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NP: „Brücken-Irrsinn“ beschäftigt Bundestag

Verkehrsministerium soll schon morgen zur neu verfügten Höhe von Überführungen Stellung nehmen

VON VERA KÖNIG

HANNOVER. Höhere Brücken bauen, damit Lastwagen ungehindert darunter her fahren können – diesem Ziel dient eine neue Verfügung des Eisenbahn-Bundesamtes. Für Neubauten oder „im Gesamtbauwerk zu ändernde Eisenbahnüberführung“ setzt die Behörde eine lichte Höhe von 4,50 Metern an. „Irrsinn“, lautet dazu der Kommentar des hannoverschen Bundestagsabgeordneten Sven Kindler.

Von den fast 26 000 Bahnbrücken in Deutschland, davon Dutzende in der Region Hannover, sind sehr viele im schlechten Zustand. Eine Auswertung der von der Bundesregierung gelieferten Daten weist auf den riesigen Sanierungsstau hin. „Keine bekannten Schäden“ ist eine Aussage, die auf fast keine Überführung in der Region zutrifft. Von punktuellen, größeren oder umfangreichen Schäden ist die Rede, teilweise heißt es sogar: „Muss abgerissen werden, da reparieren zu teuer ist“.

Bei jedem Abriss und Ersatzbau würde von nun an die Verfügung greifen, die vor den Hinweisen der NP nicht mal Stadtbaurat Uwe Bodemann kannte. Die Mindesthöhe der Brücken über Bundesfernstraßen wird auf 4,70 Meter angesetzt, bei öffentlichen Straßen auf 4,50 Meter. Begründung: Niedrigere Höhe führe „mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu Unfällen mit Personen- und Sachschäden“. Derzeit aber gibt es in Hannover etliche Brücken, für die eine Beschränkung von 3,50 Meter gilt

Über Formulierungen wie „Schaffung eines modernen durchgehenden Verkehrswegenetzes auch für hohe Fahrzeuge ohne zu niedrige Eisenbahnüberführungen als einschränkende Zwangspunkte“ schüttelt Kindler den Kopf. „Wir haben ein Lkw-Leitkonzept“, sagt er. Jedem Fahrer sei klar, welche Routen er nehmen müsse, um ungehindert sein Ziel zu erreichen.

Würde die Verfügung umgesetzt, befürchtet Kindler eine Verschwendung von zig Millionen Euro. „Geändert würde ja nicht nur die Höhe der Überführungen“, gibt er zu bedenken. „Hunderte von Weichen müssten verändert werden, alle Oberleitungen in dem Bereich und alle Lärmschutzwände.“

Die Idee, notfalls Straßen tiefer zu legen, hält der finanzpolitische Sprecher für abwegig. „Dann steigt die Unfallgefahr für Fußgänger und Radfahrer.“ Sein Appell: „Wir müssen diesen Irrsinn stoppen!“ Schon morgen will er das Thema aufgreifen: „Trifft sich gut, dass wir ein Gespräch im Verkehrsministerium haben.“

Die Umsetzung dieser Verfügung wäre verkehrspolitisch und finanziell ein großer Irrsinn. Wir müssen das stoppen!

Quelle: Neue Presse

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