Grußwort zur Kundgebung gegen das Ostertreffen der „Ludendorffer“

14.4.2017

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen,

ich kann leider heute nicht bei euch sein, möchte euch aber mit diesem schriftlichen Grußwort meine Solidarität und meinen Dank ausdrücken. Denn seit über elf Jahren gibt es am Karfreitag jetzt die Mahnwache gegen die Tagung der Ludendorffer hier in Dorfmark. Und genauso lange gibt es den lautstarken Protest gegen die Ludendorffer und ihre Hetze. Danke! Es ist sehr wichtig, dass ihr heute hier seid und dagegen Widerstand leistet.

Wenn die Ludendorffer fordern, die „Durchmischung der Rassen“ und die „Schwächung unserer Gemeinschaft durch Zuwanderung“ zu verhindern. Wenn sie fordern, die „Volksgemeinschaft, aus biologischen und genetischen Gründen vor allem Fremden zu schützen“, dann müssen wir das klar als Rassismus und Menschenverachtung benennen. Dann müssen wir aufzeigen, welche Konsequenzen dieses völkische Denken hat. Dann müssen wir auf die Geschichte verweisen und sagen: Nie wieder!

Die so genannten „Gotteserkenntnis-Sucher“ verfolgen rassistische und antisemitische Ziele und halten Abschottung für das Mittel der Wahl, um die Schwierigkeiten der Welt von sich fernzuhalten. Dieses System der Ausgrenzung und der Menschenverachtung ist geistige Brandstiftung. Es bereitet den Nährboden für rassistische Übergriffe und Gewalt gegenüber Migrant*innen, Geflüchteten und Andersdenkenden. Es gibt den Tätern das Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Diese Hetze der Ludendorffer, aber auch anderer Ultrarechter, wie der AfD, sorgt dafür, dass die Anzahl der rechten Straftaten auch in Niedersachsen ein trauriges Rekordniveau erreicht hat.

Stoppen wir diese Gewalt! Sorgen wir dafür, dass die rassistischen und menschenfeindlichen Übergriffe auf allen Ebenen konsequent verfolgt werden. Und setzen wir uns dafür ein, dass die vielen Initiativen, Vereine oder die Kirche, die sich gegen Nazis und für eine weltoffene Demokratie stark machen, endlich Anerkennung und die nötige staatliche Unterstützung erhalten.

Gemeinsam werden wir den rechten Kräften den Kampf ansagen: Besonders dann, wenn sie durch das gezielte Schüren von Ängsten und das bewusste Verbreiten von Falschmeldungen unsere Demokratie angreifen. Man kann die Welt aus Überzeugung anders sehen. Aber die eigene Ideologie als unumstößlich und damit unzweifelhaft anzusehen, ist höchst gefährlich.

Lasst uns bei den Fakten und auch dem Zweifel bleiben und für die Leisen unsere Stimme erheben! Die große Mehrheit der Menschen steht immer noch auf der richtigen Seite und ist für eine offene und freiheitliche Gesellschaft. In Deutschland engagieren sich immer noch Millionen Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit. Jetzt zu Ostern marschieren europaweit Menschen für Frieden und Abrüstung durch die Städte. Jeden Sonntag gehen immer mehr Menschen für unser Europa auf die Straße. Und jedes Jahr und immer wieder seid ihr hier!

Und das ist jetzt wichtiger denn je: Das letzte Jahr hat uns allen gezeigt: Freiheit und Frieden in Europa sind nicht selbstverständlich. Dazu muss sich Europa allerdings auch verändern, sozialer, demokratischer und handlungsfähiger werden. Anders werden wir auch dem Druck der Neoliberalen-Egoismus-Politik à la Trump nicht standhalten. Anders werden wir die Probleme der Welt nicht lösen. Die Jugend in Europa braucht wieder eine Perspektive, das Massensterben auf dem Mittelmeer muss ein Ende haben. Es darf nicht länger um Abschottung und Nationalismus gehen, sondern um Zusammenarbeit, soziale Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt.

In diesem Sinne: Danke, dass ihr hier seid! Danke, dass ihr wach, aufmerksam und politisch aktiv seid. Danke, dass ihr für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft auf die Straße geht.

Alerta, alerta, antifascista!

Sven-Christian Kindler

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