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WZ: Da muss man auf der Hut bleiben. Der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (Grüne) besucht die Bürgerinitiative Walsrode am Gasförderplatz in Fulde

VON JENS REINBOLD

FULDE. Sven-Christian Kindler ist sichtlich beeindruckt. Der Haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag ist – wie er selbst erklärt – kein Experte rund um die Themen Fracking, Lagerstättenwasserverpressung und Abfackeln, weshalb er sich womöglich die Verpress- und Förderstelle H1 bei Fulde in den Ausmaßen deutlich kleiner vorgestellt hat. Die Bürgerinitiative (BI)Walsrode hat Kindler eingeladen, einem Gespräch folgte der Ortstermin am Zaun von Exxon in Fulde. Im Hintergrund schauen Arbeiter vom Gelände misstrauisch zu Kindler, Hedi Schmidt, die Kindlers Regionalbüro in Soltau leitet, und Jürgen Hambrock hinüber.

Hambrock gehört zum Sprecherrat der Walsroder BI, und was er dem Bundestagsabgeordneten mit auf dem Weg gibt, beschäftigt viele Menschen rund um Fulde schon länger. „Aus verschiedenen Förderstellen aus einem Umkreis von etwa sieben Kilometern kommt in unterirdischen Leitungen das Gas und das Lagerstättenwasser an diesen Clusterplatz“, sagt Hambrock, der gar nicht weit entfernt – in Ebbingen – wohnt. Vor allem die Verpressung von Lagerstättenwasser in Fulde bereitet ihm dabei Kopfschmerzen. „Das kommt aus Tiefen von etwa 4500 Meter und wird hier nur 800 Meter unter der Erde verpresst“, sagt der Ebbinger, „dagegen wehren wir uns vehement.“

Kindler nickt. Das Wasser, so fordert er, müsse vor der Verpressung aufbereitet werden, „und dann muss es dort wieder vor Ort in den Boden gebracht werden, wo es herkommt – und zwar in die gleiche Tiefe“, sagt Kindler. Gesetzlich sei das so nicht vorgegeben, und schon jetzt treibt Mitglieder der BI der Gedanke um, dass Lagerstättenwasser auch aus anderen Landkreisen in Fulde verpresst werden könnte. „Die Stadt“, erklärt Hambrock, der selbst im Stadtrat sitzt, „hat kaum eine Einflussmöglichkeit. Es gibt keine Hebel, die man ansetzen kann.“

Die Fördermengen in Fulde seien rückläufig, erklärt Hambrock, „deshalb habe ich Befürchtungen, dass hier mehr Lagerstättenwasser oder gar Frackingfluid verpresst wird“. Dabei, so fügt Hambrock an, wisse er eh nicht, ob es einen großen Unterschied zwischen den beiden Flüssigkeiten gebe. Kindler sieht aber auch noch eine andere Gefahr. „Nach dem ,Fracking-Ermöglichungsgesetz' der Koalition“, wie der Grüne das Gesetz nennt, „ wird es wieder mehr Anträge zum Fracking geben“, mutmaßt Kindler, „da muss man auf der Hut bleiben“, riet er Hambrock. Auch ein anderes Problem rund um die Gasförderung spielte am Drahtgitterzaun in Fulde eine Rolle: das Abfackeln. Dabei werden an den Förderstellen Abgase, brennbare, überwiegend gasförmige Abfallstoffe über eine Fackel verbrannt. Die Schadstoffe, die dabei freigesetzt werden, würden unzureichend überprüft. „Unter der Fackel wird nicht gemessen“, sagt Hambrock und bemängelt die unzureichenden gesetzlichen Vorgaben zur Kontrolle des Abfackelns. „Früher in den 1950er und 1960er Jahren war das bei der Industrie ähnlich, da spielte der technische Umweltschutz auch erst später eine Rolle“, sagt Kindler. Das sei nun mit dem Abfackeln vergleichbar, „da haben wir bisher nichts, dabei wäre das technisch ja machbar“, sagt er, bevor er wieder ins Auto steigt.

Man werde in Kontakt bleiben, versprechen die Beteiligten zum Abschied, während die Exxon-Mitarbeiter wieder an die Arbeit gehen.

Quelle: Walsroder Zeitung 

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