Vorbehalten zum Trotz hat die griechische Regierung nun doch dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport den Zuschlag für 14 Regionalflughäfen im Land erteilt. Die Entscheidung wurde am Dienstag im Amtsblatt der Athener Regierung bekannt gegeben, sie trägt die Unterschriften mehrerer Minister. Der Gesamtpreis für die auf 40 Jahre angelegten Betreiberkonzessionen beträgt demnach rund 1,2 Milliarden Euro. Und die Liste der Orte, an denen die mehrheitlich in deutschem Staatsbesitz befindliche Fraport den Flugbetrieb regeln soll, liest sich wie ein vielversprechender Urlaubskatalog: Es handelt sich unter anderem um die Flughäfen auf Korfu, Rhodos, Kos, Samos, Mykonos und Santorin; im Paket enthalten ist auch der Flughafen von Chania auf Kreta und der von Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt in Griechenland.

Das Geschäft war bereits im vergangenen Jahr verhandelt worden, unter der damaligen konservativen Regierung von Antonis Samaras. Doch als zu Jahresbeginn Alexis Tsipras und seine Syriza-Partei an die Macht kamen, wurden alle geplanten Privatisierungen auf Eis gelegt. Jetzt nehmen Fraport und die Athener Privatisierungsbehörde die Gespräche wieder auf – wann es zu einem Abschluss kommt, ist nach Angaben eines Fraport-Sprechers noch offen. Dass es jedoch zu einem Abschluss kommt, sei sehr wahrscheinlich; andernfalls wären beide Seiten wohl kaum an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, sagt der Sprecher.

Zumindest über die griechische Seite muss man wohl sagen, dass sie die Verhandlungen nicht ganz freiwillig wieder aufgenommen hat. Aber dieser Schritt ist nun mal eine Bedingung für die Auszahlung der Summen aus dem dritten Kreditpaket, über das der Bundestag heute abstimmen wird. In dem Papier, das die Euro-Finanzminister Ende vergangener Woche beschlossen hatten, wird die Umsetzung von bereits angestoßenen Privatisierungen zur Voraussetzung für weiteres Geld erklärt – und das Geschäft mit Fraport ist das bisher am weitesten gediehene Privatisierungsvorhaben.

Es wird womöglich die erste Privatisierung unter der linken Syriza-Regierung sein – eine heikle Angelegenheit für Premier Tsipras. Heikel, weil er einmal mehr ein Wahlversprechen bricht – mit seiner Partei an der Macht sollte der „Volksbesitz“ ja „Volksbesitz“ bleiben. Heikel auch deswegen, weil es ausgerechnet ein deutsches Staatsunternehmen ist, das den Zuschlag erhält. In Griechenland steht die Bundesregierung schwer im Verdacht, von der Not der Griechen zu profitieren. Die linke Plattform in Tsipras’ Syriza-Partei spricht schon von einem „Wirtschaftsskandal“.

Ein „Gschmäckle“ sieht auch Sven-Christian Kindler gegeben, Griechenland-Experte der Grünen im Bundestag: „Der griechische Staat muss an ein mehrheitlich deutsches Staatsunternehmen veräußern, und gleichzeitig hat der deutsche Staat als Gläubiger in den Verhandlungen darauf gedrungen.“ Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht schlug via Twitter Alarm; sie sieht in dem Deal eine „neokoloniale Ausplünderung Griechenlands“.

Ist es aus Sicht des griechischen Fiskus nicht doch kontraproduktiv, ausgerechnet Flughäfen in Tourismusregionen zu verkaufen? „Das setzt voraus, dass der griechische Staat aus dem Betrieb der Flughäfen tatsächlich Einnahmen erzielt“, sagt Prof. Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Der gebürtige Grieche hat da seine Zweifel: „Bisher dienten staatliche Einrichtungen vor allem den Politikern vor Ort als Ressource für treue Wähler, die mit Jobs belohnt wurden. Der griechische Staat war in der Vergangenheit kein erfolgreicher Investor.“

Laut Kritikos könnte sich der Fraport-Deal als Chance für Griechenland erweisen. „Seit zehn, 15 Jahren fließen keine Investitionen in die Regionalflughäfen, da ist viel Wachstumspotenzial.“ Investitionen würden die Attraktivität der Flughäfen steigern und mehr Touristen anziehen, ein neues Organisationskonzept könnte ihre internationale Vernetzung verbessern. „Vor allem vom Konzept des Betreibers hängt es nun ab, ob das Wachstumspotenzial der Flughäfen auch im Sinne einer Erhöhung der Einnahmen aus dem Tourismus ausgeschöpft wird“, sagt Kritikos.

Bei Fraport heißt es, man wolle gleich nach der Übernahme in die Modernisierung der Flughäfen investieren. Der Sprecher sagt: „Wir sind überzeugt von der touristischen Attraktivität Griechenlands.“

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