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FR: Toll Collect - Daimler schert aus

Der Stuttgarter Autobauer Daimler will offenbar aus dem Lkw-Mautsystem in Deutschland aussteigen. Hintergrund ist ein Strategiewechsel.
Von: Thorsten Knuf - 15.08.2017

Der Autokonzern Daimler will sich offenbar aus dem Mautbetreiber Toll Collect zurückziehen. Daimler werde sich an der Neu-Ausschreibung für den Vertrag ab Sommer 2018 nicht mehr beteiligen, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Branchenkreise. Der Ausstieg sei „beschlossene Sache“. Daimler selbst teilte lediglich mit, dass zu dem Vergabeverfahren Vertraulichkeit vereinbart worden sei.

Hintergrund des Rückzugs ist demnach ein Strategiewechsel bei Daimler: Das Unternehmen will durchstarten im Markt der sogenannten Telematikdienste – also bei der Erfassung, Verarbeitung und Bereitstellung von Verkehrsdaten aller Art. Ursprünglich sollte die Beteiligung an Toll Collect für Daimler das Eingangstor zu diesem zukunftsträchtigen Geschäft sein. Die Wettbewerbsbehörden machten dem Luxuswagen- und Lkw-Hersteller aber einen Strich durch die Rechnung.

Je 45 % der Toll-Collect-Anteile sind in der Hand von Daimler und der Deutschen Telekom. Die übrigen zehn Prozent hält Cofiroute.

Toll Collect mit Sitz in Berlin treibt seit 2005 im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die Maut für Lkw auf Autobahnen und Bundesstraßen ein. Daimler und die Deutsche Telekom halten bislang je 45 Prozent der Anteile an der Betreiberfirma, die übrigen zehn Prozent liegen bei der französischen Cofiroute. Der bisherige Vertrag läuft in einem Jahr aus. Die Ausschreibung des Bundes für die Zeit danach läuft bereits. Die bisherigen Konsortialpartner bieten bislang erneut mit, Daimler will jetzt aber nicht mehr. Die Telekom und Cofiroute stünden bereit, um gemeinsam die Anteile der Stuttgarter zu übernehmen, hieß es.

Ob die beiden allerdings noch einmal zum Zuge kommen, ist unsicher. Auch andere Unternehmen aus dem In- und Ausland dürften ein großes Interesse haben, den Mautbetreiber zu kaufen. Angesichts niedriger Zinsen gieren Investoren derzeit förmlich danach, Infrastruktur-Firmen zu übernehmen. Dieses Geschäft verspricht stetige und langfristige Renditen. Hinzu kommt, dass die EU einen gemeinsamen Rahmen für Mautsysteme plant. Es handelt sich also um einen Wachstumsmarkt.

Die Grünen kritisierten am Montag, dass es der Bund ablehnt, die Erhebung der Lkw-Maut in Eigenregie zu betreiben. „Ob Daimler, die Telekom oder die Allianz das Mautsystem übernehmen, ist eigentlich egal. So oder so verdienen sich auf Kosten der Bürger ein paar Konzerne eine goldene Nase“, sagte Haushalts-Experte Sven-Christian Kindler. Er ergänzte: „Toll Collect hat das Verkehrsministerium bei den Vergütungen und den Abrechnungen in den letzten Jahren klar über den Tisch gezogen. Seit über zehn Jahren streitet der Bund mit Toll Collect vor Schiedsgerichten über große Milliardenbeträge. Das ist ein Stück aus dem Tollhaus.“

Im Frühjahr hatten Fahnder der Justiz die Zentrale von Toll Collect in Berlin durchsucht; es besteht der Verdacht des Abrechnungsbetrugs.

Quelle: Frankfurter Rundschau

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