Suchformular

Pflege braucht mehr Unterstützung - Krankenhäuser mehr Geld für Investitionen.

Besuch im Agaplesion Diakonieklinikum

Besuch im Agaplesion Diakonieklinikum

Um sich vor Ort über die Situation in der Pflege im Krankenhaus zu informieren und auch über die Ausbildungsmöglichkeiten für Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger besuchte der grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg und die dazugehörige Gesundheits- und Krankenpflegeschule.

Zunächst zeigten der theologische Direktor, Pastor Matthias Richter, und Pflegedirektor, Olaf Abraham, dem Abgeordneten Kindler zusammen mit Elisabeth Dembowski, grüne Fraktionsvorsitzende in Rotenburg und Kreistagsabgeordnete, einen Teil der Einrichtungen des Krankenhauses. Insbesondere besuchten sie das zertifizierte „Überregionale Traumazentrum“ zur Behandlung von Schwerstverletzen und die Bereiche, in die zukünftig investiert werden soll. Dabei wurde deutlich, dass das Krankenhaus mit seinen 23 Fachabteilungen breit aufgestellt ist und als Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg versucht jederzeit auf dem neuesten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu sein. Die Auslastung ist durchgehend entsprechend hoch.

Dass der hohe technische Standard viel Geld kostet und gerade die Investitionen nur mit großen Anstrengungen zu erwirtschaften sind, wurde dem Abgeordneten mit auf den Weg gegeben. „Wir Grüne sehen für die Investitionen die Länder weiterhin in der Pflicht, glauben aber, dass auch die Krankenkassen dazu einen Beitrag leisten sollten“, so Kindler. „Was auf Dauer nicht geht ist, dass die Krankenhäuser mit ihren Investitionsbedarfen allein gelassen werden. Das geht sonst immer mehr auch auf Kosten der Pflege.“

Ausführlich wurde im Anschluss die Situation in der Pflege mit drei Vertreterinnen der Pflegekräfte diskutiert: Frau Badenhoop, Frau Drees und Frau Kregel, die auch Mitglied der neugegründeten Pflegkammer ist.

Alle drei machten deutlich, dass die Anforderung in den letzten 10 Jahren gestiegen sind, unter anderem im administrativen Bereich, und sie sich mehr Personal und damit mehr Zeit für die Arbeit mit den Patienten wünschen. Kurze Liegezeiten erhöhten den Druck schnell Informationen weiter zu geben und älter werdende Patienten erforderten mehr Zeit in der Betreuung. Die drei Frauen betonten aber auch, dass sie ihren Beruf nach wie vor sehr gerne ausüben.

Auf die Frage von Sven-Christian Kindler, welche Verbesserungen nötig seien, damit mehr Menschen diesen Beruf ergreifen und vielleicht auch von Teilzeit- auf Vollzeitbeschäftigung umsteigen würden, wurde vor allem genannt: planbare Arbeitszeiten, Verlässlichkeit bei den Dienstplänen. Eine höhere Vergütung sei zwar auch wünschenswert aber nicht vorrangig.

Die Frage der Fach – und Pflegekräfte wurde auch beim anschließenden Besuch der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Krankenhauses diskutiert. Frau Herrmann als Leiterin der Schule, sowie Lehrer und zwei Schüler*innenvertreternutzen die Gelegenheit zum Austausch mit dem Abgeordneten. Der fragte vor allem die Schüler*innen nach ihren Erfahrungen mit der Ausbildung und ihrer Motivation. Im Vordergrund stand dabei der Umgang mit Menschen, aber auch das medizinische Interesse. Wie anspruchsvoll Ausbildung und Beruf seien, würde vielfach gar nicht mehr wahrgenommen.

Auch die Mischung aus praktischer Ausbildung und Theorie wurde geschätzt. Allerdings sei bei der Arbeit auf den Stationen viel Druck zu spüren, der bei manchen auch dazu führe, dass die Ausbildung abgebrochen wird.

Für die Ausbildung ist es nach Ansicht der Schulleitung nötig, dass mehr Geld investiert wird, damit zum Beispiel Anleiterinnen freigestellt werden können und eine intensivere Betreuung der Auszubildenden ermöglicht wird. Dabei wurde auch auf andere Europäische Länder verwiesen, die dort viel mehr investieren und wo die Ausbildung zum Teil als Studium durchgeführt wird.

Kindler: „ Ich könnte mir vorstellen, dass eine Reform der Ausbildung den Beruf attraktiver machen würde, die Abrecherquote gesenkt werden könnte und auch eine Vergütung im späteren Beruf erreicht würde, die diesem wertvollen Beruf angemessen ist. Das könnte ein duales Studium ermöglichen.“

Um den momentanen Engpass in der Pflege zu begegnen, ist aber auch der Beruf des/der Pflegehelfer/innen ein Weg, den das Krankenhaus geht. Dieser Weg ist für Menschen gedacht, die nach einer kürzeren Ausbildungszeit in den Beruf gehen möchten und vor allem zur Unterstützung der Krankenpfleger*innen auf den Stationen tätig sind. Hier macht das Diakonieklinikum, nach einem Praktikum, auch Flüchtlingen ein Ausbildungsangebot, um so auch sofort eine Verbesserung in der Pflege zu erreichen.

Verbreite diesen Beitrag!
Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert. Näheres erfahren Sie hier.