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WZ: Zahl der Flüchtlinge "überschaubar"

Grünen-Abgeordnete Sven-Christian Kindler und Filiz Polat besuchen Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel-Oerbke

von Manfred Eickholt

BAD FALLINGBOSTEL/ OERBKE. Gut 15 Monate, nachdem die ersten Flüchtlinge das „Camp Fallingbostel-West“ erreichten, ist in dem heutigen Ankunftszentrum Routine eingekehrt. Über das Zusammenspiel von Land, Bund und  Kommune informierten sich in dieser Woche der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler und die niedersächsische Landtagsabgeordnete Filiz Polat (beide Bündnis 90/Die Grünen) bei einem Besuch. Ihr Fazit: Die Kooperation zwischen allen Ebenen ist gut abgestimmt. Und: Die Grünen wollen weder „Flüchtlingstourismus“ im Bundesland zwischen Harz und Nordsee, noch die Einrichtung von „Abschiebelagern“. Beide sprechen sich zu dem für Familiennachzug aus

36 Mitarbeiter der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) und rund 90 aus dem BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) kümmern sich zusammen mit Angehörigen des Camp-Betreibers Johanniter Unfallhilfe um Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten nach Bad Fallingbostel/ Oerbke kommen. Aktuell erreichen täglich zwischen zehn und 30 Männer, Frauen und Kinder die Einrichtung, informierte die Leiterin des Ankunftszentrums, Birgit Gerdes.

Das sei „eine überschaubare Menge“. In ganz Niedersachsen beträgt die Zahl der eintreffenden Menschen in den Aufnahmeeinrichtungen zwischen 80 und 100 am Tag. Um die 3600 Flüchtlinge halten sich zeitgleich in den niedersächsischen Einrichtungen auf, erfuhren die Gäste aus Berlin und Hannover.

Die Aufenthaltsdauer in Bad Fallingbostel/Oerbke betrage in der Regel zwei bis drei Wochen. Flüchtlinge mit einem positiven Asylbescheid werden anschließend in die zu gewiesenen Kommunen überführt. Beispiel: Im Januar betraf das 69,2 Prozent der Antragsteller. Die Anerkennungsquote sei besonders hoch bei Syrern und Irakern, die religiösen Minderheiten zuzuordnen sind. Etwa die Hälfte der afghanischen Flüchtlinge könne mit einem positiven Bescheid rechnen. Die Zahl der Ankommenden aus der Türkei (nicht Kurden) steige an, erfuhren Kindler und Polat weiter. Darüber hinaus finden sich beispielsweise auch Menschen aus Afghanistan, China, Nepal und Kolumbien ein. Steigend sei die Zahl der Geflüchteten aus den Bereichen Elfenbeinküste, Eritrea und Somalia.

In Bad Fallingbostel/Oerbke wird auch ein Teil der „komplexen Asyl-Fälle“ behandelt. Der Rest wird in andere Außenstellen des BAMF weitergeleitet. Das Bundesamt strebe grundsätzlich die Einheit von Anhörern und

Entscheidern an, sagte Regierungsdirektor Detlef Schütte, Referatsleiter aus Friedland. Er rechnet nicht damit, dass sich eine Flüchtlingswelle in der Größenordnung wie 2015/2016 noch einmal wiederholt. Dennoch gelte es, sich „Gedanken über Reserven“ zu machen. Sowohl Einrichtungen als auch geschultes Personal müsse für den Fall der Fälle zur Verfügung stehen. In Bad Fallingbostel/Oerbke wird aktuell das geschlossene „Camp Fallingbostel-Ost“ als Reserve vorgehalten.

Abgesehen von anzupassenden Strukturen, die Bund und Land wegen rückläufiger Flüchtlingsströme diskutieren, ging es Kindler und Polat um „menschliche Aspekte“. Amir Darjazi (Johanniter) berichtete, viele Flüchtlinge se-hen letztlich „Erwartungen nicht erfüllt“. Außerdem seien die Flüchtlinge „eben wie alle Menschen“, fügte Birgit Gerdes hinzu. „Wir erleben die komplette Bandbreite – von Angst und Ärger über Geduld, Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft bis hin zu Aggression.“

Als positiv werteten Kindler und Polat, dass „hier Willkommenskultur gelebt wird“. Im Ankunftszentrum gebe es viel Platz und zahlreiche Angebote. Außerdem nehme man sich trotz der Vorgabe schneller Aufnahme- und Asylverfahren Zeit für Erstgespräche und Information. „Die Menschen können erstmal ankommen“, so Kindler.

Ein Sozialdienst ist im Aufbau, er soll im Mai starten.

 

Artikel erschienen in der Walsroder Zeitung 

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