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NP: Kein NDR beim Plaza-Festival

Radiosender kündigt Kooperation wegen Söhne-Mannheims-Lieds auf

Von Stefan Gohlisch

Hannover. Das diesjährige Plaza-Festival am 26. Mai wird ohne Zusammenarbeit mit dem bisherigen Medienpartner NDR 2 stattfinden. Grund ist die Debatte um die dort auftretende Gruppe Söhne Mannheims um den Sänger Xavier Naidoo und ihren Song „Ma­rionetten“.

NDR-2-Programm-Chef Torsten Engel: „Das Plaza-Festival in Hannover liegt uns sehr am Herzen. Gerade aus diesem Grund haben wir uns die Entscheidung nicht leicht ge­macht und die Stellungnahmen der Künstler abgewartet.“ Die hätten nicht überzeugt. Künstlern stehe es frei, Songs und Texte ihres Ge­schmacks zu produzieren und zu veröffentlichen. Der Sender aber wolle sich mit Texten wie „Marionetten“ (siehe Info) nicht durch eine Präsentation gemeinmachen.

Zuvor hatte sich bereits Radio Bremen von der Band distanziert und eine Konzert-Kooperation aufgekündigt. In Mannheim, der Heimatstadt der Söhne, wurden die Musiker zu einem Krisengespräch gebeten. Dort will man über eine weitere Zusammenarbeit vorerst keine Prognose abgeben. „Im Augenblick ist ein wichtiger Schritt gegangen, so dass wir nichts aufkündigen“, sagte gestern Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD).

Gleichwohl teilte die Stadt mit: „Mit ,Marionetten’ haben die Söhne einen Song veröffentlicht, dessen Inhalt in den Medien wie in dem gesamten politischen Spektrum inklusive der Rechtsextremen nahezu einheitlich bewertet und verstanden wird. Er wird in An­spruch genommen von Bewegungen wie den Reichsbürgern, die die Existenz unseres Staates verneinen, oder solchen.“ Die Band selbst wollte den Text als Aufforderung zum Dialog verstanden wissen. Naidoo räumte ein, dass er „missverständlich“ sei.

Die jetzige Aufkündigung der 16 Jahre währenden Zu­sammenarbeit des NDR 2 mit dem örtlichen Veranstalter Hannover Concerts (HC) be­trifft vorerst ausdrücklich nur diese Ausgabe des Festivals; die N-Joy-Starshow am da­rauffolgenden Tag findet wie geplant statt. Auch das Plaza-Festival findet ansonsten un­verändert statt. „In Deutschland sind künstlerische und Meinungsfreiheit verbrieft. Da­zu stehen auch wir als Konzertveranstalter“, teilte Hannover Concerts mit: Man werde „den Vertrag mit der Band Söhne Mannheims erfüllen, der bereits Ende Oktober 2016, also weit vor der Veröffentlichung des umstrittenen Songs (21. April 2017), ge­schlossen wurde“. Die Verpflichtung beruhe auch auf der langen Zusammenarbeit mit den Musikern: Naidoo tritt dieses Jahr zum fünften Mal auf dem Festival auf.

Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordneter aus Hannover, teilte gestern mit: „Ich freue mich, dass der NDR seine Präsentation zu­rückgezogen hat. Diese klare Haltung erwarte ich jetzt auch von Hannover Concerts. Auch Konzertveranstalter müssen sich fragen lassen, ob sie rechtsoffenen Bands eine Bühne geben wollen.“

2015 hatte der NDR Naidoo für den Eurovision Song Contest nominiert und diese Entscheidung nach massiven Protesten wegen dessen vermeintlicher Nähe zu Reichsbürgern zurückgezogen.

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